Deutliche Ausweitung des Fehlbetrags
Carrier1 rechnet auch 2002 mit negativem Ergebnis

Der Schweizer Telekommunikationsdienstleister Carrier1 International S.A.rechnet nach einer deutlichen Ausweitung des Quartalsfehlbetrages auch im kommenden Geschäftsjahr mit einem negativen Ergebnis (Ebitda).

Reuters FRANKFURT. Im Juni hatte Carrier1 noch angekündigt, die Ebitda-Gewinnschwelle Ende 2001 zu erreichen. Carrier1-Vorstandschef Mike McTighe sagte am Mittwoch der Nachrichtenagentur Reuters weiter, er rechne für die kommenden Quartale mit stagnierenden oder sogar rückläufigen Umsätzen. Im dritten Quartal 2001 hat das im Auswahlindex Nemax50 des Neuen Marktes gelistete Unternehmen nach eigenen Angaben bei einem im Vorjahresvergleich leicht verbesserten Umsatz seinen Fehlbetrag auf fast eine halbe Million $ mehr als versechzehntfacht.

Die im Auswahlindex des Neuen Marktes Nemax50 gelistete Carrier1-Aktie verlor in einem freundlichen Marktumfeld bis zum Mittag fast zwölf Prozent auf 1,50 Euro.

"Ich denke, es ist unwahrscheinlich, dass das Unternehmen im nächsten Geschäftsjahr ein positives Ebitda erreichen wird", sagte Firmenchef McTighe, der erst vor sechs Wochen von Cable & Wireless zu Carrier 1 kam, um das Unternehmen wieder auf Erfolgskurs zu bringen. McTighe sagte, er wolle sich vor allem auf die Verbesserung der Margen konzentrieren. "Die Umsätze sind derzeit nicht meine Priorität. Ich denke, sie werden in den nächsten Quartalen stagnieren oder sogar niedriger ausfallen", sagte der Vorstandschef.

Wie Carrier1 mitteilte, lag der Umsatz im dritten Quartal bei 87 Mill. $ nach 76,6 Mill. $ in der Vorjahresperiode. Der Quartals-Fehlbetrag habe sich auf 495,1 Mill. $ von 30,6 Mill. $ ausgeweitet. Darin enthalten seien Wertberichtigungen auf Netzwerke von 396 Mill. $. Carrier1 stellt Telefongesellschaften eigene Netzwerke für die Daten- und Sprachübertragung zur Verfügung. Zu den Kunden der Schweizer gehören den Angaben zufolge die ebenfalls am Neuen Markt gelisteten Mobilcom und 3U Telecom AG.

Zu den Boomzeiten der Telekomindustrie im vergangenen Jahr habe das Unternehmen enorme Überkapazitäten aufgebaut und sei durch die hohen Investitionen in die "wirtschaftliche Schieflage" geraten, sagte Peter Klostermeyer von Consors Capital. "Sie haben alles Negative in das dritte Quartal gepackt", fügte der Analyst hinzu und verwies auf die hohen Abschreibungen auf das Carrier1 Netzwerk, die das Quartalsergebnis außergewöhnlich belasteten. Die Analysten von SES Research stuften die Aktie auf "Underperformer" von "Marketperformer" zurück. Sie hatten eine Reduzierung des Ebitda-Verlustes gegenüber dem zweiten Quartal 2001 erwartet, teilten die Analysten mit. Die Rückkehr zur Profitabilität sei jetzt fast unmöglich.

Im Vergleich zum zweiten Quartal verzeichnete Carrier1 in den drei Monaten bis einschließlich September den Angaben zufolge einen fast 20-prozentigen Umsatzrückgang. Klostermeyer zufolge ist das unter anderem auf den drastischen Personalabbau des Unternehmens zurückzuführen, der auch das Vertriebsteam betreffe.Der als Ebitda ausgewiesene Verlust vor Zinsen, Steuern, Abschreibungen, Amortisierung, Restrukturierung, Wertberichtigung auf langlebige Wirtschaftsgüter, Fremdwährungs- und Wechselkursveränderungen, andere Einnahmen oder Ausgaben und außergewöhnliche Posten ist nach Angaben des Unternehmens im dritten Quartal auf 45,7 Mill. $ nach 8,5 Mill. $ im Vorjahr gestiegen.

Klostermeyer äußerte sich dennoch zuversichtlich zur weiteren Geschäftsentwicklung von Carrier1. Unter anderem sei die hohe Liquidität von derzeit mehr als 130 Mill. $ eine gute Basis.

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