Deutliche Kritik an Audi
Piech baut Schutzwall gegen feindliche Übernahmen

Der scheidende VW-Chef Ferdinand Piech baut an einem Schutzwall gegen feindliche Übernahmen. Dazu könnten befreundete deutsche Unternehmen wie zum Beispiel die Deutsche Post oder Thyssen-Krupp Aktien mit VW tauschen.

dpa WOLFSBURG. Nur einen Tag nach der Wahl von Bernd Pischetsrieder zu seinem Nachfolger kritisierte er im Interview des Nachrichtenmagazins "Der Spiegel" die Konzern- Töchter Audi, Skoda und Seat. Eine Ablösung von Audi-Chef Franz-Josef Paefgen schloss er nur "derzeit" aus. Auf dem Rückzug ist er dagegen beim erklärten Ziel einer Umsatzrendite von 6,5 %, die nicht mehr "um jeden Preis" angestrebt werde.

Ford hat angeblich Interesse an VW

Piech nannte einen möglichen Aktientausch "eine wirklich gute Idee", zu deren Verwirklichung aber noch "viel Zeit" nötig sei. Der scheidende VW-Vorstandsvorsitzende sagte, er habe schon vor mehr als einem Jahr "konkrete Hinweise" für ein Interesse des US-Autokonzerns Ford an VW bekommen. Möglicherweise wolle in Wolfsburg jemand trotz des noch bestehenden Schutzes durch das so genannte VW-Gesetz und die Sperrminorität des Landes Niedersachsen jetzt einsteigen, "um am Ende dann doch das Kommando zu übernehmen". Die EU-Kommission hat das Gesetz bereits ins Visier genommen.

Die Mittel für seine Abwehr-Pläne hat Piech schon im Juni von der Hauptversammlung in die Hand bekommen. Sobald VW wie vorgeschrieben die zehn Prozent eigene Aktien im Unternehmensbesitz abgegeben oder eingezogen hat, dürfen weitere zehn Prozent erworben werden. Nach dpa-Informationen könnten vier deutsche Unternehmen je knapp fünf Prozent VW-Aktien kaufen. Mit dem 18,8 % Niedersachsens wären so knapp 40 % in befreundeten Händen. Laut Piech sei auch über eine Beteiligung der Familien Piech und Porsche an VW über ihre Firmen nachgedacht worden. Die Vorstellungen "klafften aber so weit auseinander, dass es zu keinem ernsthaften Gespräch kam".

Deutliche Kritik an Audi

Das "Spiegel"-Interview nutzte Piech außerdem für ein deutliches Signal nicht nur an die Audi-Spitze, wer im Konzern noch das Sagen hat. Audi habe eine "dramatische interne Ergebniszielverfehlung" berichtet. Trotz der Rekordzahlen beim Absatz soll ein Gewinn um einen dreistelligen Millionenbetrag niedriger als erwartet gemeldet worden sein. Im Visier stehen könnte auch der Audi - Aufsichtsratsvorsitzende Robert Büchelhofer. Der VW - Konzernvertriebsvorstand muss sich seit dem Auftauchen Pischetsrieders ohnehin über seine Zukunft Gedanken machen, schließlich hat ihn der Bayer schon bei BMW gefeuert.

Piechs Vorwurf jetzt: Die Ingolstädter hätten ihren neuen A8 spätestens zur Internationalen Automobilausstellung (IAA) in der kommenden Woche präsentieren müssen. Er wies Spekulationen zurück, er selbst habe wegen des neuen D1 von VW das neue Audi-Spitzenmodell ausgebremst.

Unzufrieden äußerte sich der Konzern-Chef auch über die Töchter Skoda und Seat. Die Tschechen seien angesichts von 30 % mehr verkauften Autos "übermütig" und könnten versucht sein, "auf das Geldverdienen zu verzichten". Seat habe im Juli erstmals die "allerdings ehrgeizigen Budgetzahlen" erreicht. "Auch damit kann man kaum zufrieden sein." Seat-Chef ist seit gut einem Jahr Piech- Nachfolger Pischetsrieder. Dem sagte er aber zu, sich als möglicher VW-Aufsichtsratschef nicht ins operative Geschäft einzumischen.

Das Unternehmen könne die angestrebte Umsatzrendite von 6,5 % zwar "zusammenkratzen", sagte Piech. Dies werde aber nicht "um jeden Preis geschehen", sagte Piech. Würden Investitionen heruntergefahren, fiele Nachfolger Pischetsrieder "in ein Loch". Im bisherigem Rekordjahr 2000 betrug die Umsatzrendite rund 4 %. Nach Informationen der "Süddeutschen Zeitung" wird nach einem Halbjahreswert von über 5 % durch ein schwaches drittes Quartal die Umsatzrendite weit unter diese Marke rutschen.

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