Der zukünftige VW-Chef will mehr Nischenmodelle auf den Markt bringen
Volkswagen richtet sich auf Ära Pischetsrieder ein

Ein halbes Jahr bevor Bernd Pischetsrieder das Steuer bei Volkswagen übernimmt, wird der Autokonzern bereits nach seinen Plänen ausgerichtet. Am Freitag will der Aufsichtsrat neben der Investitionsplanung für die nächsten fünf Jahre auch die neue Struktur beschließen, mit der der Konzern in zwei Markenwelten aufgeteilt wird.

Reuters HAMBURG. Personelle Veränderungen in den Vorstandsressorts Finanzen und Vertrieb stehen vermutlich noch nicht an. So sind zumindest Äußerungen aus dem Unternehmen zu verstehen. Mit Spannung wird erwartet, ob der Aufsichtsrat mit der Neuaufteilung bereits Hinweise geben wird, wer die beiden Markensparten leiten soll.

Die Pkw-Marken von Europas größtem Automobilkonzern werden zwei Bereichen zugeordnet: Bei Volkswagen, Skoda und Bentley werden eher klassische, konservative Attribute vorangestellt, während bei Audi, Seat und Lamborghini eher temperamentvolle und sportliche Eigenschaften unterstrichen werden sollen.

Wenige Tage vor der entscheidenden Aufsichtsratssitzung hat Pischetsrieder die neue Struktur weiter konkretisiert. Demzufolge sollen sich die Marken der sportlichen Gruppe untereinander stärker in Entwicklung, Produktion, Vertrieb und Marketing unterstützen, behalten aber weiterhin getrennte Händlernetze. Seat solle dabei als Einstiegsmarke fungieren, während Audi und Lamborghini darüber angesiedelt würden, zitierte die "Financial Times Deutschland" Pischetsrieder.

Pischetsrieder: "Mehr Nischenmodelle"

Außerdem bekräftigte der designierte Vorstandschef sein Vorhaben, mehr Nischenmodelle ins Programm aufzunehmen und stellte für das laufende Geschäftsjahr zum zweiten Mal in Folge einen Konzernabsatz von über fünf Millionen Autos in Aussicht. Vorrang werde aber nicht eine größere Menge verkaufter Autos haben, sondern die Profitabilität, betonte er.

Pischetsrieder verteidigte zugleich die von dem noch amtierenden Vorstandschef Ferdinand Piech eingeleitete, unter Analysten aber umstrittene Strategie eines stärkeren Engagements im Luxussegment. Von dem in Dresden gebauten Modell D1 solle die gesamte Marke Volkswagen profitieren, sagte er. Der Erfolg der Luxuslimousine D1 von VW werde sich zeigen, wenn es gelinge, dass zum Beispiel Golf-Kunden höherwertige Ausstattungen und stärkere Motoren bestellten. "Wir wollen ganz neue Kundenkreise für die Marke VW interessieren", sagte Pischetsrieder.

Der auf der Hauptversammlung im April 2002 geplante Wechsel von Piech zu Pischetsrieder hat in den vergangen Wochen Spekulationen über eine umfassendere Veränderung des Vorstands ausgelöst. Genannt wurden dabei immer wieder Finanzchef Bruno Adelt und Vertriebschef Robert Büchelhofer. Die Spekulationen verstummten auch nicht, als Pischetsrieder und Piech gemeinsam und ungewohnt deutlich erklärten, es seien keine personellen Veränderungen im Vorstand geplant. Anders lautende Spekulationen entbehrten jeder Grundlage, hieß es. Mehrere Medien nahmen das Ausscheiden von Kommunikationschef Klaus Kocks und Bentley-Chef Tony Gott als Hinweise für die Prognose, dass das Personalkarussel bei VW nun richtig Fahrt aufnehmen werde.

Beständige Spekulationen um Vorstandspersonalien

Im Zentrum der Medienberichte steht seitdem auch Audi-Chef Franz-Josef Paefgen, dessen Ablösung mehrere Zeitungen für möglich halten. Dabei wird davon ausgegangen, dass Pischetsrieder neben der Konzernleitung eine der beiden Markengruppen führen wird. Für die andere wird Entwicklungsvorstand Martin Winterkorn, nicht aber Paefgen genannt. Offiziell ist dazu keine Stellungnahme zu erhalten, doch deuten Hinweise aus Konzernkreisen darauf hin, dass eine solche Variante zutreffen könnte. Mit Paefgen werde noch über seine Zukunft im Konzern verhandelt, heißt es.

Analysten halten es für wahrscheinlich, dass sowohl Adelt als auch Büchelhofer den Konzern verlassen werden. Bei Adelt wird zur Begründung auf dessen Finanzkommunikation verwiesen, die an den Finanzmärkten für die schwache Entwicklung der VW-Aktie verantwortlich gemacht werde. Bei Büchelhofer wird dessen Zeit unter Pischetsrieder bei BMW angeführt, während der sich die beiden Manager schon nicht besonders verstanden hätten. Eine Analystin vermutet: "Bei Büchelhofer könnte es schnell gehen, bei Adelt wird man sich noch im Nebel halten."

Äußerungen aus Konzernkreisen in Wolfsburg legen allerdings nahe, dass vorerst keine größeren Veränderungen im Vorstand geplant sind und Adelt wie auch Büchelhofer der Konzernführung weiter angehören werden. Der ehemalige BMW-Chef Pischetsrieder soll am 17. April an die Spitze von VW rücken und dort Piech ablösen, der dann in den Aufsichtsrat wechseln und den Vorsitz in diesem Gremium übernehmen soll. Bis dahin bliebe Pischetsrieder noch ausreichend Zeit, das Personalkarussel in Gang zu setzen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%