Deutlicher Umsatzrückgang
EM.TV reduziert Verlust kräftig

Der in der Sanierung steckende Münchener TV-Rechtehändler EM.TV & Merchandising hat im zweiten Quartal 2003 trotz Restrukturierungskosten den Verlust verringert. Eine durchgreifende Besserung des Marktumfelds sieht das Medienunternehmen kurzfristig jedoch nach wie vor nicht und erwartet deshalb für das Gesamtjahr weiter einen hohen Verlust.

Reuters MÜNCHEN. "Im Gesamtjahr 2003 rechnet der Vorstand weiterhin mit Konzernerlösen auf dem Vorjahresniveau von 250 Mill. ? und einem erneut deutlichen Fehlbetrag", bekräftigte die im SDax gelistete Gesellschaft am Donnerstag Aussagen von Vorstandschef Werner Klatten auf der Hauptversammlung im Juli. Die Höhe wollte ein Sprecher nicht eingrenzen. 2002 hatte EM.TV ein Minus von 310 Mill. ? verbucht. Zwar seien in der Branche immer wieder einzelne Lichtblicke zu erkennen, fügte der Sprecher hinzu. "Es gibt aber keine Anzeichen für eine durchgreifende Verbesserung."

Die EM.TV-Aktie, in den Boomzeiten des mittlerweile aufgelösten Neuen Marktes einmal an die 120 ? wert, konnte am Vormittag um acht Prozent auf 1,49 ? zulegen.

EM.TV, seit kurzem mit rund 40 % am Sportsender DSF und dem Internet-Portal Sport1 beteiligt, reduzierte im zweiten Quartal 2003 den Verlust um knapp 40 % auf 27,5 Mill. ?. Vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (Ebitda) wurde ein Minus von 6,9 (Vorjahr 7,8) Mill. ? verbucht, wobei hier Restrukturierungskosten von 11,2 Mill. ? zu Buche schlugen. EM.TV zufolge sind hierin die Belastungen aus dem DSF-Einstieg sowie Berater- und Anwaltskosten des Verkaufs der US-Tochter Jim Henson enthalten. Den Verkaufserlös will das Unternehmen hingegen erst im dritten Quartal verbuchen.

Ohne die Restrukturierungskosten hätte EM.TV nach eigenen Angaben ein positives Ebitda von 4,3 Mill. ? erzielt. Bei den Umsätzen musste das Medienunternehmen vor dem Hintergrund des weiter schwachen Marktumfelds einen kräftigen Rückgang auf 37,1 (52,5) Mill. ? hinnehmen. Hierin spiegelt sich allerdings auch der Umstand wieder, dass TV-Rechtehändler - anders als etwa Autohersteller - ein deutlich schwankungsanfälligeres Geschäft betreiben.

EM.TV, einstiger Star des mittlerweile aufgelösten Neuen Marktes, war vor allem wegen überteuerter Zukäufe in die Krise geraten. Seither versucht das Management unter dem im Sommer 2001 angetretenen Konzernchef Klatten, das Unternehmen wieder auf Kurs zu bringen. Künftig wollen sich EM.TV - unter anderem im Besitz der Vermarktungsrechte für die Fußball-Weltmeisterschaft 2006 - neben dem Bereich Kinder- und Jugendunterhaltung auf das Sportmarketing konzentrieren. Den Anteil an der Formel 1 und die zu Boomzeiten teuer eingekaufte US-Tochter Jim Henson hat Klatten in langwierigen Verhandlungen bereits abgestoßen.

Doch auch wenn sich der Konzern operativ auf dem Weg der Besserung sieht: Der Fortbestand von EM.TV ist noch nicht gesichert. 2005 muss das Unternehmen eine Wandelanleihe von 469 Mill. ? bedienen, ein Volumen, das das aktuelle Konzerneigenkapital von 64,4 (Ende 2002: 129,9) Mill. ? um mehr als das Siebenfache übersteigt. Klatten hatte auf Hauptversammlung angekündigt, den Bond möglichst noch 2003 restrukturieren zu wollen, um so den Fortbestand von EM.TV zu sichern.

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