Des Kanzlers Rundgang
Der "Autokanzler" auf der IAA

Er ist also doch noch gekommen. Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) hat am Dienstag in Frankfurt am Main einen Rundgang über die 59. Internationale Automobilausstellung (IAA) unternommen. Wegen der Terroranschläge in den USA war die feierliche Eröffnungsveranstaltung, für vergangenen Donnerstag geplant, abgesagt worden.

ddp FRANKFURT/MAIN. Als Schröder am Dienstag das Congress-Zentrum betritt, wird das schreckliche Geschehen vom 11. September gleich wieder in Erinnerung gerufen. Ein niedriger Tisch ist mit der US-Fahne bedeckt, darauf brennen einige Kerzen. Der Kanzler trägt sich in das Kondolenzbuch ein.

Dann beginnt sein dreistündiger Rundgang über das Messegelände. Begleitet vom Präsidenten des Verbandes der Automobilindustrie (VDA), Bernd Gottschalk, nimmt die Delegation Kurs auf den Stand von Mercedes-Benz in der Festhalle. Gedämpfter Applaus - der Stimmung dieser Tage angemessen - empfängt sie. Schröder setzt sich hinters Lenkrad des neuen Mercedes SL 500. Als er wieder aussteigt, wirft er einen anerkennenden Blick auf die Limousine. Hunderte von IAA-Besuchern säumen die Galerie: Der Bundeskanzler winkt ihnen zu.

Weiter geht es zu Ford. Das Stand-Team scheint den Regierungschef freudig zu erwarten, die Hostessen legen andächtig die Hände über Kreuz. Diesmal erkundet Schröder auch den Fond des Ford Fiesta, er nimmt auf dem Hintersitz Platz. Heimspiel für den Niedersachsen bei VW. Ein roter Polo wartet auf den Kanzler, das Fahrschulschild auf dem Dach löst Erheiterung bei den Zuschauern aus. Eine Frau sagt zu ihrem Freund: "Ich würde ihn ja schon gerne sehen." Der erwidert: "Ein kleiner Mann, aber mit viel Macht." Zwei auf einen Streich - Schröder trifft bei Volkswagen den alten und den neuen Chef, Ferdinand Piech und Bernd Pischetsrieder. Piech öffnet für den hohen Gast persönlich den Kofferraum, damit er einen Blick hineinwerfen kann.

Im futuristischen BMW-Pavillon werden die Fahrzeuge der Münchner auf einer Riesenleinwand präsentiert, angenehm sphärische Musik erklingt dezent im Hintergrund. Schröder setzt sich in einen BMW, holt die Brille hervor und inspiziert das Armaturenbrett. Um das nächste Modell in Augenschein zu nehmen, ist ein kollektiver Sprung der Delegation von einem Absatz herunter erforderlich. Bevor der Bundeskanzler am Porsche-Stand aufkreuzt, findet Firmenchef Wendelin Wiedeking noch Zeit, der ARD ein kurzes Interview zu geben: "Das Leben geht weiter. Wir müssen Geld verdienen", kommentiert er die Ereignisse, die die Welt erschüttert haben. Mit dem Porsche-Chef scheint Schröder sich besonders gut zu verstehen: Beide setzen sich in ein Carrera-Cabrio und lachen sich entspannt an. Der Kanzler liebt es sportlich. Besonders angetan hat es ihm ein Sportflitzer von Audi, der Infineon R 8. "Sehr eng", kommentiert er gutgelaunt den nicht ganz reibungslosen Einstieg in den Boliden. 610 PS, bis zu 360 Kilometer pro Stunde haben Audi den Sieg bei den 24 Stunden von Le Mans beschert.

Am Opel-Stand schließlich wendet Gerhard Schröder sich an die Medienvertreter. "Wir alle sind interessiert am Motor Automobilindustrie." Der Bundeskanzler zollt den IAA-Veranstaltern "großen Respekt", wie sie die Messe den Umständen angepasst haben. "Wir lassen uns nicht unterkriegen." Und daher: "Von Frankfurt soll ein Signal ausgehen." Beruhigende Worte an die Menschen in Deutschland: Die Beschäftigten in der Automobilindustrie müssten sich keine Sorgen um ihre Arbeitsplätze machen. Und für die Konsumenten bestehe kein Grund zur Kaufzurückhaltung. Der "Autokanzler" - ein gern gesehener Gast auf der IAA.

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