Deutlich rückläufiger Nettogewinn
Swisscom will auf Schnäppchen-Jagd

Der Schweizer Telekomkonzern Swisscom hat im ersten Halbjahr 2002 bei einem um 1,7 Prozent höheren Umsatz von 7,13 Milliarden Franken einen Gewinn von 780 Millionen Franken erzielt. Der Gewinn lag meilenweit unter den 5,36 Milliarden Franken der entsprechende Vorjahresperiode, die von Erlösen aus Immobilienverkäufen und der Veräusserung von 25 Prozent der Swisscom Mobile an Vodafone geprägt waren.

Reuters BERN. Dass bei Swisscom die Normalität weiter Einzug gehalten hat, zeigen die Zahlen zum Betriebsgewinn. Das Betriebsergebnis vor Abschreibungen (Ebitda) sank um ein halbes Prozent auf 2268 (Vorjahr 2280) Millionen Franken. Der Betriebsgewinn Ebit verbesserte sich infolge geringerer Abschreibungen um 5,8 Prozent auf 1281 Millionen Franken.

"Solide aber nicht herausragend", so beschrieb die Bank Julius Bär den Halbjahresabschluss. Die Marktverhältnisse für Swisscom seien auf dem Heimmarkt immer noch recht stabil. Immerhin kann sich Swisscom im Gegensatz zu den meisten seiner unter zweistelligen Milliarden-Schulden stöhnenden Konkurrenten an einer gefüllten Kasse freuen. Die Nettoverschuldung wird auch nach einem Aktienrückkauf von mehr als vier Milliarden Franken mit weniger als 1,5 Milliarden Franken angegeben. Das sind nicht einmal 20 Prozent des Eigenkapitals.

Dass Swisscom keine langweilige Aktie bleibt, dafür könnten Übernahmen sorgen. Nach den Worten von Konzernchef Jens Alder kann sich der Konzern eine Übernahme zwischen fünf und zehn Milliarden Franken leisten. Das Unternehmen ist offenbar weiter auf der Suche und hat die selbst auferlegten Regeln gelockert, die an einen potentiellen Übernahmekandidaten gestellt werden. Damit wird eine Akquisition wahrscheinlicher und zugleich nehmen die Chancen für einen weiteren Swisscom-Aktienrückkauf etwas ab.

Da die Aktien der meisten internationalen Telekomkonzerne niedrige Kurse aufweisen, spekuliert Swisscom offenbar auf ein Schnäppchen. Er könne sich schon vorstellen, dass der eine oder andere europäische Telekomkonzern einen Teil seiner Aktivitäten verkaufen könnte und dann lieber eine andere Telekomgruppe als Käufer hätte als eine Bank oder eine Beteiligungsfirma, sagte Alder im Gespräch mit Reuters.

Swisscom bestätigte die Prognosen für das Gesamtjahr 2002; danach will der Konzern ein niedriges Umsatzwachstum bei stabilem Betriebsgewinn auf Ebitda-Ebene erreichen. Durch den Wegfall der einmaligen Gewinne des Jahres 2001 werde der Reingewinn 2002 wesentlich unter jenem des Vorjahres zu liegen kommen. Der Druck auf die Margen im angestammten Festnetz- und Datenkommunikationsgeschäft halte an, hiess es weiter. Das Wachstum im Mobilgeschäft dürfte sich weiter abschwächen.

Im Geschäftskundensegment spürte Swisscom dieses Jahr die schwache Konjunktur. Die Wirtschaft investiert weniger in neue Telefonanlagen und andere Kommunikationseinrichtungen. Die Situation könnte sich noch etwas verschärfen. Das Staatssekretariat für Wirtschaft (seco) erklärte ebenfalls am Donnerstag, die Konjunkturerholung dürfte sich um zwei bis drei Quartale verzögern.

Die im Ausrüstungsbereich tätige Swisscom Systems AG muss längerfristig 400 Stellen abbauen. Der CEO des Bereiches, Werner Steiner, tritt zurück. Die im IT-Bereich tätige IT Services AG werde den Stellenbestand um 50 Arbeitsplätze reduzieren, hiess es weiter. Der Abbau ist Teil des im März 2000 angekündigten Abbauprogramms von 3000 Stellen.

Wäre die Konjunktur wie erwartet in diesem Jahr in Europa angesprungen, so hätte Swisscom beim Gewinn einen nahtlosen Übergang von einer durch Sonderfaktoren geprägten zu einer konjunkturgetriebenen Ertragsentwicklung verzeichnen können.

Die Swisscom ist zu 62,7 Prozent im Besitz des Staates. An der Börse zog die Swisscom-Aktie zunächst im Rahmen des Marktes um etwa ein Prozent an. Am Mittag tendierte der Titel dann schwächer und stand mit 417 Franken um zwei Franken unter dem Vortagesniveau.

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