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Derek: Abell: So gut wie Harvard oder Insead

In seinem ersten Interview mit der deutschen Presse erklärt Professor Derek Abell, der Präsident der neuen deutschen "Super-Business School" in Berlin, seine Ziele.

Professor Abell, mit 64 Jahren blicken Sie auf eine lange Karriere in der Manager-Ausbildung zurück. Sie lehren an drei akademischen Einrichtungen in der Schweiz. Worin besteht der Spaß, jetzt noch Präsident einer neuen Business School in Deutschland zu werden, die sehr wenig Geld hat, keine Dozenten und dazu noch auf einem politischen Minenfeld?

Es macht immer Spaß, ein Projekt zu finden, das nahe an seinen persönlichen Interessen liegt und bei dem man denkt, wirklich etwas beitragen zu können. Was das politische Minenfeld anbelangt, kann ich nur sagen: So etwas hat mich noch nie bekümmert. Manchmal jagen sich Leute, die Minen legen, damit selbst in die Luft.

Sie sind bis 1989 Präsident des IMD-Vorläufers IMEDE gewesen, um dann Ihr Amt an Peter Lorange abtreten zu müssen. Ist dies eine Art späte Revanche und die letzte Chance, doch noch einmal der Boss Ihrer "eigenen" Business School zu sein?

Ihre Frage wäre mir nie in den Sinn gekommen. Übrigens: Ich hatte in den vergangenen Jahren einige andere Angebote, die Leitung einer Business School zu übernehmen, und ich habe sie immer ausgeschlagen, weil ich in ihnen keine neuen Herausforderungen erkennen konnte. Dies ist in Berlin anders.

Mit Professor Wulff Plinke gibt es bereits einen ESMT-Gründungsdekan. Was genau wird Ihre Rolle sein?

So weit ich weiß, ist Wulff bereit, seine Beurlaubung (von der Berliner Humboldt-Universität) verlängern zu lassen, um weiterhin für die ESMT tätig zu sein. Ich habe aber bislang noch keine genauen Vorstellungen darüber, wie die ESMT organisiert sein wird, aber Wulff wird sicherlich eine größere Rolle spielen, solange er von seiner Universität beurlaubt ist.

Die ESMT wird-im allerbesten Fall- ein Startkapital von 100 Millionen Euro haben, was nicht mehr hergibt als ein Jahresbudget von ca. 10 Millionen Euro. Das ist ein lächerlicher Betrag angesichts der Ambition der Gründer, aus der ESMT in 5 bis 10 Jahren ein "deutsches Harvard" (Cromme/ThyssenKrupp) zu machen.

Ich glaube, wir müssen Sie in unseren allerersten Kurs in Buchführung und Finanzen stecken! Die 100 Millionen Euro Kapital stehen in unserer Bilanz, und die Zinsen daraus werden zu den Erlösen hinzukommen, die wir erwirtschaften. Ich weiß noch nicht, wie hoch der Prozentsatz dieser Zinserlöse sein wird, wenn die ESMT voll läuft, aber meine Schätzung ist, dass es nicht mehr als 10-20 Prozent sein werden. In der Anfangsphase, da haben Sie Recht, wird es ein größerer Prozentanteil des Budgets sein, aber in dieser Phase werden auch unsere Kosten niedriger sein.

Wie lange wird es dauern, bis man die ESMT wirklich mit der Harvard Business School oder INSEAD wird vergleichen können?

Wir werden bei einigen Dingen genau so gut oder besser als Harvard oder INSEAD sein. Und bei anderen Dingen, wo wir planen, in ein anderes Profil zu investieren, werden wir ganz anders sein. Meine Hoffnung und mein Plan ist es, dass die Leute von uns sagen werden: Dies ist eine der großen Business Schools in der Welt, aber sie ist anders als das Gros der Spitzenschulen.

IMD-Präsident Peter Lorange erklärte gegenüber dem Handelsblatt, dass er selbst Sie dem ESMT-Mitbegründer Cromme als ESMT-Präsidenten vorgeschlagen habe und dass er eine enge Zusammenarbeit zwischen IMD und ESMT voraussieht. Sind Sie das Trojanische Pferd von IMD in Berlin?

Wenn ich wirklich das Trojanische Pferd bin, dann stimmt es auch, dass ich wahrscheinlich der einzige Soldat darin bin. Die neue Einrichtung wird mit einer Reihe von anderen kooperieren, da, wo das Sinn macht, und ich wäre nicht überrascht, wenn IMD eine davon wäre - auf einem gut definierten, begrenzten Terrain. Deshalb glaube ich, dass die Metapher vom Trojanischen Pferd wirklich daneben liegt.

Die Fragen stellte Christoph Mohr.

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