Deutsch-Polnische Beziehungen
Botschafter Europas

Richard von Weizsäcker wirkte wie ein Botschafter der deutsche EU-Präsidentschaft: Bei einem Vortrag in Warschau hat der Altbundespräsident die polnische Führung zu mehr Kompromissbereitschaft in europäischen Fragen aufgefordert - eine Haltung, die auch in Polen Unterstützer findet.

WARSCHAU. Richard von Weizsäcker nutzt die historische Kulisse, um in die aktuelle Politik einzugreifen. "Die EU muss lernen, außenpolitisch mit einer Stimme zu sprechen", sagt der Altbundespräsident bei einem Vortrag im Museum des Warschauer Aufstands in der polnischen Hauptstadt. Sein Publikum weiß genau, dass er damit den Streit über die EU-Verfassung meint. "Gerade Deutsche und Polen sollten zu einer gemeinsamen Haltung finden", betont er und verweist dabei besonders auf Energiesicherheit, Klimaschutz und den Kampf gegen Terrorismus. Die Leitung des Museums hatte von Weizsäcker eingeladen, zur deutsch-polnischen Verständigung im heutigen Europa zu sprechen.

Der Altbundespräsident wirkt wie der Vorbote von Bundeskanzlerin Angela Merkel, die Polen in zwei Wochen besuchen wird. Bei einem Kamingespräch in einer Regierungsresidenz an der Ostsee will sie Staatspräsident Lech Kaczynski dazu bewegen, Polens starre Haltung gegen die EU-Verfassung aufzugeben. Die polnische Führung sperrt sich besonders gegen die Berufung eines EU-Außenministers und das Prinzip der doppelten Mehrheit bei Abstimmungen in der Gemeinschaft. Bleibt Warschau bei seiner Ablehnung, droht eine völlige Eiszeit in den deutsch-polnischen Beziehungen, da die Verfassung zu den zentralen Projekten der deutschen EU-Präsidentschaft gehört.

Es kommt den Befindlichkeiten der polnischen Seite sehr entgegen, dass Weizsäcker gerade das Museum des Warschauer Aufstandes für seinen EU-Appell nutzt. Denn so mancher in Polen befürchtet, die deutsche Erinnerung an Flucht und Vertreibung könne dazu führen, dass sich die Deutschen inzwischen nur noch als Opfer und nicht als Täter des Zweiten Weltkriegs sehen. Der nun gezeigte Film "Die Flucht" über die Situation in Ostpreußen 1945 bestärkt solche Befürchtungen.

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