Der Zentraleuropa-Chef von A.T. Kearney im Porträt
Michael Träm: Der rigorose Umsetzer

An diesem Morgen entspricht er so gar nicht dem Bild eines Top-Beraters. Etwas zerknittert wirkt er. Kein perfekt sitzender dunkler Business-Anzug, sondern nur ein offenes Hemd mit Pullover. Blass sitzt Michael Träm da im Düsseldorfer Büro und schaut mit müden Augen durch seine schlichte, randlose Brille.

DÜSSELDORF. "Wir haben heute unseren Casual Friday", entschuldigt der Zentraleuropa-Chef von A.T. Kearney sein Outfit. Und die Müdigkeit? "Ich komme vom Jahrestreffen von A.T. Kearney und unserer Muttergesellschaft EDS", erzählt er, wie es seine Art ist: offen, ohne Schnörkel und ohne seinen leichten saarländischen Dialekt zu verbergen.

Die Spitzen des US-Beratungshauses und von EDS dürften keinen besonderen Grund zur Klage gehabt haben. Träm hat A.T. Kearney in Zentraleuropa trotz Wirtschaftskrise auf Kurs gehalten. Zwar gab der Umsatz im vergangenen Jahr um 14 Prozent auf 215 Millionen Euro deutlich nach. Aber mit dem nur leicht gesunkenen Gewinn erreichte er den Spitzenplatz weltweit. Das war kein leichter Job.

Als der promovierte Jurist vor drei Jahren den Posten des Europachefs übernimmt, wird er nicht gerade mit Jubelrufen empfangen. Nach dem charismatischen Visionär Dietmar Ostermann, der in der Zeit der Internet-Euphorie mit Ideen und Großzügigkeit glänzen konnte, kommt in der Zeit der Wirtschaftskrise der Macher Träm, ein Mann mit Bodenhaftung und ohne Allüren.

Der 40-Jährige, der sich als Spezialist für Fusionen und Restrukturierungen einen Namen gemacht hat, fackelt auch intern nicht lange. "Als Erstes habe ich die ,fancy activities? abgeschafft", erzählt Träm und lässt durchblicken, dass er von Bergwandern auf Mallorca für Studienabgänger und opulenten Betriebsfesten nie viel gehalten hat. Er kürzt das Trainingsprogramm und verdonnert die Berater, bei Dienstreisen von Lufthansa auf Deutsche BA umzusteigen.

Aber mehr noch sorgt er mit gekürzten Boni, einem Beförderungsstopp und damit verbundenen Nullrunden bei den Gehältern für Frust bei den Mitarbeitern. Erst in diesem Jahr will er den Beförderungsstau aufheben.

Er könne gut zuhören und eine offene Gesprächsatmosphäre schaffen, lobt ihn ein Partner, der mit ihm zusammengearbeitet hat. Mitarbeiter und Kunden heben hervor, er sei sehr umsetzungsstark. Seine Devise lautet: "Man muss sagen, was man denkt, und dann tun, was man sagt." Vielleicht hilft ihm dies in der Diskussion mit der Muttergesellschaft EDS. Die will ihre IT-Berater enger mit den Strategieberatern von A.T. Kearney zusammenbringen. Da besteht die Gefahr, dass A.T. Kearney im Kampf mit den Rivalen an Profil verliert. Bislang war das Beratungshaus laut Branchendienst Lünendonk die Nummer drei im deutschen Markt für Managementberatung hinter McKinsey und Roland Berger.

Träm ist niemand, der leicht lospoltert, um etwas durchzusetzen. Dafür ist er zu beherrscht. "Er braucht nur wenige, gesetzte Worte, um zu sagen, wo es langgeht", beschreibt Ulrich Grillo, Chef der Grillo-Werke seinen Ex-Kollegen. Äußerst diszipliniert verfolgt er auch seinen Vorsatz, jede Woche mit jedem der 40 Partner in Deutschland "ein intensives Gespräch" zu führen. In seiner großen Kladde, die er statt eines Palms benutzt, sind die Namen in einer Tabelle aufgelistet - und werden sorgfältig abgehakt.

Sein Hang zur Perfektion und zur raschen Umsetzung bedingt auch seine größte Schwäche: seine Ungeduld. "Ich verlange immer mindestens 110 Prozent von der Mannschaft", gesteht Träm. "Das dürfte die Mitarbeiter schon mal nerven", glaubt er - und seine Pressesprecherin nickt. Er nehme sich Kritik manchmal zu sehr zu Herzen, merkt Grillo an.

Aber trotz aller Perfektion und Disziplin - Träm ist Genüssen keineswegs abgeneigt. Er verweist auf die gute, französisch geprägte Küche seiner Heimatstadt Saarbrücken. Wenn er über Privates spricht, gerät er sogar ins Schwärmen. "Ich war mal ein sehr, sehr guter Surfer." Oder wenn er von seiner derzeitigen Lektüre spricht. "Ich lese ein phantastisches Buch über einen Einhandsegler, der es um die ganze Welt geschafft hat."

Er bemüht sich, dass er seine beiden Kinder abends vor dem Schlafengehen noch sieht. Aber danach geht die Arbeit mit einer ganzen Batterie an Schnurlostelefonen und per E-Mail weiter. "Ich sitze dann schon mal bei einem Glas Rotwein und führe Telefonate mit meinen Kollegen in der US-Zentrale", plaudert er. Auch im Urlaub ist er stets über Handy erreichbar.

Wovon träumt ein so viel Beschäftigter? "Einmal Zeit zu haben, um mehrere Monate durch ein völlig unbekanntes Land zu reisen."

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