Detthold Aden ist Chef der BLG-Logistikgruppe: Logistik als Leidenschaft

Detthold Aden ist Chef der BLG-Logistikgruppe
Logistik als Leidenschaft

Wer ihn zu überholen versucht, scheitert meist kläglich. Detthold Aden setzt auf Tempo und bringt BLG, die ehemals behäbige Bremer Lagerhausgesellschaft, in Schwung.

Wie er es immer wieder schafft, bleibt sein Geheimnis. "Gleichgültig wie schnell man ins Flugzeug einsteigt, Aden sitzt schon dort auf seinem Platz", berichtet einer seiner engsten Mitarbeiter. "Man lernt schnell, dass alle Versuche, ihn zu überholen, vergeblich sind."

Der Chef der BLG Logistics Group, Detthold Aden, nimmt Geschichten wie diese mit Humor - er kennt seine Schwäche. Ja, ein wenig ungeduldig könne er schon sein. Mit seiner Fähigkeit, unzählige Dinge gleichzeitig zu erledigen, drückt er aufs Tempo: Geschichten zum Besten geben, dabei Notizen für die Sekretärin auf einem Zettel festhalten, parallel Termine auf dem elektronischen Kalender abchecken. Kurz darauf ist er wieder bei seinem eigentlichen Thema: der Logistik.

"Wachsen oder weichen", gibt er die Devise der Bremer BLG, ehemals Bremer Lagerhausgesellschaft, vor. Die Logistiker sind einer der weltweit größten Terminalbetreiber für Autos. Auch auf Kontrakt- und Containerlogistik hat sich die Gruppe konzentriert und wächst in allen drei Geschäftsfeldern. In den kommenden Jahren soll das Logistikgeschäft deutlich gestärkt und auf eine breitere Basis gestellt werden. "Wenn ein Schnäppchen vorbeikommt, greifen wir zu", sagt Aden. Die "Kriegskasse" ist mit 200 Millionen Euro gut gefüllt.

Der dynamische Firmenchef setzt auf Größe. Sein neuestes Projekt: 42 Meter hoch, 71 Meter breit, zwei Blöcke mit einer Länge von jeweils 144 Metern. Für den Kaffeeröster Tchibo baut die BLG im Neustädter Hafen das größte Hochregallager Europas. Fast alles, was Tchibo außer Kaffee zu bieten hat, soll ab dem Sommer aus Bremen kommen. Doch ein Mammutprojekt allein füllt den 54-Jährigen, der in seiner Karriere auch schon mal eine gut dotierte Stelle aufgab, wenn sie ihm langweilig wurde, nicht aus. Er schmiedet schon wieder neue Pläne. "Es wäre für ihn auch höchst ungewöhnlich, zu warten, bis die letzte Schraube angezogen ist", weiß Peter Kruse, Logistik- und Expresschef der Deutschen Post. Als Geschäftsführer der Bertelsmann Distribution war Aden in den 80er-Jahren sein Chef. Damals bot das Unternehmen erstmals auf dem Logistikmarkt auch Dienstleistungen für Dritte an.

Der BLG-Chef erinnert sich: "Wir dachten uns außerdem Erfolg versprechende Anwendungen für Plastikkarten aus." Mit "wir" bezeichnet er ein Team, das er sich selbst zusammenstellte: Peter Kruse, heute Vorstandsmitglied der Deutschen Post, Hartmut Ostrowski, heute im Vorstand von Bertelsmann, Klaus Eierhoff, lange Zeit ebenfalls Vorstandsmitglied in Gütersloh.

"Aden hat ein sicheres Gespür für Menschen", sagt ein BLG-Manager. Zwar traue er dem ein oder anderen manchmal auch zu viel zu, aber das sei eher selten. Der Chef fordere viel, vor allem aber von sich selbst. So treibt ihn an, was bei vielen Managern schlicht und einfach Angstschweiß hervorruft. "Wenn ich in einer Betriebsversammlung 1 200 Mitarbeitern Rede und Antwort stehen darf, ist das eine tolle Sache", sagt der Firmenchef. Manfred Klamma, unter Aden ehemals Betriebsratschef bei Thyssen Haniel Logistic, beschreibt ihn so: "Er ist ein Kontaktmensch" und ein "Verkaufsgenie". Klamma will sich recht verstanden wissen - er meine das jetzt im besten Sinne. "Aber Aden kann auch einem Blinden eine Zeitung verkaufen."

Es ist wohl Adens Begeisterung für die Sache an sich, mit der er Menschen überzeugt. "Bisher war mein Leben völlig von meinem Beruf erfüllt", sagt der Firmenchef. Und es ist die Begeisterung an sich, mit der er irritieren kann. Wie kann die Logistik - die gemeine praktische Rechenkunst (griechisch: "Logistikä") - einen Menschen derart faszinieren?

Es muss ihm wohl im Blut liegen. Sein Großvater? Ein Fuhrunternehmer. Sein Vater? Arbeitete in einer Spedition. Dessen Sohn Detthold? Ging schon als Jugendlicher am liebsten mit den Lkw-Fahrern auf Tour. Obwohl der Vater von der Branche abrät, begeistert sich der Sohn für deren "Lebendigkeit, Internationalität, Flexibilität". 1976 wird er nach mittlerer Reife und Ausbildung Gründungsgeschäftsführer des Paketdienstes UPS Deutschland.

Anekdoten darüber kennt er zuhauf und erzählt sie gerne: über Mentalitätsunterschiede zwischen Amerikanern und Deutschen Mitte der 70er-Jahre und über die schwere Wahl des richtigen Markenzeichens - UPS-braun? Erinnerte das, so rätselten die Gründer, nicht zu sehr an die braune Vergangenheit der Deutschen?

Wer den Begebenheiten aus Adens Leben zuhört, mag ahnen, warum ihn seine Frau daran erinnern muss, sich doch bitte ab und zu auch einmal zu entspannen. Freizeit kennt er kaum. "Wenn ich mir vorstelle, was er einmal in seinem Ruhestand machen möchte, fällt mir nichts ein", überlegt Postvorstand Kruse. Und kommt zu dem Schluss: "Er wird wohl auf ewig der Daniel Düsentrieb der Branche bleiben."

Simone Wermelskirchen
Simone Wermelskirchen
Handelsblatt / Redakteurin
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