Deutlicher Einbruch im Vorjahresvergleich
Umsatz im Einzelhandel nimmt allmählich zu

Der deutsche Einzelhandel hat im Mai deutlich weniger umgesetzt als im Vorjahresmonat, gegenüber April erzielte die Branche aber ein leichtes Plus.

Reuters WIESBADEN. Real sei der Umsatz im Mai im Vergleich zum Mai vergangenen Jahres um 4,6 % und nominal um 4,3 % gesunken, teilte das Statistische Bundesamt am Mittwoch erstmals auf Basis vorläufiger Daten mit. Der Monat hatte in diesem Jahr einen Verkaufstag weniger als 2001. Von April auf Mai konnte der Einzelhandel dagegen ein reales, also inflationsbereinigtes Plus von 1,6 (nominal 1,2) Prozent erzielen. Das Amt wird mit dem Mai beginnend vorläufige Zahlen zum Einzelhandelsumsatz schon etwa einen Monat nach Abschluss des Berichtsmonats und damit rund zwei Wochen früher als bisher vorlegen. Die Angaben basieren auf den Ergebnissen der umsatzgewichtigsten Bundesländer.

Analysten sehen noch keine Trendwende im Einzelhandel

Volkswirte bewerteten die Einzelhandelsumsätze, die traditionell starken Schwankungen unterliegen und damit schwer zu beurteilen sind, unterschiedlich. Andreas Scheuerle von der DekaBank wies darauf hin, dass der Anstieg von real 1,6 % zum April das stärkste Vormonatsplus in diesem Jahr sei. Dies sei zwar zum Teil eine Korrektur nach dem starken Einbruch im April, trotzdem sei es eine gute Nachricht für die Konjunktur. "Die Binnennachfrage muss allmählich besser werden, damit der Aufschwung nicht länger auf wackeligen Beinen steht", sagte Scheuerle. Dennoch sei das noch keine Trendwende im Einzelhandel, der weiterhin vor allem von der schwachen Arbeitsmarktlage belastet werde.

Christoph Hausen von der Commerzbank konnte in dem Anstieg zum Vormonat noch keinen Beleg für eine Besserung erkennen. "Der private Konsum ist noch immer schwach, insbesondere wenn man das schwache Geschäftsklima im Einzelhandel im Juni in Betracht zieht", sagte Hausen. Der Ifo-Geschäftsklimaindex für Westdeutschland war im Juni etwas zurückgegangen, dazu hatten vor allem die pessimistischeren Einschätzungen der Groß- und Einzelhändler beigetragen. Nach den Daten der Deutschen Bundesbank, die noch Auto- und Tankstellenverkäufe hinzurechnet, gingen die Umsätze real zum Vormonat um 0,8 und zum Mai 2001 um 3,1 % zurück.

Branchenverbände erwarten mehr Firmenpleiten

In den ersten fünf Monaten dieses Jahres sank der Umsatz dem Bundesamt zufolge real um 3,1 % zum Vorjahreszeitraum. Der Handel mit Nahrungsmitteln, Getränken und Tabakwaren musste im Mai mit real minus 2,2 (nominal minus 1,6) Prozent weniger starke Einbußen zum Vorjahr hinnehmen als die Branchen mit Nicht-Nahrungsmitteln. Hier gingen die Umsätze nominal und real um 6,3 % zurück. Besonders starke Einbrüche gab es mit Rückgängen von rund zehn Prozent bei Textilien, Bekleidung und Schuhen sowie bei Hausrat, Bau- und Heimwerkerbedarf. Nur der Versandhandel, der Kosmetik- und Medizin-Facheinzelhandel und die Apotheken konnten die Umsätze etwas steigern.

Die Branchenverbände des Einzelhandels erwarten wegen der noch immer schwachen Konjunktur einen Anstieg der Firmenpleiten. Am Dienstag erst hatte die Bundesarbeitsgemeinschaft der Mittel- und Großbetriebe des Einzelhandels erklärt, die Zahl der Insolvenzen sei in Westdeutschland im ersten Halbjahr um rund 30 % und im Osten um fast 60 % gestiegen. Der Hauptverband des Deutschen Einzelhandels erwartet für das Gesamtjahr nach Abzug der Inflationsrate ein Umsatzminus von 2,75 %.

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