Deutlich höhere Piloten-Gehälter
Verdi kündigt schärfere Gangart bei Lufthansa an

Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi hat als Konsequenz aus dem Tarifabschluss für die Lufthansa-Piloten schärfere Tarifauseinandersetzungen bei dem Luftfahrtunternehmen angekündigt.

Reuters HAMBURG. Das für Verkehr zuständige Vorstandsmitglied der Gewerkschaft, Jan Kahmann, sagte der Nachrichtenagentur Reuters am Freitag: "Der Lufthansa-Vorstand wird sich darauf einstellen müssen, dass die Tarifauseinandersetzungen mit Verdi deutlich an Schärfe gewinnen werden." Als erstes wolle Verdi eine tariflich geregelte Ergebnisbeteiligung für die 55.000 Lufthansa-Beschäftigten am Boden und in den Kabinen durchsetzen.

Die Deutsche Lufthansa und die Pilotenvereinigung Cockpit hatten sich mit Hilfe des als Schlichter fungierenden früheren Bundesaußenministers Hans-Dietrich Genscher (FDP) auf einen Tarifabschluss geeinigt. Demnach steigen die Gehälter der 4200 Lufthansa-Piloten für dieses Jahr rückwirkend zum 1. Februar linear um drei Prozent. Ab 1. Mai kommen strukturelle Verbesserungen im Volumen von weiteren neun Prozent sowie eine erfolgsabhängige Einmalvergütung von zwei Monatsgehältern hinzu. Auf dieser Basis hat der Pilotenabschluss nach Schätzungen von Verdi allein für das erste Jahr ein Gesamtvolumen von 26 Prozent.

Zuletzt hatte die Pilotenvereinigung Cockpit Gehaltserhöhungen um 24 Prozent sowie eine Ergebnisbeteiligung verlangt, während die Lufthansa Gehaltsanhebungen um 10,6 Prozent plus Gewinnbeteiligung angeboten hatte. Die Lufthansa-Piloten hatten in den vergangenen Wochen mehrfach gestreikt, was zum Ausfall von Hunderten Flügen führte. Während der Schlichtung hatten die Piloten auf weitere Streiks verzichtet.

Verdi-Vorstand Kahmann betonte, dass die Gewerkschaft auf Grund des Piloten-Abschlusses keine Nachverhandlung bestehender Tarifverträge bei der Lufthansa anstrebe. Der vor Kurzem für das Boden- und Kabinenpersonal ausgehandelte Tarifabschluss im Gesamtvolumen von fünf Prozent könne sich in der tarifpolitischen Landschaft durchaus sehen lassen. Kahmann verwies aber auf noch anstehende Gespräche mit der Lufthansa über einen Entgeltrahmentarifvertrag für das Boden- und Kabinenpersonal, in denen man Kriterien für eine Ergebnisbeteiligung festlegen wolle.

Kahmann kritisierte den Schlichterspruch für die Piloten. "Bei aller Anerkennung für die Tätigkeit von Herrn Genscher", der die Schlichtung unter schwierigen Bedingungen übernommen habe, verletze der Schlichterspruch das Gerechtigkeitsgefühl der anderen Lufthansa-Beschäftigten. "Insofern wird das natürlich erhebliche Auswirkungen auf die Tarifauseinandersetzungen haben, die wir in Zukunft führen werden." Anstoß nahm Kahmann insbesondere an einer Klausel in dem Schlichterspruch, derzufolge die durchschnittlichen Tariferhöhungen anderer Branchen in den kommenden zwei Jahren auf die Pilotengehälter übertragen werden sollen. "Das finde ich schon pikant, dass ein solche Klausel in einen Tarifvertrag übernommen wird, wo am Anfang steht 'wir sind was besonderes', aber dann im Jahre 2002 und 2003 die Durchschnittserhöhungen für das 'gemeine Volk' auch noch mitgenommen werden sollen", sagte Kahmann.

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