Deutliche Verluste eingefahren
Thomas Cook spürt sanften Aufschwung

Europas zweitgrößter Touristikkonzern Thomas Cook spürt nach erheblichen Verlusten während des Irak-Krieges mittlerweile eine deutliche Trendwende im Reisegeschäft. Dennoch verschärft Cook seinen Sparkurs und will weitere Flugzeuge aus dem Markt nehmen.

Reuters FRANKFURT. Zwar habe sich im zweiten Quartal (Februar bis April) der operative Verlust um 40 % auf 136 Mill. Euro bei einem Umsatzrückgang um knapp 20 % auf 1,2 Mrd. Euro ausgeweitet, teilte Cook am Dienstag mit. Doch seit Ende des Irak-Krieges habe sich der Buchungsrückstand zum Vorjahr von 15,7 % auf mittlerweile 8,3 % verringert.

"Wir beobachten in allen Absatzmärkten einen deutlichen, nachhaltigen Aufwärtstrend", sagte Vorstands-Chef Stefan Pichler in Frankfurt und sprach von einer Trendwende. Teilweise gebe es in den vergangenen Wochen Zuwachsraten von mehr als 20 %. Besonders stark wachse die Nachfrage in Großbritannien. Wichtige Urlaubsziele rund um das Mittelmeer wie Tunesien, Türkei, Griechenland oder die Balearen drehten von teilweise bis zu 30 % Buchungsminus mittlerweile wieder ins Plus.

Verantwortlich für den Nachfrage-Einbruch seien neben dem Irak-Krieg die Lungenkrankheit SARS und die Wirtschaftskrise in Europa gewesen, sagte Pichler. Im ersten Halbjahr verbuchte Cook einen Verlust vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebita) von 349 Mill. Euro nach 301 Mill. Euro im Vorjahr. Bereinigt um Veränderungen im Konsolidierungskreis, Kosten für die Einführung der neuen Veranstaltermarke "Thomas Cook" in Höhe von 18 Mill. Euro sowie eine veränderte Bilanzierung in Großbritannien habe sich der operative Verlust auf 293 Mill. Euro reduziert, sagte Pichler.

Trotz Umsatzminus soll Ergebnis wachsen

Thomas Cook erwartet allerdings trotz der Trendwende für das Gesamtjahr ein Umsatzminus gegenüber dem bereits rückläufigen Vorjahr von vier bis fünf Prozent. Dennoch soll das operative Ergebnis mit Hilfe zusätzlicher Sparmaßnahmen deutlich steigen. Für eine genaue Prognose sei es aber zu früh, sagte Pichler bereits am Montagabend vor Journalisten. Im Vorjahr war das Cook-Ebita um 60 % auf 62 Mill. Euro eingebrochen. Unter dem Strich verbuchte der zu gleichen Teilen der Lufthansa und Karstadt-Quelle gehörende Konzern 123 Mill. Euro Verlust.

Das auf kommendes Jahr ausgeweitete Sparprogramm soll in 2003 und 2004 zusammen 600 Mill. Euro einbringen, davon die Hälfte bei so genannten Strukturkosten. Dabei sollen die gesamten Strukturen und Abläufe im Konzern auf ihre Effizienz und Notwendigkeit hin geprüft werden. Der schon angekündigte Abbau von mehr als 1 000 Stellen soll ohne Entlassungen erfolgen.

Konsequenz aus der Krise - Atmender Touristikkonzern

Die Konsequenz aus der Krise der Touristik müsse für die Unternehmen sein, deutlich flexibler zu werden, im Sinne eines "atmenden Konzern", sagte Pichler. Thomas Cook solle die Kostenführerschaft in der Touristikbranche erreichen. Hierzu soll unter anderem die Stilllegung von bis zu weiteren fünf Flugzeugen dienen. Damit hätte Cook innerhalb von zwei Jahren rund ein Dutzend Maschinen aus dem Markt genommen.

Cook-Chef: Billgarie wird nicht von Dauer sein

Den aktuellen Preisverfall bei Reisen sieht Pichler nicht als Bedrohung für die Branche an. "Die Billigarie wird nicht von Dauer sein", sagte er. Sein Konzern werde sich künftig mehr auf eine konservative Kapazitätsplanung ausrichten und weniger auf bloßes Wachstum. So sei es angesichts der Überkapazitäten bei Flugzeugen etwa aufgrund der Billigfluglinien kein Problem, mit weniger eigenen Maschinen auszukommen.

Der Cook-Chef dementierte zudem Spekulationen über Übernahmegespräche mit dem Schweizer Touristikkonzern Kuoni. Es habe zu keinem Zeitpunkt derartige Gespräche gegeben. Kontakte zwischen Cook und Kuoni hätten sich auf mögliche Kooperationen in einzelnen Geschäftsfeldern beschränkt.

Die Aktien des Touristik-Marktführers Tui profitierten am Dienstag vom positiven Ausblick des Konkurrenten und legten bis zum Mittag um 2,3 Prozent auf 14 Euro zu. Von Tui werden am Mittwoch auf der Hauptversammlung ebenfalls positive Buchungstrends erwartet. Die Lufthansa-Titel verloren hingegen 1 % auf 10,73 Euro, während Karstadt-Quelle-Aktien 0,3 Prozent auf 18 Euro nachgaben.

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