Deutliche Korrektur der Preise in Sicht
Immobilien-Blase wird langsam zu einer Gefahr

"Die Immobilien-Blase vor allem in den USA und Großbritannien wird langsam zu einer echten Gefahr für die Weltwirtschaft." Dies sagen Analysten mit Blick auf die hohen Bewertungen von Immobilien.

vwd DÜSSELDORF. Zunächst allerdings zeigten die makroökonomischen Daten, dass dieses Phänomen nicht abrupt enden werde, sagt Heino Ruland, Analyst bei der Steubing AG. Hintergrund dieser Gefahr sind die Konsumausgaben.

Trotz fallender Aktienmärkte zeigen sich diese, gerade in den USA, noch relativ robust. Die stetig gestiegenen Immobilienwerte der vergangenen Jahre führten dazu, dass Häuser mit Konsumkrediten beliehen wurden. Brechen nun die Immobilienpreise ein, müssten die Kredite zurückgezahlt oder zusätzliche Sicherheiten aufgebracht werden, was sich empfindlich auf den Konsum auswirken dürfte.

Zur Zeit befindet sich der Markt in einer Situation, in der die Preise der Häuser sowie die Zinsdienstleistungen der Besitzer auf einem extrem hohen Niveau liegen. Die Immobilenpreise entsprächen einem Niveau von 1989, dem Hoch des vergangenen Zyklus, sagt Heino Ruland. Die Zinsbelastung im Verhältnis zum verfügbaren Einkommen stehe aktuell bei rund 6,4 Prozent, was ebenfalls ein Hochpunkt sei.

"Daher ist die Wahrscheinlichkeit sehr groß, dass es bei den Preisen bald zu einer deutlichen Korrektur kommt". Dies werde im schlimmsten Fall den privaten Konsum in den USA stark beeinträchtigen. Von nun an werde bei jeder Zinserhöhung die Alarmglocke klingeln. Denn: Jeder Prozentpunkt, der die Zinsdienstleistungen ansteigen läßt, fällt bei den Konsumausgaben weg.

Auch Rainer Sartorius, Analyst bei HSBC Trinkaus & Burkhardt, meint, dass ein Crash in diesem Bereich nicht auszuschließen ist. Derzeit gebe es dafür jedoch noch keine konkreten Anzeichen. Allerdings steige die Gefahr stetig, sollte die Immobilienbewertung in den kommenden Monaten weiter wachsen. Sartorius geht davon aus, dass die Bank of England mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit im August die Zinsen anheben wird, um ein weiteres Anwachsen dieser Blase zu verhindern. Dadurch könnte nämlich die Neuverschuldung heruntergefahren werden.

Da in Großbritannien der Konsum aktuell auch noch von einer sehr niedrigen Arbeitslosenquote gestützt werde, seien hier die Auswirkungen eines solchen Schrittes auf den Konsum sicherlich nicht so stark, wie in den USA, so Sartorius. Dort könne nur darauf gehofft werden, dass gleichzeitig anziehende Aktienmärkte die Konsumausgaben stützen. Doch die Auswirkungen auf die Aktienmärkte könnten bei einem Platzen der Immobilien-Blase verheerend sein.

Vor allem die Mortgage Backed Securities, also mit Immobilien besicherte Wertpapiere, dürften dadurch stark belastet werden, meint Heino Ruland. Gerade die Tatsache, dass sich diese Papiere auch im Ausland immer größerer Beliebtheit erfreuen, könnte weltweit für Probleme sorgen.

Doch gibt es Anzeichen dafür, dass diese Blase nicht kurzfristig platzen wird. Nach wie vor wiesen die Neubaubeginne in den USA eine hohe Zuwachsrate aus, sagt Ruland. Diese bedeute, dass das Ende der Preissteigerung noch nicht ganz erreicht sei. Sollten allerdings die Neubaubeginne in eine rückläufige Tendenz einschwenken, sei Vorsicht angebracht.

Erfahrungsgemäß folge darauf mit einer Verzögerung von mindestens sieben bis acht Monaten auch ein Einbruch bei den Immobilienpreisen, sagt der Analyst. Anleger sollten daher sehr genau die Situation bei den Neubaubeginnen beobachten. Dieser Frühindikator werde den Zustand der Immobilen-Blase gut anzeigen.

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