Deutliche Bedenken
Kritik an Arznei-Sparpaket reißt nicht ab

Die Kritik an dem von Gesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) geplanten Arznei-Sparpaket reißt nicht ab. Einen Tag vor der öffentlichen Anhörung im Gesundheitsausschuss des Bundestags meldeten Verbraucherschützer und Arbeitgeber am Dienstag deutliche Bedenken an.

dpa BERLIN. Die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) warf Schmidt insgesamt Konzeptlosigkeit vor. Die Chemiearbeitgeber warnten vor dem Abbau von 10 000 Stellen.

Der Bundesverband der Verbraucherzentralen erhebt nach einem Bericht der "Berliner Zeitung" (Dienstag) vor allem Einwände gegen die geplante Aut-Idem-Regelung (Lateinisch: aut idem = oder das gleiche). Danach sollen die Ärzte im Regelfall nur noch Wirkstoffe verschreiben und die Apotheker dann das jeweils preiswerteste Mittel heraussuchen.

Dies sei nicht geeignet, den "Patientenschutz zu stärken", kritisieren die Verbraucherschützer laut Zeitung. Vielmehr würden vor allem ältere Patienten verunsichert, wenn sie in jeder Apotheke ein anderes Mittel bekämen. Zugleich steige die Gefahr von Verwechslungen und Fehlmedikationen. In Einzelfällen seien auch "allergische Reaktionen der Patienten nicht auszuschließen". Die BDA warnte zudem vor haftungsrechtlichen Risiken.

Nach den Pharmaverbänden warfen auch die Chemiearbeitgeber Schmidt vor, das Sparpaket werde mehr als 10 000 Stellen in der Branche vernichten. So drohe als Folge der Sparpläne ein Umsatzeinbruch von 20 %, erklärte der Chemiearbeitgeberverband BAVC in der "Rheinischen Post" (Dienstag). Schmidt will, dass die Hersteller die Preise für bestimmte Medikamente in den Jahren 2002 und 2003 um vier Prozent senken.

Auch der Arbeitgeber-Spitzenverband BDA meinte, das Sparpaket belaste einseitig die Pharmaindustrie. Die BDA warf Schmidt vor, den jüngsten Kostenschub bei den Arzneiausgaben "selbst verursacht" zu haben. So habe sie die Arzneibudgets ohne wirksame Alternativmaßnahmen abgeschafft. Die BDA plädierte erneut dafür, dass die Zuzahlungen der Patienten nicht mehr von der Packungsgröße abhängen, sondern künftig mit dem Arzneipreis steigen.

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