Details unklar
Angeblich Anschlag auf Regierung in Kabul vereitelt

Nach der angeblichen Vereitelung eines größeren Terroranschlags auf die afghanische Regierung wurden am Dienstag widersprüchliche Angaben zu den Ereignissen in Kabul gemacht.

HB KABUL/SCHWERIN. Nach Berichten des afghanischen Fernsehens war am Montag ein Ausländer nach einem Verkehrsunfall in Kabul festgenommen worden, dessen Wagen mit Sprengstoff präpariert war. Unter Berufung auf eine Mitteilung des Geheimdienstes berichtete der Sender, der Mann habe den Wagen in ein Auto rammen wollen, in dem Regierungsmitglieder fuhren.

Der stellvertretende Geheimdienstdirektor Amonullah Baraksai teilte am Dienstag mit, das mit Sprengstoff präparierte Auto sei in der Nähe der US-Botschaft gestoppt worden. Der Wagen sei mit 500 bis 600 Kilo TNT und C-4-Sprengstoff beladen gewesen. Auch Zünder seien gefunden worden. Er bestätigte, dass ein Ausländer festgenommen worden sei.

Der Sicherheitschef im Innenministerium, General Din Mohammed Dschurat, sagte dagegen, zwei Männer, beide Afghanen, seien festgenommen worden, ein dritter habe fliehen können. Die beiden Afghanen hätten längere Zeit in Pakistan gelebt.

Said Fasel Akbar, Sprecher von Präsident Hamid Karsai, vermutete, die Urheber des Anschlagversuchs stünden wahrscheinlich mit der Terrororganisation El Kaida in Verbindung. El Kaida sei zwar nicht mehr zu größeren Militäroperationen in der Lage, könne aber noch einzelne Terroranschläge verüben.

Eine Sprecherin der internationalen Schutztruppe ISAF sagte am Dienstag auf einer Pressekonferenz, der ISAF lägen keine Informationen über die Angelegenheit vor. Die ISAF-Truppen seien nicht in erhöhte Alarmbereitschaft versetzt worden. Das Leben in den Straßen der Hauptstadt gehe seinen gewohnten Gang.

Erst am 6. Juli war Hadschi Abdul Kadir, einer der vier afghanischen Vizepräsidenten, bei einem Anschlag in Kabul ermordet worden. Im Februar war Tourismusminister Abdul Rahman am Flughafen erschlagen worden. Keine der beiden Taten konnte bislang aufgeklärt werden. Nach der Ermordung Kadirs ersetzte Präsident Karsai seine Leibwächter durch US-Soldaten. Seine Leibwächter waren von dem einflussreichen Verteidigungsminister Mohammed Fahim, einem Tadschiken, gestellt worden.

Der neue Bundesverteidigungsminister Peter Struck (SPD) sprach sich unterdessen gegen eine Beteiligung deutscher Soldaten an einer möglichen Ausweitung des Mandats der ISAF über Kabul hinaus aus. "Das ist meinen Soldaten im Moment nicht zuzumuten", sagte Struck am Rande der deutsch-französischen Regierungskonsultationen in Schwerin. Die Sicherheitslage außerhalb Kabuls bezeichnete Struck als äußerst labil. Die Bundeswehr ist mit insgesamt rund 1 100 Soldaten in Afghanistan und dem benachbarten Usbekistan an der ISAF beteiligt.

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