Deutlich weniger Cebit-Besucher – Hoffnung auf technische Bonbons
Träge Börsen können von neuen Cebit-Produkten profitieren

Freie Parkplätze, wenig Gedränge an der Kasse, luftige Hallen und hier und da sogar ein ruhiges Plätzchen - die Cebit 2003 ist anders. Bis zu zehn Prozent, so hofft die Hannover-Messe, könnten in diesem Jahr weniger kommen - gut 600 000. "Wir leiden unter der flauen deutschen Konjunktur", bestätigte ein Messesprecher.

van FRANKFURT/M. Mögen die Leute auch daheim bleiben, die Analysten sind sich einig, dass in der Cebit 2003 möglicherweise mehr Potenzial steckt, als es die mitunter spärlich besuchten Stände Glauben machen. "Es kommt darauf an, wie gut die neuen Produkte ankommen", sagt Theo Kitz, Analyst bei Merck Finck & Co. Insbesondere für Unternehmen wie Nokia, die 80 % ihrer Umsätze mit Konsumprodukten machen, spiele die Cebit als konsumentenorientierte Messe eine große Rolle, sagt Nicolas von Stackelberg, Analyst bei Sal. Oppenheim.

Zwar hat Nokia die Umsatzerwartungen gerade erst für das laufende Quartal nach unten korrigiert, dennoch bleiben die Finnen einer der Hoffnungsträger in der Branche. Sie sind mit ihren neuen Produktlinien in Hannover. Wie sehr Neuheiten Kursrelevant sein können, hat dabei die Nokia Mobile Internet Conference im November bewiesen. Hier stellte der Marktführer sechs neue Handys vor, prompt zog der Kurs um rund 4 % an. Bei Sony Ericsson ist es ähnlich gewesen. Das Joint-Venture präsentierte während des Mobilfunkkongresses 3GSMWorld in Cannes bereits im Februar das neue UMTS-Handy Z1010 vor. Der Markt sei überrumpelt gewesen, berichtet Technik-Experte Kitz. Der Aktienkurs sei infolge der Präsentation gestiegen.

Für Hannover erwartet Thomas Langer, Analyst bei WestLB Panmure, keine grundsätzlichen Innovationen von den Handyanbietern. "Das ein oder andere Bonbon ist vielleicht noch zu erwarten." Langer favorisiert unter den Handyherstellern Motorola. Der US-Konzern werde sich mit frischen Produkten präsentieren. Der West-LB-Stratege traut Motorola zu, noch in diesem Jahr "die Festung Europa zu erobern". Dabei ist die Cebit längst nicht immer der wichtigste Außentermin für die IT-Größen dieser Welt. Viele nutzen neben dem Event in Hannover andere Fachmessen. "Eigentlich ist die 3GSM für uns schon die wichtigere Messe", sagt Thomas Langer mit Blick auf die Handykonzerne.

Für die Siemens-Aktie sei die Cebit weniger bedeutsam, schätzt Kitz - zumindest im Vergleich zu Nokia und Ericsson. Bei Siemens nehme die Handy-Sparte einen zu geringen Teil des Gesamtergebnisses ein, um den Aktienkurs maßgeblich zu beeinflussen. Kursreaktionen auf Cebit-Nachrichten würden normal nicht länger als einen Tag anhalten.

Ähnlich schätzen Analysten das Kurspotenzial von Microsoft im Hinblick auf die Cebit ein. Microsoft sei so stark diversifiziert, dass es nicht mehr so sehr um einzelne Produkte gehe, sondern mehr um Strategien. Insofern profitierte die Gates-Company auch von den kleinen Hoffnungsschimmern, die die IT-Branche in Hannover verbreitet.

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