Deutliche Verluste bei Umsatz und Ertrag
Preussag kämpft mit Reise-Frust

Das schwache Reisegeschäft und die allgemein schlechte Konjunktur hat bei dem weltweit größten Touristikkonzern Preussag im ersten Quartal zu starken Umsatzeinbußen und rote Zahlen geführt. Durch Sondererträge fiel der Verlust aber geringer als erwartet aus.

Reuters HANNOVER. Nach Angaben vom Mittwoch sank der Umsatz des Konzerns um 14,2 Prozent auf 4,0 Milliarden Euro. Das operative Ergebnis vor Steuern und Abschreibungen rutschte mit minus 29 Millionen Euro nach plus 25 Millionen Euro im Vorjahr in die Verlustzone. Analysten hatten im Schnitt mit minus 71 Millionen Euro gerechnet. Der Nettoverlust des Konzerns war mit minus 83 Millionen Euro fast doppelt so stark wie im Vorjahr (46 Millionen Euro), im Vorfeld waren jedoch noch höhere Verluste befürchtet worden. So legte die Aktie am Mittwoch gegen den Trend um fast zwei Prozent auf 28,61 Euro zu.

Schuldenabbau durch weitere Verkäufe

Preussag-Chef Michael Frenzel hatte bereits Ende April bei der Bilanzpressekonferenz die Erwartungen für das erste Quartal gedämpft. Doch Preussag konnte seine roten Zahlen durch Sondererlöse begrenzen. Dahinter verbergen sich Erträge aus dem Verkauf von Erdölförderaktivitäten der Veba Oel, an denen Preussag beteiligt war.

Finanzvorstand Rainer Feuerhake sprach von mehr als 100 Millionen Euro, von denen ein vorläufiger Betrag im ersten Quartal berücksichtigt worden sei. Für das zweite Quartal erwartet Preussag laut Feuerhake rund 700 Millionen Euro aus dem im Mai vollzogenen Verkauf der Bauunternehmensgruppe Fels an Haniel. Feuerhake erläuterte im Reuters-Interview, durch welche Verkäufe der Schuldenstand von 6,4 Milliarden Euro auf rund vier Milliarden Euro bis zum Frühjahr 2003 gesenkt werden soll.

Verkäufe der Handelsaktivitäten, der 14 000 ehemaligen Werkswohnungen in Salzgitter und kleinere Desinvestionen im Energiebereich könnten jeweils bis zu 500 Millionen Euro und damit zusammen etwa 1,5 Millionen Euro bringen. Schon im laufenden Jahr würden damit die Zinsen für den Konzern erheblich sinken und damit das Ergebnis spürbar verbessern, sagte Feuerhake. Unsicher sei noch der Zeitpunkt der Verkäufe der Wohnungen und des US-Stahlhandels. Beides soll nach seinen Worten nicht unter Wert veräußert werden.

Nicht zuletzt auf Grund der Sondererlöse hält Preussag trotz der auch im Gesamtjahr erwarteten Einbußen in der Touristik an dem Ziel fest, 2002 zumindest an das operative Vorjahresergebnis von 811 Millionen Euro heranzureichen.

Deutsche Touristiksparte belastet

In der nach dem Konzernumbau mit Abstand wichtigsten Sparte Touristik gibt es nach wie vor große Unsicherheiten, wie weit der aktuelle Buchungsrückstand für die Sommersaison von knapp acht Prozent aufgeholt werden kann. Die Situation für die Sommersaison verbessere sich von Monat zu Monat, sagte Frenzel. Doch da immer noch sehr kurzfristig gebucht werde, seien Prognosen nur schwer möglich. "Der Sommer 2002 entwickelt sich derzeit konzernweit besser als der vergangene Winter."

In dem zur Wintersaison zählenden ersten Quartal ging der Reiseumsatz um 10,7 Prozent auf 2,2 Milliarden Euro zurück. Das operative Ergebnis fiel sogar um 57 Prozent auf minus 168 Millionen Euro. Allerdings sind die Ergebnisse in der Touristik durch hohe Vorleistungen für das Sommergeschäft zu Jahresbeginn generell belastet.

Während im erstem Quartal vor allem die Touristik in Skandinavien mit einem Umsatzminus von 22,1 Prozent Probleme bereitete, liegt der Konzern für den Sommer im größten europäischen Reisemarkt Deutschland besonders hoch im Minus. Der Rückstand der gebuchten Umsätze betrage hier 14,2 Prozent, während der gesamt deutsche Markt sogar um 16 Prozent rückläufig sei. In Großbritannien liege dagegen die Preussag-Tochter Thomson nur um 2,7 Prozent hinter dem Vorjahressommer zurück.

Einbußen bei Logistik- und Energiesparte

Auch die vor einem Jahr mit guten Ergebnissen bilanzierten Sparten Logistik und Energie verzeichnet in den ersten drei Monaten 2002 Einbußen. Die Containerschifffahrt hat infolge des schwachen Welthandels zwar mit 901 Millionen Euro nur sechs Prozent weniger Umsatz gemacht. Das operative Ergebnis sank jedoch um 83 Prozent auf lediglich 14 Millionen Euro. Die besonders profitable Energiesparte steuerte bei einem Umsatzrückgang um 27 Prozent auf 114 Millionen Euro zum Ergebnis mit 59 Millionen Euro ebenfalls 31 Prozent weniger bei.

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