Deutsch-amerikanischer Autokonzern sieht Sanierung auf gutem Weg
Hintergrund: Gelbe Karte für Daimler-Chef Schrempp

Verärgert haben sich Aktionäre der Daimler-Chrysler AG auf der Hauptversammlung über den Milliarden-Aufwand zur Sanierung der US-Sparte gezeigt. Allerdings forderten nur Einzelne der über 10 000 Aktionäre den Rücktritt von Konzernchef Schrempp. Dieser zeigte sich sicher, die Probleme bald zu lösen.

ajo/mhm BERLIN. Die Restrukturierung der angeschlagenen US-Sparte läuft nach den Worten von Daimler-Chrysler-Chef Jürgen Schrempp nach Plan. Das belege der Verlauf des ersten Quartals. Dies gelte nicht nur für den Personalabbau, sagte Schrempp vor der Hauptversammlung des deutsch-amerikanischen Konzerns in Berlin. Chrysler will 26 000 Stellen streichen, einen Großteil davon in diesem Jahr.

Die erwarteten Verkaufszahlen habe man in den ersten drei Monaten erreicht. So präsentiere sich der US-Automobilmarkt bisher in einer stärkeren Verfassung als angenommen. Hochgerechnet auf das Gesamtjahr dürften auf Basis der Quartalszahlen insgesamt 17,5 Millionen Autos in den USA verkauft werden, 10 % mehr bisher geschätzt.

In weiten Teilen seines einstündigen Vortrags versuchte Schrempp den Aktionären seine Vision des globalen Automobilkonzerns erneut plausibel zu machen - eines Konzerns, der in allen Weltregionen und allen Marktsegmenten aktiv ist. Deswegen stehe Chrysler auch nicht zur Disposition. Schrempp gab zudem bekannt, dass Daimler-Chrysler den 3,3-prozentigen Anteil von Volvo an Mitsubishi Motors übernehmen wird und künftig 37,3% an dem japanischen Autobauer hält. Als Folge können die Stuttgarter jetzt auch im Nutzfahrzeugbereich mit den Japanern kooperieren.

Aktionärsvertreter reagierten mit teils heftiger Kritik an Vorstand und Aufsichtsrat und beklagten eine Substanzvernichtung von 70 Milliarden DM. Sie zeigten Vorstand und Aufsichtsrat sinnbildlich die gelbe Karte. Mehrfach wurde angekündigt, ihm die Entlastung zu verweigern.

Der Betriebswirtschaftsprofessor und Daimler-Kritiker Ekkehard Wenger kritisierte erneut die hohe Bewertung von Chrysler beim Zusammenschluss. Man habe bei der Fusion nicht geprüft, was Chrysler Wert war, sondern gezahlt, was der damalige US-Großaktionär Kirk Kerkorian wollte. Er forderte Schrempp und der gesamte Aufsichtsrat müssten "verschwinden".

Kerkorian selbst klagt gegen Daimler-Chrysler. Er wirft ihnen vor, dass es nicht um eine Fusion sondern eine Übernahme gehandelt habe und verlangt deshalb eine Nachbesserung. Schrempp kündigte an, man werde im Mai die Abweisung der Klage beantragen. Er hofft, dass das Thema binnen 12 Monaten vom Tisch ist.

Im Verlauf der bis in den Abend dauernden Hauptversammlung sprachen sich andere Anteilseigner dafür aus, Schrempp noch eine Chance einräumen. Für die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz sagte etwa Klaus Kessler, man erwarte "entweder andere Zahlen oder andere Köpfe". Christian Strenger, früherer Chef der Investmentgesellschaft der Deutschen Bank (DWS), ermahnte die Aktionäre nicht so zu tun, als wären sie immer schon gegen die Fusion mit Chrysler gewesen. Es wäre auch falsch, die US-Tochter jetzt zu verkaufen, weil "man nur einen Schleuderpreis" erzielen könne. Er kritisierte, die große "Hast" bei der Schaffung des globalen Automobilkonzerns.

Nach Angaben Schrempps wird Daimler-Chrysler im ersten Quartal dieses Jahres tiefrote Zahlen schreiben. Der operative Verlust kann bis zu 4,4 Milliarden Euro erreichen. Davon entfallen 3 Milliarden Euro auf den Chrysler-Restrukturierungsaufwand und 400 Millionen Euro auf Mitsubishi Motors. Hinzu kommen operative Verluste von 0,8 bis 1,0 Milliarden Euro. Damit sind die Sanierungskosten weitgehend im ersten Quartal verarbeitet.

Für das Gesamtjahr kündigte er bei Daimler-Chrysler ein Konzernergebnis von operativ 1,2 bis 1,7 Milliarden Euro an. Inklusive Restrukturierungsaufwand wird das Betriebsergebnis damit deutlich in den roten Zahlen liegen. Schrempp bekräftigte allerdings das Ziel, 2002 ein Betriebsergebnis von 5,5 bis 6,5 Milliarden Euro zu erzielen und es 2003 auf 8,5 bis 9,5 Milliarden Euro zu steigern.

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