Deuss stellt sich bei der BAG zur Wiederwahl
Großfusion der Handelsverbände muss noch warten

Am 23. Juni stellt sich der ehemalige Chef von Karstadt-Quelle AG, Walter Deuss, auf der Mitgliederversammlung erneut zur Wahl - als Präsident der Bundesarbeitsgemeinschaft der Mittel- und Großbetriebe des Einzelhandels (BAG).

DÜSSELDORF. Der erfahrene Handelsmanager Walter Deuss will es noch einmal wissen: Am 23. Juni stellt sich der ehemalige Chef von Karstadt-Quelle auf der Mitgliederversammlung erneut zur Wahl, als Präsident der Bundesarbeitsgemeinschaft der Mittel- und Großbetriebe des Einzelhandels (BAG). Das Amt hat er schon seit 1991 inne - mit Unterbrechung in den Jahren 1997 bis 1999. So lapidar die Nachricht klingt, eine einfache Wiederwahl ist das nicht. Es ist vielmehr eine Botschaft an die Verbände des deutschen Einzelhandels.

Dazu ein kurzer Blick zurück: Seit Jahren gibt es Bestrebungen in der Branche, alle Verbände unter dem Dach des mitgliederstärksten Hauptverbandes des Deutschen Einzelhandels (HDE) zu konzentrieren. Der Handel müsse gegenüber der Politik mit einer Stimme sprechen, lautet die Forderung - allen voran vom größten deutschen Einzelhändler Metro vertreten. Bis vor einem Jahr gab es drei unabhängige Handelsverbände in Deutschland - neben HDE und BAG den Bundesverband der Filialbetriebe und SB-Warenhäuser (BFS). Die politischen Ansichten gingen oft sehr weit auseinander.

Restriktivere Politik des HDE

Am liberalsten war der BFS eingestellt, beispielsweise mit der Forderung nach völliger Freigabe der Ladenöffnungszeiten. Ihm gehörten die Filialisten des Lebensmitteleinzelhandels wie Tengelmann, Aldi, Lidl und Real an. Wesentlich restriktiver war die Politik des mittelständisch geprägten HDE, der sich Neuerungen eher vorsichtig näherte. Mittendrin die BAG mit ihren Versendern Otto, Quelle, Neckermann, den Textilkaufhäusern C&A, P&C und Woolworth sowie den Karstadt-Warenhäusern. Sie vertritt maßgeblich die Interessen des innerstädtischen Einzelhandels.

Ein Meilenstein in der Verbandsfusion war die Fusion des BFS mit dem HDE im vergangenen Jahr. Sein gewichtigstes Verbandsmitglied Metro hatte sich für das Zusammengehen stark gemacht. Bleibt nun die BAG: Es sei eine Generationenfrage, bis auch die BAG mit dem HDE zusammengehen werde, trommelte der Buschfunk. Und das sei spätestens dann der Fall, wenn Deuss abtrete. Denn mit seinem Namen verbindet sich die Überzeugung, dass der Einzelhandel keine homogene Einheit ist.

Die verschiedenen Gruppierungen aus Mittelstand, den großen Filialketten, dem Einzelhandel auf der grünen Wiese oder in der Innenstadt vertreten zum Teil sogar konträre Ansichten. Deuss fürchtet deshalb Reibungsverluste: Um die Einstimmigkeit zu erreichen, müssten sich die Gruppen oft auf den kleinsten gemeinsamen Nenner einigen, der dann niemandem mehr gerecht werde. So plädiert Deuss für einen Dachverband, der dann agiert, wenn es um die allgemeinen Interessen der Branche geht und darunter die Fachverbände, die die Spezialinteressen der Gruppierungen vertreten. So hält es auch die Industrie. Unter dem Dach des BDI (Bundesverband der Deutschen Industrie) bestehen die verschiedenen Branchenverbände als unabhängige Einheiten.

Mit Deuss Wiederwahl wird sich die Generationenfrage also erst einmal verschieben. Für wie lange, das ist offen. Denn, so ist zu hören, nach etwa einem Jahr wird Deuss die Präsidentschaft an den Karstadt-Quelle-Chef Wolfgang Urban abgeben. Für ihn war der Wahltermin am 23. Juni noch zu früh, weil er in seinem Unternehmen noch einiges zu tun hat. In welche Richtung die Weichen dann gestellt werden, ist offen. Doch soviel ist klar: Außer Deuss ist noch manch anderes BAG-Mitglied kein Freund der Großfusion.

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