Deutliche Umsatzsteigerung
Italiens Post ist fit für die Zukunft

Erstmals in ihrer Geschichte wird die italienische Post 2002 einen Nettogewinn ausweisen. Der Vorstandsvorsitzende der Poste Italiane SpA, Corrado Passera, hat in einem Gespräch mit dem Handelsblatt dieses Ziel bekräftigt.

ROM. Bis zum Amtsantritt des ehemaligen Olivetti-Chefs hatte das Unternehmen - vormals eine Behörde - stets hohe Verluste gemacht; 1998 summierten sie sich auf 1,4 Mrd. Euro.

Sollte der positive Trend anhalten, schließt Passera einen Börsengang der Poste Italiane analog zur Deutschen Post AG nicht aus. "Sicherlich könnte das eine interessante Quelle der Eigenkapitalbeschaffung sein. Die Regierung hat aber diesbezüglich noch keine Entscheidung gefällt." Allein die Tatsache, dass eine Zukunft der italienischen Post als Publikumsgesellschaft möglich erscheint, ist sensationell.

Bis vor 4 Jahren galt sie als Paradebeispiel für Amtsklüngel und Beamtenschlendrian. Technisch gesehen war das Unternehmen pleite. Nur 44 % der Briefe aus dem Ausland kamen nach drei Tagen bei einem Empfänger in Italien an. Beim internationalen Postausgang lag die Marke bei 67 %.

Das Ziel der International Post Cooperation, ein Interessenverband der nationalen Postunternehmen, war damals wie heute 85 %. 2001 hat Poste Italiane diese Hürde mit 91 % bzw. 90 % problemlos übersprungen - obwohl 18 000 der vormals 185 000 Arbeitsplätze abgebaut worden sind. Ähnlich starke Effizienzsteigerungen gab es auch im Inland. "Wir haben in diesen Jahren massiv in Technologie und Personal investiert", begründet Passera den Qualitätssprung.

Das Ergebnis kann sich sehen lassen. Der Umsatz ist in vier Jahren um 25 % auf 7,6 Mrd. Euro (2001) gestiegen. Die Sparte Postbank hat atemberaubendes Wachstum hinter sich und generiert heute bereits 40 % des gesamten Geschäftsvolumens. Konzept: Einfaches Angebot, kaum Beratung, niedrige Kosten. Die Zahl der Girokonten hat sich auf 2 Millionen versechsfacht. Damit ist Bancoposta heute bereits das fünftgrößte Kreditinstitut in Italien.

Weiteres Wachtstum wird angestrebt

Mit Lebensversicherungsprämien in Höhe von 2,3 Mrd. Euro im letzten Jahr hat sich die Post zur viertgrößten Assekuranz Italiens gemausert. "Keine Bank ist so stark in der Fläche vertreten, keine Bank bietet ähnlich günstige Konditionen. Wir sind die beste Bank für ein breites Publikum," gibt sich Passera selbstbewusst. Eine These, die vom Verbraucherschutzverband Adusbef unterschrieben wird. In einer Pressemitteilung heißt es: "Die Post hat mit niedrigen Gebühren und einem großen Vertriebsnetz die bislang geringe Konkurrenz im italienischen Bankwesen wesentlich verschärft." In der letzten Woche hat Bancoposta auch Angebote für Unternehmen lanciert. Dieser Markt ist in Italien angesichts 4 Millionen kleiner und kleinster Firmen extrem interessant. "Wenn ich das Wachstumspotenzial sehe, kriege ich richtig Angst", scherzt Massimo Arrighetti, Chef von Bancoposta.

Doch nicht nur Bancoposta soll weiter expandieren. Corrado Passera hat sich für die kommenden drei Jahren insgesamt ehrgeizige Ziele gesetzt: "Alle Sparten vom traditionellen Brieftransport über die Paketlogistik bis zu den Finanzdienstleistung werden wachsen. Wir peilen 2004 einen Umsatz von 9 Mrd. Euro an."

Zur Erreichung dieses Ziels spielen heimische und internationale Partnerschaften eine wichtige Rolle. So vergibt Bancoposta zum Beispiel in Zusammenarbeit mit der Deutschen Bank Verbraucherkredite. Weitere Allianzen bestehen mit der französischen und der schweizer Post, JP Morgan, Credit Suisse, Unicredito und San Paolo IMI.

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