Designer-Mode ist für Fußballer ein Muss
Die erste Mode-Liga

40 Jahre Bundesliga. Das muss gefeiert werden. Was ziehen Kicker an, wenn sie den Rasen mit dem Parkett tauschen? Nur das Beste. Top-Clubs tragen Top-Designer und Marken wie Armani, Ferré oder Boss.

Was haben der Fußballspieler Roy Makaay und Modemacher Gianfranco Ferré gemeinsam? Beide sollen in dieser Saison dafür sorgen, dass der FC Bayern München eine gute Figur macht. Auf dem Platz durch Makaays Tore, außerhalb des Spielfeldes in den Anzügen des italienischen Top-Designers Gianfranco Ferrés. Der stattet seit Beginn der Spielzeit Mannschaft und Management des deutschen Rekordmeisters mit feinstem italienischen Zwirn und den passenden Accessoires aus. Allianzen wie diese sind inzwischen keine Seltenheit.

Fast alle europäischen Top-Teams lassen sich ihre offizielle Garderobe von renommierten Designern schneidern. Und die wiederum profitieren von den sportlichen Models, die viel eher Idole ihrer potenziellen Kundschaft sind als die blassen Knaben, die in Paris und Mailand über die Laufstege tänzeln.

Längst buhlen nicht nur Sportmodemacher wie Adidas, Nike und Puma um die Ballkünstler aus Madrid oder Manchester, auch die großen Designer haben erkannt, dass die neue Spielergeneration zum Werbeträger taugt. Jung, sexy, schwerreich - das klingt nach dem Idealprofil eines männlichen Modekunden. Die Designer wissen, dass sie mit den Rasensportlern am Ball bleiben: "Fußball ist zu einer neuen Religion geworden, die Spieler üben einen enormen Einfluss auf die Jugend aus", sagt John Galliano, Kreativchef bei Christian Dior. Und für Giorgio Armani sind Fußballer "moderne Gladiatoren".

FC Bayern München ist der Inbegriff von Erfolg

Und Gianfranco Ferré schwärmt: "Der FC Bayern München ist Inbegriff von Erfolg, Klasse und Prestige." Er sieht in seinen Modellen eine "moderne, strenge und gleichzeitig lässige Eleganz". Das ist für die Bayern ein grauer Nadelstreifenanzug aus Kammwolle. Dazu können Kahn & Co. zwei Hemden wählen, schlicht weiß oder mit tiefroten Streifen auf weißem Grund. Schuhe und Gürtel sind aus gebürstetem Kalbsleder. Aber auch vor dem schicken Abkommen mit Ferré sahen die Bayern schon propper aus, da traten sie bei offiziellen Anlässen nämlich in Cerruti auf, und der spielt auch in der oberen Liga der Modemarken.

Dirk Bikkembergs, ein Belgier deutscher Herkunft, kleidet Inter Mailand in Mitternachtsblau: mit Einknopf-Sakkos und schmal geschnittenen, doppelreihig geknöpften Kurzmänteln. Inter-Präsident Massimo Moratti persönlich wählte Bikkembergs als Designer für seine Jungs, nicht zuletzt, weil der schon seit Jahren seine Kollektionen gern auf Kicker zuschneidet. Bikkembergs schickt die Spieler sogar statt Models auf den Laufsteg, und im Sommer 2001 fand sein Defilee im 80 000 Zuschauer fassenden Giuseppe Meazza Stadion vor imposanter Kulisse statt. Der Designer ist überzeugt: "Fußball ist die meistgespielte Sportart der Welt. Und die Fußballer sind die Helden unsere Epoche." Kaum hatte Bikkembergs bei Inter Mailand unterschrieben, meldeten auch Donatella Versace und Gianfranco Ferré Interesse an.

AC Mailand vertraut auf Hugo Boss

Der Lokalrivale AC Mailand vertraut bereits seit 15 Jahren auf die führende deutsche Männermodemarke Hugo Boss. "Wir stellen dem Verein die Garderobe zur Verfügung und erhalten im Gegenzug Werbepräsens im Stadion", heißt es dazu aus der Firmenzentrale in Metzingen. Dort hofft man, dass die Trendsetter auf dem Rasen und auf dem Parkett ihre Fans auch für die Mode begeistern können: "Die Anzüge sind ganz normal im Handel erhältlich." Denn Hugo Boss - seit 2002 übrigens auch in Diensten der deutschen Nationalmannschaft - fertigt ebenso wie die meisten anderen Ausstatter nämlich nicht auf Maß, sondern passt die Standardgrößen etwaigen körperlichen Besonderheiten der Spieler an. Die können sich freuen: Jede Saison gibt es neue Modelle.

Beckham gilt in Asien als Heiliger

Das derzeit umschwärmteste Fußballidol ist zweifellos David Beckham. Wer ihn einkleidet, hat gleichzeitig beste Chancen auf dem wichtigen Zukunftsmarkt Asien. Genau aus diesem Grund - und nicht etwa aus sportlichem - holte Real Madrid ja Beckham ins Team. Der blonde Kicker gilt in Asien als Heiliger, im Rest der Welt als Stil-Ikone. Gut für Strellson. Denn das Modeunternehmen aus dem schweizerischen Kreuzlingen zeichnet für die offizielle Garderobe der königlichen Kicker von der iberischen Halbinsel verantwortlich. Daneben kleiden die Modemacher vom Bodensee auch noch den FC Porto ein.

Privat kauft Beckham am liebsten Dolce & Gabbana. Das renommierte Mailänder Designerduo hat ihm jetzt sogar seine Sommerkollektion 2004 gewidmet. Und auch Giorgio Armani verfügt als offizieller Ausrüster der englischen Nationalmannschaft über Kontakte zu dem smarten Briten. Den Auftrag für den englischen Fußballverband, so heißt es, soll Armani Beckham persönlich verdanken. Der große Georgio weiß, was Kicker wünschen. Nicht nur der FC Chelsea, Newcastle United, auch der AC Piacenza, der Verein seiner Heimatstadt, ließen sich schon von ihm einkleiden. Armanis Vorgänger bei den Engländern war allerdings auch kein Unbekannter, sondern der smarte Avantgarde-Designer Paul Smith.

Altmeister Armani erkannte früh, welches Werbepotenzial im Fußball steckt. Dort, wo sich früher ausschließlich Hollywood-Prominenz niederlassen durfte - in der ersten Reihe der Armani-Defilees - sitzt inzwischen die italienische Kicker-Elite: Vieri, del Piero, Cannavaro. Für den portugiesischen Mittelfeldstar Luis Figo entwarf Armani den Hochzeitsanzug.

Diego della Valle kauft sich gleich einen ganzen Verein

Nicht jeder würde allerdings so weit gehen wie Diego della Valle, der Mann hinter den Schuhmarken Tod?s und Hogan. Er kauft sich gleich einen ganzen Verein und will nun den AC Florenz, nach diversen Finanzskandalen zunächst in die Viertklassigkeit verbannt und im Frühjahr in die dritte Liga aufgestiegen, wieder nach ganz oben führen. Welcher Verein in welcher Klasse spielt, wird in Italien nicht nur auf dem Sportplatz entschieden. Gerade versuchen einige Vereine, sich in höhere Spielklassen einzuklagen. So könnte der AC Florenz vielleicht bald nicht mehr dritt-, sondern zweitklassig sein.

Ach, ja, noch so?n Spiel: Mario Moretti Polegato, ebenfalls Schuhproduzent (Geox, das sind die Schuhe, die "atmen"), dachte im vergangenen Jahr darüber nach, sich Lazio Rom zuzulegen.

Da schon viele Fußball-Clubs als Models vergeben sind, weichen Modemacher auch auf andere Sportarten aus. Die Brinkmann-Gruppe in Herford hat sich in ihrer Nachbarschaft umgeschaut und den TBV Lemgo für ihre Spitzenmarke "Bugatti" entdeckt. Die Handballer sind in diesem Jahr schon zum zweiten Mal Deutscher Meister geworden und nehmen damit an der europäischen Champions-League teil.

Auf dem Parkett werden die Sportler immer schicker

Nun warten die Fans nur noch auf ein bisschen mehr Modemut auf dem Platz, auf die ersten Designer-Trikots. Prada entwarf schon welche, aber nicht für den Fußballplatz, sondern für die Straße. Armani hat sich auch schon Gedanken gemacht: "Ich würde alles Überflüssige weglassen, nutzlose Details, ein paar Nähte", sagte er der italienischen Tageszeitung "La Gazzetta dello Sport".

Und die deutsche Designerin Doris Hartwich, die konsequent nur Männer anzieht, kommentierte in einem Interview mit dem Online-Service der ARD die Leibchen der Bundesliga: "Nadelstreifen auf Trikots geht gar nicht", bemängelte sie etwa die Arbeitskleidung von Eintracht Frankfurt. Hartwich wünscht sich mehr modische Stromlinie von der Hüfte bis zur Schulter, damit die männliche Körperform betont wird. Die Designerin weiß, wovon sie spricht. Für eines ihrer limitierten Kollektionsbücher spielte der Fußballer Anthony Baffoe Dressmen - Baffoe mit B wie Body.

Quelle: Handelsblatt

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