Derivate sind Sicherheitsnetze für das Depot
Termingeschäfte: Tanz über dem Abgrund

Wer sein Depot am Terminmarkt absichert, hat gute Chancen, nicht kalt erwischt zu werden, wenn es an der Börse abwärts geht. Das gilt natürlich nur, wenn er die richtigen Instrumente zur Absicherung wählt. Privatanlegern ist in der Regel der Kauf von Verkaufsoptionsscheinen (Puts)zu empfehlen.

Wenn der Aktienkurs nach unten geht, gewinnt solch ein Put an Wert. Der Käufer hat das Recht, die Aktie zu einem bestimmten Preis (Basispreis) zu veräußern. Sinkt der Kurs darunter, kann der Käufer die Aktie teurer als am Markt verkaufen. Oder er behält den Schein, dessen Wert mit sinkendem Aktienkurs steigt, zur Absicherung seines Aktienbestandes im Depot. Gewinne, die aus der Optionsschein-Position resultieren, können dann die Verluste der Aktienposition ausgleichen.

Grundsätzlich sind diese Strategien zur Absicherung von Aktien- und Anleihepositionen auch über Terminbörsen möglich:über Futures oder über börsennotierte Optionen; letztere basieren auf dem gleichen Prinzip wie die von Banken emittierten Optionsscheine. Das Hedging über die Terminbörse ist aber eher für Institutionelle oder für sehr vermögende Private geeignet. Insbesondere bei Futures sind die Kontrakte meist nur in hoher Stückelung zu kaufen.

So bietet die deutsch-schweizerische Terminbörse Eurex Zinsprodukte wie den Euro-Bobl-Future oder den Euro- Bund-Future an (Produktübersicht unter der Internetadresse www.eurexchange.com). Das sind Terminkontrakte auf fiktive mittel- bzw. langfristige staatliche Schuldverschreibungen. Kontraktwert in beiden Fällen:100000 Euro. Für Privatanleger eine unhandliche Größenordnung! Auch ist das Risiko bei Futures höher, weil die Börse von Anlegern eine bestimmte Kapitalhinterlegung fordert. Bei Verlusten sind unbegrenzte Einschüsse nötig.

Stehen Investoren vor der Entscheidung für die börsennotierten Optionen oder die außerbörslich gehandelten Optionsscheine, ist zu bedenken:Auch die Optionen haben recht hohe Kontraktwerte. Zudem sind die Gebühren der Banken für Transaktionen an der Eurex oft hoch. Überdies können die Optionsscheine auf den elektrischen Systemen der Banken oft länger als nur während der Börsenzeiten gehandelt werden. Bei der Citibank beispielsweise sind Geschäfte noch bis 22Uhr möglich. Etwa per Internet. So können Investoren auf Kursschwankungen an der Wall Street frühzeitig reagieren.

Wie viele Puts braucht der Anleger?

Haben Anleger also entschieden, sich auf Optionsscheine zu konzentrieren, stellt sich die Frage:Wie viele Puts braucht man, um das Aktienportfolio abzusichern? Dies ergibt sich aus folgenden Kennzahlen für die Puts: Ein Bezugsverhältnis von 100:1 bedeutet, dass zum Verkauf einer Aktie zum Basispreis 100 Scheine nötig sind. Die Kennzahl Delta zeigt, wie stark der Schein auf Kursveränderungen des Basiswertes Aktie reagiert. Die Faustregel:Je höher das Delta, das zwischen null und eins liegt, desto weniger Scheine sind nötig. (Beispiel für die Berechnung der Anzahl von Put-Scheinen auf die Deutsche-Bank-Aktie siehe Artikel "Polster für die Positionen"; die Berechnungsmethode bei Optionen und Optionsscheinen ist identisch).

Anleihen + Calls statt Aktien

Eine Alternative zur Absicherung mit Puts ist die Umschichtung der Aktien in Anleihen und der Kauf von Calls (Kaufoptionen). Mit Calls kann der Anleger von einer eventuellen Kurserholung profitieren: Sie geben ihm das Recht, Aktien zu einem bestimmten, vorher festgelegten Preis zu kaufen. Er kann die Titel dann billiger als an der Börse einkaufen, oder er verkauft die wertvoller gewordenen Call-Scheine.

Bei diesem Vorgehen stellt die Umschichtung eines Großteils des Aktienbestands in Anleihen eine Art Absicherung gegen Kursverluste da. Beispielsweise verkauft der Anleger seine Bestände der A-Aktie für 100000 DM. Bei einem Zinssatz für Festgeld von 3,2Prozent jährlich muss er davon 98500DM anlegen, um nach einem halben Jahr wieder über einen Ausgangsbetrag von 100000DM zu verfügen. Die übrigen 1500 DM investiert er in Calls auf die A-Aktie. Erholt sich der Kurs nach einem Rückschlag, gewinnen die Scheine an Wert, bzw. können Aktien günstig eingekauft werden.

"Rechnerisch ist es für den Anleger dasselbe, ob er Puts auf seine Aktien erwirbt oder diese in Anleihen umwandelt und Calls kauft", sagt Marko Deuticke, Optionsscheinexperte bei HSBC Trinkaus & Burkhardt. In der Praxis haben Anleger aber im zweiten Fall höhere Transaktionskosten. Sie zahlen Gebühren beim Verkauf der Aktien, beim Ankauf der Anleihe und beim Erwerb des Calls, während sonst nur Gebühren für den Put-Kauf anfallen.

Kostengünstige Alternative

Kostengünstiger als die Absicherung einzelner Aktien via Puts ist jedoch der Hedge eines ganzen Depots mit Hilfe von Index-Put-Scheinen. Meist werden weniger Scheine gebraucht. Ferner gilt:Die Kurse einzelner Werte schwanken oft stärker als Portfolios aus mehreren Titeln, da die Risiken im Depot gestreut werden. Eine höhere Schwankungsbreite verteuert die Scheine, führt also zu höheren Prämien.

Allerdings ist eine sinnvolle Absicherung über Scheine auf den Dax nur möglich, wenn genügend Werte im Depot vorhanden sind, die sich im Gleichlauf mit dem Index bewegen. Im Fachjargon: Die Kennzahl Beta für ein Portfolio muss nahe an eins liegen. Steigt sie über eins, schwankt das Depot überdurchschnittlich zum Index. Die optimale Anzahl an Index-Puts errechnet sich wie bei einzelnen Aktien, zusätzlich muss das Beta berücksichtigt werden.

Aufgeweckte Banker werden Anleger mahnen, Delta und Beta veränderten sich ständig, daher müsse die Anzahl der Puts laufend angepasst werden (dynamischer Hedge). Vorsicht:Privatanleger sollten dies nicht tun. Das Hin und Her beim dynamischen Hedge raubt einem nicht nur den Nerv. Es ist vor allem teuer: Die Kauf- und Verkaufsgebühren sind nämlich hoch.

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