Derzeit erfolgreichste Strategie der Kapitalsammelstellen
Hedge Funds mischen den Rohstoffmarkt auf

Als Kapitalanlage sind Rohstoffe in Deutschland weitgehend in Vergessenheit geraten. Auch deshalb, weil Banken bislang keine geeigneten Produkte für ein breit gefächertes Rohstoff-Investment anbieten. Diese Lücke wollen Hedge Funds schließen. Denn einige Experten rechnen für die nächsten Jahre mit einer Rohstoff-Hausse.

FRANKFURT/M. Die Anlage in Rohstoffe hat in Deutschland ein schlechtes Image. Doch die Zeiten, in denen unseriöse Warenterminvermittler gut betuchte Anleger mit überzogenen Gewinn-Versprechen in die viel zitierten "Schweinebäuche" lockten, gehören der Vergangenheit an. Grund: Mehr oder weniger klare gesetzliche Vorschriften regulieren die Geldanlage in diesen Märkten. Die Palette der Rohstoff-Investmentformen ist jedoch vergleichsweise klein. Banken bieten nur vereinzelt Anlagemöglichkeiten an. Diese Lücke schließen spezielle Hedge Funds, die Anlegern indirekte Engagements an den Rohstoffmärkten ermöglichen.

In dieser speziellen Branche professioneller Kapitalverwalter wird das von Anlegern anvertraute Geld an den Finanz- und Rohstoff-Terminbörsen investiert. Die Experten versuchen dabei möglichst hohe Anlage-Ergebnisse zu erzielen, indem sie auch auf die Hebelwirkung von Derivaten wie Optionen und Futures setzen. Einzelne Manager dieser speziellen Hedge Funds sind ausschließlich auf an Terminbörsen gehandelte Rohstoffe wie Öl, Metalle, Edelmetalle, Indizes und Agrarprodukte fokussiert. Andere setzen sowohl auf Finanztitel - etwa Aktien- oder Anleihen-Futures - als auch auf Rohstoffe.

Diese mit "Managed Futures" bezeichnete Strategie erwies sich im globalen Hege-Funds-Spektrum während der vergangenen Monate als ausgesprochen erfolgreich. Während der von CSFB/Tremont berechnete Hedge Fund-Gesamtindex in den ersten acht Monaten diesen Jahres ein eher mageres Plus von 0,82 Prozent aufwies, erzielte der Teilindex "Managed Futures" ein Plus von immerhin 15,87 Prozent. Das ist die beste Wertentwicklung aller Hedge-Funds-Strategien. "Managed Futures wiesen auch im August im vierten Monat in Folge die beste Wertentwicklung aller Hedge-Funds-Strategien auf", sagt Oliver Schupp, Präsident von CSFB/Tremont.

Bei einer Analyse des CRB-Rohstoffindex wird deutlich, warum sich Rohstoff-Investments gelohnt haben. Der Index ist seit Jahresanfang um 18,8 Prozent gestiegen. Kritiker von Managed Futures waren jedoch, dass die überdurchschnittlichen Gewinne schnell auch zu überdurchschnittlichen Verlusten werden können, wenn der Trend am Rohstoffmarkt dreht.

Für John Lintner von der Harvard University liegen die Vorteile von Managed Futures aber auf der Hand: "Portfolios, die umsichtige und kluge Investments in Managed Futures beinhalten, weisen ein deutlich geringeres Risiko auf als Portfolios, die allein auf Aktien und Anleihen basieren." Nach Angaben der Fachorganisation Managed Account Reports sind weltweit 35 bis 40 Mrd. $ in diesem Bereich investiert.

Deutsche Banken zurückhaltend

Fachleute sehen in erster Linie in den USA Steigerungspotenzial. Die deutschen Banken sind noch sehr zurückhaltend. Demgegenüber denkt die Finanzgruppe Feri in Bad Homburg, Vorreiter bei Alternativ-Investments in Deutschland, darüber nach, Managed Futures stärker zu gewichten. "Wir sehen zunehmendes Interesse unserer Klienten", sagt Dirk Söhnholz, Partner der Feri Alternativ Assets GmbH.

Glaubt man Investment-Guru Marc Faber, dann stehen die Rohstoffmärkte vor einem weltweiten Aufschwung. Seinen Optimismus bezieht "Querdenker" Faber aus positiven Langfrist-Prognosen für die Schwellenländer. "In den Emerging Markets steht das wirtschaftliche Wunder erst bevor", sagt er. Die Volksrepublik China werde die weltweit führende Position im produzierenden Gewebe einnehmen. Indien werde zum Weltmarktführer in Sachen Software-Entwicklung. Russland werde zur Nummer eins in der Rohstoff-Produktion. Mit dieser Neuordnung der Globalökonomie gehe eine Verbesserung des Lebensstandards in den Schwellenländern einher. Dies wiederum wird nach Einschätzung von Faber zu einer kräftigen Steigerung der Nachfrage nach Rohstoffen und demgemäß zu kräftig steigenden Preisen führen.

Experten der Banken und Konjunkturforscher wagen keine langfristigen Rohstoffprognosen. Die Fachleute von UBS Warburg sprechen in einer Studie das überraschend starke Wachstum in China an. Für 2003 sei bei den meisten Metallen sowie im Holz- und Papiersektor mit deutlichen Preissteigerungen zu rechnen. Patricia M. Mohr, Ökonomin der Scotiabank in Toronto, erwähnt einen anderen Aspekt, der für höhere Preise agrarischer Rohstoffe spricht: Die weltweiten Weizenbestände sind auf das niedrigste Niveau seit 1988 zurückgefallen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%