Deutlicher Ergebnisrückgang
Bayer enttäuscht die Erwartungen

Für den Einbruch bei Umsatz und Gewinn machte der Pharma- und Chemiekonzern vor allem den Ausfall von Lipobay verantwortlich. Beteiligungskäufe sollen jetzt den Gewinn des Gesamtjahres steigern.

Reuters LEVERKUSEN. Der Chemie- und Pharmakonzern Bayer hat entgegen der Erwartungen von Analysten im zweiten Quartal einen deutlichen Ergebnisrückgang verbucht, will den Gewinn im Gesamtjahr jedoch weiterhin auf Grund von Beteiligungsverkäufen steigern. Der Kurs der Bayer-Aktie brach nach Vorlage der Quartalszahlen zunächst um fünf Prozent ein, machte im weiteren Handelsverlauf die Verluste aber fast wieder wett.

"Wir können keine Anzeichen für einen spürbaren Aufschwung noch in diesem Jahr erkennen", teilte Bayer-Vorstandschef Werner Wenning am Donnerstag in Leverkusen mit. Für die Sparten Chemie und Polymere werde auf Grund der Konjunkturlage auch im zweiten Halbjahr keine nachhaltige Geschäftsbelebung erwartet. Trotz der schlechten Konjunkturaussichten rechne Bayer auf Grund der Veräußerungen im Gesamtjahr aber mit einem höheren Konzerngewinn. Ende April hatte Bayer noch eine "deutliche Verbesserung des Konzerngewinns" in Aussicht gestellt.

Lipobay drückt erneut das Ergebnis

Als Grund für den deutlichen Ergebnisrückgang im zweiten Quartal nannte Bayer vor allem den Ausfall von Lipobay. Bayer hatte den Cholesterinsenker im vergangenen August vom Markt genommen. Das Medikament wird auf Grund von Nebenwirkungen mit rund 100 Todesfällen in Verbindung gebracht. Das operative Ergebnis aus dem fortlaufenden Geschäft vor Sonderposten sank den Angaben zufolge im zweiten Quartal auf 318 Millionen von zuvor 536 Millionen Euro im entsprechenden Vorjahresquartal. Damit lag die Ergebniskennzahl deutlich unter den Vorhersagen der von Reuters befragten Analysten, die einen leichten Anstieg auf im Durchschnitt 563 Millionen Euro erwartet hatten. Bereits im ersten Quartal 2002 war das Betriebsergebnis eingebrochen. Der Konzerngewinn sank im zweiten Quartal auf 293 Millionen Euro von zuvor 564 Millionen Euro.

Das anhaltend schwierige wirtschaftliche Umfeld und die Lipobay-Umsatzausfälle ließen den Umsatz im fortzuführenden Geschäft, also ohne die zum Verkauf stehenden Aktivitäten, auf 7,27 Milliarden von zuvor 7,79 Milliarden Euro zurückgehen. Von Reuters befragte Analysten hatten einen weniger starken Rückgang auf im Schnitt 7,67 Milliarden Euro erwartet.

Analysten enttäuscht

Analysten zeigten sich von der Entwicklung im zweiten Quartal negativ überrascht. Das Quartalsergebnis bei Bayer sei in der Berichtssaison die bisher größte Enttäuschung des europäischen und US-Chemiesektors, teilte Morgan Stanley mit. "Das Gesamtszenario hat sich weiter verdüstert", sagte auch WestLB-Analyst Andreas Theisen. Vor allem die Ergebnisse bei Gesundheit, Landwirtschaft und Chemie hätten die Erwartungen nicht erfüllt. Bei der Analystenkonferenz am Nachmittag stehe daher auch im Vordergrund, wie Bayer die Margen erhöhen will sowie der aktuelle Stand der Partnersuche im Pharmageschäft.

Auch Bayer nannte die Umsatzrendite der Gesundheitssparte "sehr unbefriedigend". Weitere Einsparungen seien initiiert und Kooperationsgespräche würden zurzeit geführt. Bayer sucht sowohl für das Pharma- als auch das Chemiegeschäft Partner, die sich mit einer Minderheitsbeteiligung zufrieden geben. In der Sparte Pflanzenschutz, in die erstmals die übernommene Aventis CropScience einbezogen wurde, sank die Umsatzrendite vor Sonderposten im ersten Halbjahr fast auf ein Drittel des Vorjahreswertes. In den Sparten Polymere und Chemie gingen die Renditen fast auf die Hälfte zurück.

Bayer werde die Kostensenkungsprogramme vorantreiben, mit denen der Konzern in diesem Jahr weitere 500 Millionen Euro einsparen wolle, betonte Wenning. Nach einem Jahr des Übergangs soll der Konzern ab dem nächsten Jahr wieder auf einen nachhaltigen Wachstumspfad zurückkehren.

Die durch den Kauf von Aventis CropScience auf über 14 Milliarden Euro gestiegene Nettoverschuldung sei bereits auf 12,1 Milliarden Euro abgebaut worden, teilte Bayer weiter mit. Bis zum Jahresende soll sie früheren Angaben zufolge auf zehn Milliarden Euro gesenkt werden. Die Bayer-Aktie notierte zur Mittagszeit 0,8 Prozent tiefer auf 25,0 Euro.

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