Deutliches Wachstum im 4. Quartal
Greenspan: US-Wirtschaft erholt sich von Schwächephase

Die Gefahr einer Deflation sieht Greenspan weiter nicht. "Die Vereinigten Staaten sind weit davon entfernt, in eine schädliche Deflation abzurutschen", sagte er.

Reuters NEW YORK. US-Notenbank-Chef Alan Greenspan erwartet ein beschleunigtes Wachstum der heimischen Wirtschaft im kommenden Jahr. Im dritten Quartal dieses Jahres ist die US-Wirtschaft nach endgültigen Berechnungen des US-Handelsministeriums aufs Jahr hochgerechnet zum Vorquartal um 4,0 Prozent gewachsen, nach einem Anstieg um 1,3 Prozent im Vorquartal.

Voraussetzung sei allerdings, dass sich die internationalen politischen Krisen entspannten und die Unternehmensgewinne wieder zulegten, sagte Greenspan am Donnerstagabend (Ortszeit) vor dem New Yorker Wirtschaftsclub. Die US-Konjunktur befinde sich weiter auf dem Weg aus einer leichten Schwächephase.

Die Gefahr einer Deflation sieht Greenspan weiter nicht. "Die Vereinigten Staaten sind weit davon entfernt, in eine schädliche Deflation abzurutschen", sagte er. In diesem Sinne äußerten sich am Freitag auch die Präsidenten der Federal Reserve Banken von Minneapolis, Gary Stern, und von St. Louis, William Poole. Sollte es dennoch dazu kommen, fuhr Greenspan fort, gebe es Möglichkeiten, mit einer aggressiven Geld- und Währungspolitik gegenzusteuern. Einige Volkswirte hatten zuletzt die Befürchtung geäußert, die USA könnten in eine ähnliche Spirale von fallenden Preisen, sinkender Nachfrage und steigender realer Schuldenlast geraten, wie sie seit Jahren die japanische Wirtschaft belastet.

Ohne die Irak-Krise beim Namen zu nennen, sagte Greenspan, die jüngste Zunahme der weltweiten politischen Risiken werde die Nachfrage dämpfen. Ein Nachlassen der Risiken würde daher eine bedeutende Rolle bei der Belebung der Wirtschaft spielen.

Anzeichen für Erholung

Nach der jüngsten Zinssenkung der Fed im November gibt es nach Einschätzung des Notenbank-Chefs Anzeichen dafür, dass sich die US-Wirtschaft von ihrer leichten Schwächephase erholt. Durch eine starke Zunahme der Arbeitsproduktivität und niedrigere Steuern würden sowohl die Einkommen als auch die Ausgaben erhöht. Zudem hätten sich seit Oktober die Bedingungen an den US-Finanzmärkten verbessert. Einschränkend fügte Greenspan aber hinzu, die Lage am Arbeitsmarkt sei weiterhin gedämpft. Zudem seien die Unternehmen mit größeren Investitionen zurückhaltend, bis die Gewinnspannen wieder attraktiver würden.

Stern, der gegenwärtig nicht dem für die Geldpolitik der Fed verantwortlichen Offenmarktausschuss (FOMC) angehört, sagte in einem Reuters-Interview, ungeachtet der Unsicherheit wegen eines möglichen Irak-Krieges habe sich die US-Wirtschaft als widerstandsfähig gegenüber Schocks gezeigt. Er erwarte gegen Ende 2003 ein Wirtschaftswachstum von 3,5 Prozent.

Zur Ankurbelung der Konjunktur hatte die Fed Anfang November den Schlüsselzins überraschend deutlich um 50 Basispunkte auf 1,25 Prozent und damit den tiefsten Stand seit vier Jahrzehnten gesenkt. Analysten gehen mehrheitlich davon aus, dass die Notenbank bis zum Sommer keine weiteren Zinsschritte unternimmt.

Pool, derzeit stimmberechtigtes Mitglied im FOMC ist, sagte am Freitag laut Redetext, es sei wahrscheinlich, dass der private Verbrauch, eine der wichtigsten Antriebsquellen der US-Wirtschaft, 2003 und 2004 weiterhin mit Raten von etwa drei Prozent wachsen werde. Die Fed müsse dabei aber wachsam bleiben gegenüber inflationären, wie auch deflationären Gefahren. Es sei zwar unwahrscheinlich, dass sich das Problem einer Deflation stelle, doch sei es das Durchspielen jeder Möglichkeit, was eine robuste und kompetente Geldpolitik ausmache.

Die US-Aktienbörsen erhielten Händlern zufolge Unterstützung von Greenspans Aussage, die US-Wirtschaft werde ihre Erholung 2003 etwas beschleunigen. Greenspans Äußerungen blieben dagegen ohne deutliche Auswirkungen auf den Dollar-Kurs.

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