Deutlicher Gewinnrückgang
Hypo-Vereinsbank will 2 200 Stellen streichen

Die Hypo-Vereinsbank verzeichnet im dritten Quartal einen Gewinneinbruch. Mit zusätzlichem Stellenabbau und einer Straffung der Führungsstruktur will das Institut die Bankenkrise meistern. Eine Besserung der Ertragslage im laufenden Quartal sieht der Vorstand nicht. Rote Zahlen werde es aber nicht geben.

mwb MÜNCHEN. Die Hypo-Vereinsbank (HVB) kann den Gewinnrückgang 2001 nicht aufhalten und erwartet bis zum Jahresende auch keine Trendwende im operativen Ergebnis mehr. "Auch der Start 2002 wird konjunkturell schwierig", sagte der Vorstandschef der Hypo-Vereinsbank Albrecht Schmidt bei Vorlage des Quartalsergebnisses.

Von Juli bis September verringerte sich das Ergebnis vor Steuern auf 94 Mill. Euro; im zweiten Quartal waren es noch 229 Mill. Euro und im ersten Quartal 770 Mill. Euro. Ein Abrutschen in die Verlustzone, wie beim Konkurrenten Commerzbank angekündigt, befürchtet Schmidt nicht. Nach neun Monaten verringerte sich - pro forma die akquirierte Bank Austria eingerechnet - das Vorsteuerergebnis um gut 40 % auf 1,09 Mrd. Euro. "Das Ergebnis lag im Rahmen der Erwartungen", sagte Alexander Plenk von der Bankgesellschaft Berlin, ebenso wie zahlreiche seiner Kollegen. Der Aktienkurs gab gestern Nachmittag um knapp 5 % auf 35 Euro nach.

HVB-Chef Schmidt will die Rentabilität mit dem zusätzlichen Abbau von 2200 Arbeitsplätzen im Inland auf Vordermann bringen. Damit erhöhen sich die Stellenstreichungen konzernweit auf 9100 Stellen. In den nächsten zwei Jahren sollen noch einmal 170 Filialen geschlossen werden. Damit wird die HVB 2003 nur noch 610 Zweigstellen betreiben, fast ein Drittel weniger als Anfang 2001. Mit einem Anteil der Kosten an den operativen Erträgen von 68 % wurde das Ziel von 60 % klar verfehlt. Der Verwaltungsaufwand blieb mit 1,7 Mrd. Euro stabil. "Es ist erfreulich, dass er sich nicht erhöht hat, aber US-Banken konnten ihn dagegen im dritten Quartal senken", merkt Analyst Metehan Sen vom Bankhaus Oppenheim an. Positiv beurteilten Analysten vor allem das Handelsergebnis (+20 %) und den stabilen Zinsüberschuss.

Die Risikovorsorge für das Gesamtjahr wurde auf 1,78 Mrd. Euro aufgestockt, bislang hielt der Vorstand 1,6 Mrd. Euro für ausreichend. Schmidt wollte sich mit Verweis auf die Risiken nach den Anschlägen in den USA nicht festlegen, ob die Vorsorge ausreiche.

Die Eigenkapitalrendite ist Ende September von 7,4 auf 5,8 % abgesunken. Die Zielmarke von 10 % hat Schmidt längst aufgegeben: "Wir versuchen dennoch so nah wie möglich an die Zielmarke zu kommen." Finanzvorstand Wolfgang Sprißler ließ durchblicken, dass das Ergebnis noch durch Verkauf von Beteiligungen verbessert werden könne.

Um Verantwortlichkeiten "klarer als bisher" zu machen, werden die Vorstandsstrukturen ab 2002 neu geordnet, kündigte Schmidt an. Der aus elf Mitgliedern bestehende Vorstand teilt sich in zwei Teile. Nur sechs Vorstände rücken in die strategische Führungsholding, neben Schmidt und Sprißler der Investmentbanker Stefan Jentzsch und Dieter Rampl. Jentzsch nimmt die neue Position des konzernweiten Risikomanagers ein. Nicht in der Holding ist der bisherige Privatkundenvorstand Eberhard Rauch. In Branchenkreisen wird dies als Vorentscheidung zur 2003 anstehenden Schmidt-Nachfolge gesehen.

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