Deutliche Spuren im Tourismussektor
Ökonomische Folgen des Bali-Anschlags begrenzt

Die wirtschaftlichen Auswirkungen des verheerenden Terroranschlags auf der indonesischen Ferieninsel Bali sind bislang vor allem auf das Land selbst beschränkt.

vwd JAKARTA/FRANKFURT. Die Börse in Jakarta eröffnete mit einem zeitweise zweistelligen Abschlag. Auch die indonesische Rupiah geriet am Montagmorgen deutlich unter Druck und verzeichnete ein Neun-Monats-Tief. Beobachter befürchten, dass der Anschlag das Investorenvertrauen in der Region belasten wird, insbesondere in Ländern mit moslemischem Bevölkerungsanteil wie Indonesien, Malaysia und den Philippinen.

Deutliche Spuren dürfte das Attentat im Tourismussektor Indonesiens hinterlassen. Der Tourismus macht vier Prozent des Bruttoinlandsprodukts des Landes aus und beschäftigt acht Millionen Arbeitnehmer. Die Ratingagentur Standard& Poor's (S&P) veranschlagt die Einnahmen für das vergangene Jahr auf sieben Mrd. US-Dollar. Der Anschlag werde die Besucherzahlen drücken, ähnlich wie in den Jahren 1997/98, als die politische Unsicherheit besonders groß war, urteilt S&P.

Der europäische Luftfahrtverband AEA erwartet nach den Terroranschlägen auf Bali einen leichten Rückgang des internationalen Flugverkehrs. Vor allem die Flüge nach Bali und nach Südostasien werden betroffen sein, sagte ein Sprecher der Organisation am Montag. Allerdings merkte er an, dass ohnehin nur wenige AEA-Mitglieder Flüge nach Bali anbieten. Dennoch geht der Verband von rückläufigen Passagierzahlen auf allen welweiten Flugstrecken aus. "Die Menschen werden verunsichert sein, da sie sehen, dass die Anschläge seit dem 11. September noch nicht zu Ende sind", betonte der Sprecher.

Die indonesische Rupiah (IDR) eröffnete am Montagmorgen bei 9.300 IDR je Dollar, nachdem am Freitag noch ein Kurs von 9.010 IDR gehandelt worden war. Daraufhin intervenierte die Notenbank des Landes mit geschätzt 15 Mill. bis 20 Mill. am Devisenmarkt und verkaufte US-Dollar, was den Kurs auf etwa 9.250 IDR hob. Händler urteilten jedoch, dass die Notenbank nicht über ausreichende Reserven verfüge, um einer Verkaufswelle auf breiter Front entgegen treten zu können. Die Reserven der Notenbank belaufen sich nach eigenen Angaben auf 30 Mrd. US-Dollar. Auch der philippinische Peso sackte auf ein 14-Monats-Tief.

Die Börse in Jakarta verlor zu Handelsbeginn sieben Prozent, zwischenzeitlich weitete sich das Minus auf über zehn Prozent aus. "Die Anleger verkaufen ihre Blue-Chips auf Grund von Befürchtungen bezüglich der Sicherheit in Indonesien", erklärte ein Teilnehmer. In der Spitze erreichen die Abschläge bei wichtigen Einzelwerten 19 Prozent. Auch Rohölfutures notierten im Gefolge des Anschlags und der damit weiter steigenden Unsicherheit zunächst höher. "Dieser Anschlag wird eindeutig preistreibend auf den Rohölmarkt wirken", urteilte ein Händler.

Andere asiatische Börsen zeigten sich hingegen kaum beeindruckt. Während in Tokio und Hongkong feiertagsbedingt kein Handel stattfand, legten die Kurse in Singapur zu und auch Sydney zeigte sich fester. Allerdings gaben Quantas, einer der größten Ferienflieger in der Region, um 2,5 Prozent nach. Schwächer präsentierten auch Thai International und Singapore Airlines. Die Deutsche Lufthansa AG wird nach Ansicht von Beobachtern eher wenig unter den Terroranschläge auf Bali zu leiden haben. Bali sei ein touristisches Ziel und stehe nicht im Flugplan der Lufthansa, hieß es am Montag. Die Lufthansa selbst äußerte sich zunächst nicht zu den Konsequenzen der Terroranschläge.

Die ökonomischen Auswirkungen der Terroranschläge werden nach Ansicht der Deka Bank weitgehend auf die betroffene Region begrenzt bleiben. Wie der Emerging-Markets Experte für Südostasien, Nicolas Schlotthauer, sagte, werden Südkorea, China sowie Singapur voraussichtlich nicht betroffen sein. Schlotthauer bezeichnete es hingegen als "wenig überraschend", dass es ausgerechnet in der Region Indonesien/Philippinen zu den Terrorakten gekommen ist. "Da ist ein schwelendes Pulverfass hochgegangen", sagte er.

Für die Ökonomien Indonesiens und der Philippinen sei dies ein "schwerer Schlag". Die Wirtschaft dort steht dem Experten zufolge vor einer kritischen Situation. Etwas besser sieht Schlotthauer zufolge die Lage in Malaysia aus. Dort habe der Staat durch restriktive Gesetze und harte Polizeieinsätze die Lage besser im Griff. Auch wenn dies unter menschenrechtlichen Aspekten zum Teil fragwürdig sei, sei die Lage in Malaysia derzeit als stabiler einzuschätzen.

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