Deutliche Verlangsamung erwartet
Umfrage: Deutsches Wachstum bei 0,8 Prozent

Das Wirtschaftswachtsum in Deutschland wird sich nach Einschätzung von Volkswirten in diesem Jahr im Zuge der weltweiten Konjunkturschwäche mit 0,8 % deutlich verlangsamen.

rtr FRANKFURT. Auch im kommenden Jahr werde das BIP-Wachstum mit 1,5 % nur mäßig an Fahrt gewinnen. Dies ergab die am Freitag veröffentlichte Reuters-Quartalsumfrage, zu der 24 Volkswirte von Banken und Wirtschaftsforschungsinstituten ihre Prognose abgaben. Dabei revidierten die Experten ihre Voraussagen aus der Juli-Umfrage für Wachstum, Inflation, Industrieproduktion und Importe nach unten. Die Prognose für die Arbeitslosenquote 2002 hoben die Experten dagegen deutlich an. Im Juli hatten die Volkswirte noch mit einem Wirtschaftswachstum von 1,5 % in diesem und 2,3 % im nächsten Jahr gerechnet.

Im Gesamtjahr 2000 war die deutsche Wirtschaft mit real 3,0 % so stark gewachsen wie seit neun Jahren nicht mehr.

Für die Konjunktur erwarten die Volkswirte erst im zweiten Quartal 2002 eine Erholung. Dann werde das Wachstum des Bruttoinlandsprodukts dem Mittel (Median) der Prognose zufolge in der Jahresrate auf 1,5 von zuvor 0,5 % zulegen, prognostizierten die Experten. In den vergangenen Wochen hatten bereits die führenden Wirtschaftsinstitute in ihrem Herbstgutachten ihre Prognose für 2001 auf 0,7 % und für 2002 auf 1,3 % nach unten revidiert. Im Frühjahr hatten sie noch 2,1 % für 2001 erwartet.

Bei der Inflationsrate rechnen die Volkswirte mit einem sich verstärkenden Abwärtstrend bis zum zweiten Quartal 2002. Die Jahresteuerung in Deutschland werde 2001 bei 2,5 % liegen, 0,2 %punkte niedriger, als noch im Juli erwartet, prognostizierten die Experten. Angesichts sinkender Heizöl- und Kraftstoffpreise und der schwachen Konjunktur sei 2002 mit einem Rückgang der Teuerung auf 1,6 % zu rechnen.

Damit wäre die Zwei-Prozent-Marke unterschritten, ab der die Europäische Zentralbank (EZB) mittelfristig Preisstabilität als gewährleistet ansieht. Getrieben von hohen Kraftstoffpreisen und teuren Lebensmitteln als Folge von Tierseuchen hatte die Inflationsrate im Mai mit 3,5 % den höchsten Stand seit siebeneinhalb Jahren erreicht, sinkt seither aber stetig. Im Jahresdurchschnitt 2000 betrug die Inflationsrate nach Angaben des Statistischen Bundesamtes 1,9 %.

Die Arbeitslosigkeit wird nach Einschätzung der Volkswirte 2002 leicht zunehmen. Die Arbeitslosenquote werde im Jahresschnitt bei 9,4 % liegen, und nicht, wie noch im Juli erwartet, auf eine Quote von 9,0 % zurückgehen. Für dieses Jahr halten die Volkswirte an der prognostizierten Quote von 9,3 % nach durchschnittlich 9,6 % im Vorjahr fest.

Deutlich nach unten revidierten die Volkswirte ihre Erwartungen an die deutsche Industrieproduktion in diesem Jahr. Die Produktion werde voraussichtlich um 0,1 % rückläufig sein, statt wie bislang erwartet um 0,4 % zu wachsen. Auch im kommenden Jahr sei lediglich mit einer Steigerung um 1,4 % zu rechnen - und nicht wie bisher prognostiziert um 2,3 %. Den stärksten Rückgang sehen die Volkswirte im dritten Quartal 2001 mit minus 1,8 % erreicht.

Einen deutlichen Rückgang der Zuwachsraten sagten die Volkswirte auch für den deutschen Außenhandel im nächsten Jahr voraus. Zwar werde sich die Ausfuhr 2001 mit 5,4 % im Median um einen Zehntel Prozentpunkt gegenüber der Juli-Prognose verbessern, erklärten die Experten. Zugleich senkten sie aber ihre Prognose für 2002 deutlich um zwei Prozentpunkte auf 3,8 %. Den schwächsten Exportanstieg sehen die Volkswirte im vierten Quartal 2001 mit 1,1 %. Bei den Einfuhren erwarten die Volkswirte im Median für dieses Jahr eine Wachstumsrate von 3,0 % und 2002 einen Anstieg von 3,9 %.

Die Rendite für zehnjährige Bundesanleihen dürfte der Reuters-Umfrage zufolge in diesem Jahr 4,73 % betragen. Für das kommende Jahr erwarten die Volkswirte einen Anstieg der Rendite auf 5,25 %. Die Prognosen in der Quartalsumfrage reichen 2001 von 4,4 bis 4,9 % und 2002 von 4,8 bis 5,5 %. In der Umfrage im Juli lagen die Rendite-Erwartungen bei 5,0 % für das Jahr 2001 und bei 5,35 % im Jahr 2002.

Der Dreimonatszins für Interbankeinlagen in der Euro-Zone (Euribor) wird der Umfrage zufolge in diesem Jahr bei 3,30 % liegen. Für 2002 erwarten die Experten einen Anstieg auf 3,67 % (Median). Die Analysten senkten ihre Prognosen damit gegenüber der Juli-Umfrage, als sie für 2001 noch einen Wert von 4,4 % und für 2002 einen Wert von 4,5 % erwartet hatten.

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