Deutliche Kritik an Deutscher Bank
Banken lassen Holzmann im Regen stehen

Die Gläubigerbanken des angeschlagenen Frankfurter Baukonzerns Philipp Holzmann AG haben sich bis zum späten Donnerstagabend nicht auf ein gemeinsames Rettungskonzept einigen können. "Die Gespräche sind beendet, und es finden auch keine weiteren zwischen den Banken über das Konzept der Deutschen Bank statt", hieß es aus dem Lager der Kreditinstitute über den aktuellen Stand.

fs/jkn/po FRANKFURT/M. Holzmann selbst sieht in dem Abbruch der Verhandlungen allerdings noch kein "Scheitern" der Sanierungsbemühungen. "Es findet zwar keine Sitzung mehr statt, aber die Leute telefonieren weiter", sagte ein Konzern-Sprecher.

Der von der Deutschen Bank befürwortete Sanierungsplan sei gegenüber der Vorlage am vergangenen Freitag nicht entscheidend nachgebessert worden, begründete dagegen ein Gläubigerinstitut seine ablehnende Haltung.

Damit steht die Finanzhilfe über 200 Mill. Euro wieder in Frage. Holzmann benötigt dieses Geld dringend, um eine Überschuldung und damit den Gang zum Insolvenzrichter zu vermeiden. Nach den vorläufigen Zahlen übersteigen die Verluste mit 237 Mill. Euro das Eigenkapital.

Für Bundeskanzler Gerhard Schröder wäre die Pleite von Holzmann ein ernstes Problem. Vor wenigen Tagen hatte der Regierungschef im Beisein von Deutsche-Bank-Chef Rolf-E. Breuer den Banken die Verantwortung für die Lösung der Krise überlassen. Er gehe davon aus, dass die Institute guten Willens seien, "eine vernünftige und das Unternehmen sichernde Lösung" zu finden. Schröder hatte vor knapp zweieinhalb Jahren die Banken überzeugt, ein Sanierungskonzept für den seit langem kriselnden Baukonzern mitzutragen und dazu rund 250 Mill. DM Bundeshilfen beigesteuert. Das Geld wurde jedoch nie abgerufen.

Ausgerechnet Breuer hat das Klima der Verhandlungen nun offenbar belastet. Äußerungen des Bankers waren bei anderen Kreditgebern des Baukonzerns auf "ziemliches Unverständnis" gestoßen. Breuer hatte einen Tag nach dem Gespräch beim Kanzler erklärt, es gebe keine Liquiditätskrise bei Holzmann. Man befinde sich auf einem guten Weg.

Auch intern scheint Breuer deshalb unter Druck zu geraten. "Ich kann mir nicht vorstellen, dass Breuers Nachfolger Josef Ackermann die von Breuer erwogenen Schritte mitmachen würde", sagte ein Investment-Banker. Dies würde lediglich das vorhandene Risiko erhöhen. Ein anderer vermutete hinter Breuers Aussagen "Torschlusspanik". Dem scheidenden Konzernsprecher blieben nur noch wenige Monate im Amt bis zum Wechsel am 22. Mai.

Aus der Deutschen Bank hieß es, Breuer habe "nichts Falsches" gesagt. Es stimme, dass es bei Holzmann keine Liquiditätskrise gebe. Vielmehr handele es sich um eine Überschuldung.

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