Desinvestitionen im Mittelpunkt
WCM-Aktionäre kritisieren Commerzbank-Engagement

Aktionäre der Beteiligungs- und Grundbesitzgesellschaft WCM haben dem Unternehmen mangelnde Transparenz vorgeworfen und scharfe Kritik am Einstieg der Gesellschaft bei der Commerzbank geübt.

Reuters FRANKFURT. Die Beteiligung sei alles andere als ein Erfolg, sagten Aktionärsvertreter am Donnerstag bei der Hauptversammlung des Unternehmens in Frankfurt. WCM sei die Beteiligung nicht aus wirtschaftlichen Gründen eingegangen, sondern weil sie von ihrem Großaktionär, der Familie Ehlerding angewiesen worden sei, den Anteil aufzustocken.

Der Hamburger Millionär Karl Ehlerding wird zum Kreis der ehemaligen Commerzbank-Investorengruppe Cobra gezählt. Es sei zu vermuten, dass die Aktien im Interesse von Ehlerding zu einem überhöhten Preis gekauft worden seien, hieß es.

Gerhard Wittkämper, Aufsichtsratsvorsitzender der WCM, wies die Kritik als "Verdächtigungen" zurück.

"Kumpanei und Vetternwirtschaft"

"WCM ist Cobra zur Hilfe gekommen, nachdem der Versuch der Gruppe gescheitert war, die Kontrolle bei der Commerzbank zu übernehmen", sagte der Rechtsanwalt Klaus Rotter. Er sei davon überzeugt, dass WCM von Ehlerding angewiesen worden sei, den Anteil aufzustocken. Dem Unternehmen warf er "Kumpanei und Vetternwirtschaft" vor.

Vorstandschef Roland Flach hatte zuvor bekräftigt, der Erwerb von mehr als fünf Prozent der Anteile an der Commerzbank sei in Erwartung eines steigenden Commerzbank-Aktienkurse als mittelfristiges Finanzinvestment erfolgt. "Wir sind sicher, dass unser Engagement an der Commerzbank in den nächsten Monaten und Jahren zur Freude Anlass geben wird", sagte Flach. Den Anteil an der Commerzbank wolle WCM weiter aufstocken, bekräftigte er. Bis Jahresende solle der Anteil auf knapp zehn Prozent steigen.

Die Commerzbank-Aktien seien im Wesentlichen zu einem Preis von 19 Euro erworben worden. Am Donnerstag notierte die Commerzbank-Aktie mit einem Kurs von rund 18 Euro um 1,2 Prozent höher als am Mittwoch.

Weitere Aktionärsvertreter bezeichneten den Einstieg bei der Commerzbank als "Flop", der zu einem Vertrauensverlust bei den Aktionären geführt habe. Andere Redner bezeichneten die Kritik dagegen als "Stimmungsmache" gegen das Unternehmen.

Kritik übten die Aktionäre auch an dem Verfahren, dass WCM keine Dividende zahle und stattdessen gratis Treueaktien ausgebe. "Gratisaktien bei Dividendenlosigkeit bedeuten für uns derzeit steuerfreie Kursverluste", sagte ein Aktionärsvertreter.

Flach bekräftigte, im Jahr 2002 ein Konzernergebnis im gewöhnlichen Geschäft von rund 150 Millionen Euro erzielen zu wollen. Im vergangenen Jahr hatte WCM allerdings noch ein Ergebnis von 430 Millionen Euro erwirtschaftet, zugleich aber mitgeteilt, dass das Ergebnis kaum wiederholbar sei.

"Im Mittelpunkt dieses Jahres stehen bestimmte Desinvestitionen, über die wir zu gegebener Zeit berichten werden", sagte Flach weiter. Da er jedoch davon ausgehe, dass sich die Börsenkurse zum Herbst erholen und sich damit die Verkaufsaktivitäten 2003 verstärken könnten, plane WCM auch neue Geschäfte. Sein Unternehmen werde alle angebotenen Transaktionen prüfen, sagte Flach.

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