Deutlicher Rückstand bei Buchungen
Preussag erwartet extrem schwieriges Jahr

Schlechte Nachrichten aus der Urlaubsindustrie: Der Reisemarkt schrumpft. Branchenprimus Preussag stellt sich auf sehr viel magere Gewinne ein und legt ein weiteres Sparprogramm auf.

stw HANNOVER. Jetzt hat auch Michael Frenzel seinen Berufsoptimismus aufgegeben. "2002 ist insbesondere in Deutschland ein extrem schwieriges Reisejahr", sagte der Vorstandschef der Preussag AG gestern während der Bilanzvorlage in Hannover. Der Markt könne um 6 bis 8 % schrumpfen, wobei die eigenen Veranstalter mit TUI an der Spitze besser abschneiden sollen.

Zurzeit lägen die gebuchten Umsätze im Konzern allerdings noch um 8,5 % niedriger als vor einem Jahr. Da sich auch für die anderen Sparten des Konzerns die Bedingungen verschlechtern, werde der Rekordgewinn aus 2001 in diesem Jahr wohl nicht zu halten sein. Das erste Quartal werde deutlich schwächer ausfallen als im Vorjahr.

Frenzel hatte nach den Terroranschlägen vom September lange auf eine schnelle Markterholung gesetzt und Thomas Cook-Chef Stefan Pichler für dessen skeptische Äußerungen kritisiert. In der Wintersaison blieb die erhoffte Besserung jedoch aus, sie endete für Preussags Veranstalter mit einem Umsatzminus von 11 %. Später schwieg sich Frenzel über die Prognosen aus.

Das hatte die Aktie des führenden europäischen Reisekonzerns bereits so weit sinken lassen, dass sie gestern kaum noch reagierte. Nach einem kurzen Abrutschen am Morgen lag er nachmittags fast unverändert bei 30 Euro, zumal die Zahlen für 2001 so erwartet worden waren. Mehr als 400 Mill. Euro Nettogewinn seien angesichts der Schwierigkeiten zum Jahresende eine "gute Leistung", sagte Christian Obst, Analyst der Hypovereinsbank.

"Es wird sicher kein Katastrophenjahr, aber wir stehen vor großen operativen Herausforderungen", sagte Frenzel. Er will sie unter anderem mit einem weiteren Sparprogramm bestehen. Zusätzlich zu den bereits bekannten 120 Mill. Euro sollen in diesem Jahr weitere 40 Mill. Euro quer durch alle Konzernsparten eingespart werden. Eine ähnliche Summe soll Finanzvorstand Rainer Feuerhake durch geringere Zinszahlungen hereinholen. Dazu muss er bis zum Sommer 2003 die Nettoverschuldung von mehr als 6 Mrd. Euro auf rund 4 Mrd. Euro drücken. Die geplanten Verkäufe von Tochtergesellschaften liefen planmäßig, sagte Feuerhake - aus Sicht von Bankanalyst Obst eine "sehr gute Nachricht".

In Deutschland federt der Konzern den Nachfragerückgang mit Umschichtungen ab. Aufträge an konzernfremde Hotels und Fluggesellschaften werden storniert, dafür lastet man die eigenen Kapazitäten aus. In Skandinavien und Großbritannien spielen die eigenen Airlines eine größere Rolle und entgehen den Einschnitten nicht. Auf der Insel sei die Kapazität um 10 % und in Skandinavien um 20 % zurückgefahren worden. Vor allem in Großbritannien sei das Geschäft aber bereits besser in Schwung als in Deutschland, sagte Frenzel. Er habe die Sommersaison noch nicht abgeschrieben und rechne für 2003 mit einer kräftigen Erholung.

Touristikvorstand Ralf Corsten will die Preise trotz der lauen Nachfrage stabil halten. Vom Abschwung seien vor allem die unteren Preisklassen betroffen, die oberen Segmente blieben stabil. TUI gewinne Marktanteile. Weniger freundlich ist das Bild an Corstens zweiter Wirkungsstätte, beim französischen Partner Nouvelles Frontières. Die Sanierung gehe dort zwar planmäßig voran, habe in der Bilanz der Franzosen für 2001 aber ihre Spuren hinterlassen. Wie tief die sind, behielt er für sich. Im Sommer werde Preussag Zwischenbilanz ziehen und entscheiden, ob und zu welchen Konditionen der 30- %-Anteil zur Mehrheit ausgebaut wird, sagte Frenzel. Das Engagement sei dennoch "als Gesamteinstieg beim Marktführer sehr preiswert".

2002 wird für den Konzern, der sich im Sommer in TUI AG umtauft, auch deshalb schwierig, weil die gewohnten Ertragsbringer abseits der Touristik schwächeln. Die Logistik mit Hapag-Lloyd an der Spitze wird wegen der sinkender Frachtraten das sehr hohe Vorjahresergebnis von 308 Mill. Euro nicht wiederholen können. Ähnliches gilt für die kleine Energiesparte, die 338 Mill. Euro beisteuerte.

Quelle: Handelsblatt

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