Derzeit keine Gespräche mit Bertelsmann über Internet-Portal
Kursflaute bei Lycos Europe verzögert Verkauf

Der spanisch-amerikanische Internetriese Terra Lycos würde nur zu gerne die Mehrheit an Lycos Europe übernehmen. Doch Miteigentümer Bertelsmann zögert beim Verkauf. Die Lösung könnte ein Tauschgeschäft mit der Terra-Mutter Telefonica sein. Zu deren Unternehmen gehört "Big-Brother- Macher" Endemol.

HB FRANKFURT/M. Die Bertelsmann AG, Gütersloh, will sich derzeit nicht von rund 30 % der Anteile am Online-Anbieter Lycos Europe N.V., Amsterdam, trennen, die der Medienkonzern zusammen mit Lycos-Europe-Chef Christoph Mohn hält. "Es gibt derzeit keine Gespräche mit dem spanischen-amerikanischen Internetanbieter Terra Lycos", sagte Mohn dem Handelsblatt. Mohn bestätigte, dass im Falle eines Verkaufs Terra Lycos S.A., Madrid, ein Vorkaufsrecht hat.

Für viele Analysten ist die Übernahme des Online-Dienstes Lycos Europe durch die Spanier nur noch eine Frage der Zeit. "Mit hoher Wahrscheinlichkeit wird Terra Lycos, die bereits heute einen Anteil von knapp 30 % bei Lycos Europe kontrollieren, nächstes Jahr um diese Zeit die Übernahme vollzogen haben", sind die Analysten der Credit Suisse First Boston (CSFB) überzeugt. Die Bank hat bereits eine Studie veröffentlicht, die den Internetriesen Terra Lycos nach einer Übernahme von Lycos Europe sowie dem spanischen Gelbe Seiten Anbieter TPI in Zahlen fasst.

Es entstünde ein Internetkonzern, der mit einem Umsatz von fast 2 Mrd. Euro den deutschen Marktführer T-Online AG hinter sich lassen würde. Auch international wäre der Konzern mit Aktivitäten in den USA, Lateinamerika und Europa ein Wettbewerber zum Weltmarktführer AOL. Trotz tiefroter Ergebnisse halten die Analysten von Goldman Sachs "Terra Lycos für den international am besten positionierten europäischen Internetanbieter". Mit rund 7 Millionen Kunden im reinen Zugangsgeschäft ist Terra Lycos bereits heute weltweit die Nummer drei hinter AOL Inc., Dulles, und T-Online. Doch im Gegensatz zur Konkurrenz haben die Einnahmen aus dem margenschwachen Internet-Zugangsgeschäft nur einen Anteil von 30 %. Den Rest erlöst Terra Lycos durch Werbe-Einnahmen und E-Commerce-Umsätze.

In der Kriegskasse sind 2,5 Mrd. Euro

Mit einer Kriegskasse von rund 2,5 Mrd. Euro stünde auch einer sofortigen Akquisition von Lycos Europe eigentlich nichts im Wege. Doch um die Mehrheit zu bekommen, müsste der Medienkonzern Bertelsmann aussteigen. Doch in Gütersloh will man - jedenfalls im Augenblick- nichts wissen. "Bertelsmann ist mit dem operativen Geschäft von Lycos Europe sehr zufrieden", betont Bertelsmann-Sprecher Oliver Herrgesell. Doch bereits in der Vergangenheit hat der Medienkonzern keinen Hehl daraus gemacht, dass die Beteiligung an reinen Internetanbietern nicht zum Kerngeschäft gehört.

Die Beteiligung an AOL-Europe stieß der Medienkonzern ebenso ab wie den Netzanbieter Mediaways. In Unternehmenskreisen geht man davon aus, dass Bertelsmann zum Verkauf von Lycos Europe bereit ist, "wenn der Preis stimmt". Auch Lycos-Europe-Chef Christoph Mohn will für die Zukunft nicht ausschließen, "dass es irgendwann zu einer Änderung der Anteilseignerstruktur bei Lycos Europe kommen wird". Analysten schätzen den Wert des Bertelsmann-Pakets an Lycos Europe bei dem gegenwärtigen Kursniveau auf bescheidene 170 Mill. Euro. Das ist viel zu wenig.

Anteil für Tauschgeschäft nutzen

Vielleicht, so lauten Spekulationen der spanische Zeitung "Expansion", möchte Bertelsmann seinen Anteil für ein Tauschgeschäft nutzen: Telefonica, der spanische Telekom-Riese und Mehrheitseigner von Terra Lycos, erwäge Anteile seiner Medientochter Telefonica Media gegen die Bertelsmann-Anteile an Lycos Europe einzutauschen. Eine für Bertelsmann interessante Option: Zu den Beteiligungen von Telefonica Media gehört unter anderem die TV-Produktionsgesellschaft Endemol, die mit der Reality-Show Big Brother kräftig für Quote sorgte.

Doch Bertelsmann müsste im Falle eines Aktientauschs noch Vorsicht walten lassen: Beim Ausstieg aus der Beteiligung an dem Internetdienst AOL-Europe haben die Gütersloher AOL zugesichert, sich an keinem Konkurrenten von AOL Europe zu beteiligen. Doch im Frühjahr kommenden Jahres läuft das Abkommen aus, und spätestens dann, glaubt ein Analyst, "wird Lycos Europe von den Spaniern geschluckt werden".

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