Deutliche Neuverschuldung erwartet: Irak-Feldzug erwischt die britische Wirtschaft zur Unzeit

Deutliche Neuverschuldung erwartet
Irak-Feldzug erwischt die britische Wirtschaft zur Unzeit

Eigentlich hat der britische Schatzkanzler Gordon Brown schon ohne die Kosten des Irak-Krieges genug Schwierigkeiten mit seinen Haushaltsplänen. Das jährliche Budget-Defizit steigt deutlich an, das Wirtschaftswachstum im Land fällt geringer aus als erwartet und der Wachstumsmotor "Verbraucher" wird nach Einschätzung vieler Volkswirte künftig wesentlich langsamer laufen.

LONDON. Seit einigen Tagen sind zudem die im vergangenen Jahr angekündigten Steuererhöhungen in Kraft. Der Anstieg der Sozialversicherung bringt geschätzte acht Mrd. Pfund - umgerechnet 11,8 Mrd. Euro - zusätzlich in die Staatskassen, dürfte aber die wirtschaftliche Aktivität im Lande dämpfen. Dennoch muss Brown das im vergangenen Jahr abgegebene Versprechen einlösen, massiv Gelder in das Gesundheitssystem und die öffentlichen Dienste zu pumpen.

Und jetzt kommt auch noch der Krieg. Erst kürzlich musste Brown die Reserve für die Truppen am Golf von 1,75 Mrd. Pfund auf drei Mrd. Pfund erhöhen, weil der Kriegsfall tatsächlich eingetreten ist. Einige bezweifeln, dass das Geld für die Kriegsausgaben reichen wird. So lautet eine der spannendsten Fragen bei der heutigen Vorlage des Haushaltsentwurfs für das nächste Geschäftsjahr: Woher nimmt Brown das Geld?

Wohl (noch) nicht vom Steuerzahler selbst, jedenfalls nicht direkt. Die Investmentbank Merrill Lynch erwartet angesichts des schwierigen wirtschaftlichen Umfelds "keine signifikanten Steuererhöhungen" in diesem Jahr. Stattdessen dürfte der Schatzkanzler erneut die Staatsverschuldung erhöhen - eine unangenehme Situation für Brown, der seit Beginn seiner Amtszeit einen vorsichtigen Haushalt propagiert. Das renommierte Institute for Fiscal Studies schätzt, dass bei einem Defizit von 5,1 Mrd. Pfund im Haushaltsjahr 2003/4 die Schuldenaufnahme auf 25,2 Mrd. Pfund steigen wird. Merrill Lynch und die Bank of America rechnen sogar mit rund 30 Mrd. Pfund.

Zwar sind die Schwierigkeiten der Briten im Vergleich zu den deutschen Problemen noch immer lächerlich gering. Selbst mit zusätzlichen Ausgaben hat Brown noch alle Chancen, auch in seiner zweiten Amtszeit seine "goldene Regel" einzuhalten, die die Ausgaben über eine Konjunkturperiode begrenzt.

Jedoch steht der Schatzkanzler vor einer Zeitenwende. Seine Prognosen eines Wachstums bis drei Prozent muss er nach unten korrigieren. Die Neuverschuldung von heute kann die Steuererhöhung von morgen sein. Und das Kriegsrisiko ist nicht eingepreist. Zwar weisen Indikatoren darauf hin, dass sich Verbraucher und Firmen von einem schnellen Krieg nur kurz beeindrucken lassen. Sicher ist das nicht. Der Irak-Feldzug trifft die Wirtschaft zu einem schlechten Zeitpunkt.

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