Deutsch-französische Beziehungen
Warm, wärmer, am wärmsten

Ginge es nur nach den einfachen Konversationsregeln, dann steckten die deutsch-französischen Beziehungen in einer tiefen Krise. Denn nur wer sich nichts zu sagen hat, redet vom Wetter. Und Angela Merkel und Jacques Chirac können bei ihrem gemeinsamen Auftritt im Kanzleramt gar nicht von Wetter-Bildern lassen.

BERLIN. "Das Klima in den Gesprächen war wesentlich wärmer als die Außentemperaturen", scherzt Merkel. Von der "chaleureuse atmosphère" unter der Berliner Sonne und den Beziehungen "ohne Wolken" schwärmt Jacques Chirac. Dazu lächeln die beiden ausdauernd, stets einander zugewandt.

Das müssen sie auch, denn die öffentliche Erwartungshaltung an die sechsten deutsch-französischen Regierungskonsultationen, die ersten unter Merkels Kanzlerschaft, waren eher bescheiden. Bei Themen wie Protektionismus für die eigenen Unternehmen oder bei der EU-Verfassung schienen beide Regierungen eher in andere Richtungen zu driften. Obwohl auch Merkel am Dienstag den deutsch-französischen Motor beschwört, mehrten sich Zweifel, ob dieser überhaupt noch brummt.

Doch vor der Pressekonferenz verliefen die bilateralen Ministertreffen, die gemeinsame deutsch-französische Kabinettssitzung und die Unterredung Merkel-Chirac tatsächlich harmonisch. "Eine sehr sachorientierte Debatte", stellt ein Teilnehmer fest. Bei außenpolitischen Fragen wie einem EU-Einsatz im Kongo oder Iran ist man sich weitgehend einig. Das Thema der Integration und der Chancengleichheit für Kinder von Migranten bewegt beide Länder. Demonstrativ besucht zudem Verkehrsminister Wolfgang Tiefensee mit seinem französischen Kollegen eine Wasserstofftankstelle in Berlin.

Allerdings sind die sechsten deutsch-französischen Regierungskonsultationen schon deshalb nicht "wolkenlos", weil mit Innenminister Nicolas Sarkozy und Ministerpräsident Dominique de Villepin gleich zwei zentrale Figuren der französischen Politik gar nicht erst anreisten. Villepin musste sich um die Proteste im eigenen Land kümmern. Und Innenminister Sarkozy sucht mit Blick auf den nahenden französischen Präsidentschaftswahlkampf schon Distanz zur eigenen Regierung.

Dazu kam das Streitthema des französischen Industrie-Protektionismus, das nicht nur in Merkels und Chiracs Presseauftritt, sondern auch hinter den Kulissen eine Rolle spielt. Fast gereizt reagiert Jacques Chirac, als er darauf angesprochen wird. "Der Vorwurf ist absurd." Immerhin investierten ausländische Unternehmen nach EU-Zahlen aus dem Jahr 2004 in Frankreich zweimal so viel wie in Deutschland und dreimal so viel wie in Italien. "Hier stimmt etwas nicht, wenn man Frankreich beschuldigt, sich protektionistisch zu verhalten."

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