Deutsche Abwehr vor WM-TÜV
Auch gegen die Iren soll die „Post abgehen“

Miroslav Klose soll im Angriff wieder "müllern": Nach der Aufwärmrunde gegen Saudi-Arabien will Rudi Völler mit seinem Tor- Express auch gegen Irland Vollgas geben und im Eiltempo ins Achtelfinale durchstarten.

dpa MIYAZAKI. "Wir müssen höllisch aufpassen, Irland ist ein anderes Kaliber", warnte der Teamchef vor dem Favoritenschreck, doch kämpferisch und zuversichtlich fügte er im gleichen Atemzug hinzu: "Wir haben ein gesundes Selbstvertrauen, alle Spieler sind fit - morgen geht die Post ab."

Lässig winkten Völlers Mannen am Dienstag bei der Abfahrt aus Miyazaki den mit schwarz-rot-goldenen Fähnchen Spalier stehenden Hotelangestellten zu, von der Anspannung wie vor dem ersten WM-Spiel war einen Tag vor dem zweiten Vorrundenspiel wenig zu spüren. Dabei müssen der auf Gerd Müllers Spuren wandelnde Klose und seine Kollegen erst am Mittwoch (Live-Ticker ab 13.30 Uhr) im "Kashima Soccer Stadium" von Ibaraki den Härtetest gegen den Bezwinger der Niederlande in der WM-Qualifikation bestehen. "Hier wird um jeden Zentimeter gekämpft, gearbeitet, gegrätscht. Niemand will einen Millimeter Preis geben", machte Völler seine Rekordsieger von Sapporo am Dienstag für das 80. WM-Spiel einer deutschen Elf wieder heiß.

Beim neuen Torgaranten brennt das WM-Feuer. "Das erste Match ist abgehakt, die Konzentration gehört nun voll den Iren. Wir wissen, wozu sie fähig sein können. So leicht wie gegen die Saudis werden wir es ganz bestimmt nicht haben", merkte Klose an, auf den dieser Satz nach seinen drei Treffern im Auftaktspiel ganz besonders zutrifft. Vier Tage schottete Völler den Shooting Star nach der Tor-Gala vor der Weltpresse ab. Nur über seine Homepage im Internet gab der junge Lauterer einen Einblick in seine Gefühle. "Ich muss ehrlich sagen, dass ich nicht mit solch einer Legende wie Gerd Müller verglichen werden möchte", schrieb der 23-Jährige.

Während Klose noch größeren Erwartungsdruck spürt, hat Torsten Frings nach dem erlösenden Ende im Transfer-Poker zwischen Werder Bremen und Borussia Dortmund endlich den Kopf völlig frei für sein erstes WM-Turnier, das noch lange andauern soll. "Wir haben uns alle total darüber gefreut, dass wir 8:0 gegen die Saudis gewonnen haben. Wir wissen aber auch, dass wir den Sieg nicht so hoch hängen dürfen. Jetzt kommen zwei richtig schwere Gegner", sagte der Neu-Dortmunder im Vorausblick auch auf den letzten Vorrunden-Gegner Kamerun.

Schon der erste "Matchball" zum Einzug in die K.o.-Runde soll in Ibaraki genutzt werden: "Wir haben die große Chance, uns bereits mit einem Sieg gegen Irland für das Achtelfinale zu qualifizieren. Das wollen wir wahrnehmen", meinte Frings. Realisieren soll das neue Nahziel die Siegerelf von Sapporo, an der Völler keine Veränderungen vornehmen muss, weil auch Carsten Ramelow nach überstandenen muskulären Problemen "grünes Licht" für seinen Einsatz gab.

Nachdem die Offensive ihre WM-Tauglichkeit im ersten Spiel ohne Mängel unter Beweis stellen konnte, kommt jetzt die Dreierkette mit den Manndeckern Thomas Linke und Christoph Metzelder sowie dem Leverkusener Ramelow als Chef auf den Prüfstand. "Ich bin optimistisch, dass wir das gebacken bekommen", demonstrierte Völler Vertrauen in seine Verlegenheits-Defensive: "Unsere Spieler sind es gewohnt, auch in der Champions League gegen Top-Stürmer zu spielen."

Der 1,80 Meter große Damien Duff und der noch fünf Zentimeter kleinere Robbie Keane sind allerdings keine "Kopfball-Ungeheuer", sondern wendige, dribbelstarke Angreifer. Als Vorlagengeber fehlt ihnen Kapitän Roy Keane. Allerdings sieht Völler den Ausfall des aus dem irischen Kader suspendierten Mittelfeldstrategen von Manchester United nicht als eine entscheidende Schwächung des Gegners an: "Der Ausfall hat sich gegen Kamerun nicht bemerkbar gemacht", meinte der Teamchef, der sogar einen psychologischen Effekt bei den "Irländern", wie er die Iren am Dienstag durchgängig nannte, ausgemacht hat: "Die Spieler werden noch etwas mehr gekitzelt, müssen noch mehr tun."

Bestens versorgt mit den Aufzeichnungen von DFB -"Spion" Uli Stielike sowie Insider-Informationen der beiden Wahl-Engländer Dietmar Hamann und Christian Ziege sieht Völler die DFB-Auswahl optimal gewappnet für die erste Nagelprobe. Er stellte seine Akteure beim Abschlusstraining am Dienstagabend (Ortszeit) in Ibaraki nochmals auf die defensiv ausgerichteten Iren ein: "Zu Beginn sind sie mehr auf Zerstören aus." Das klassische 4-4-2-System will die deutsche Elf mit seinen Flügelzangen Ziege/Ballack auf links und Schneider/Frings auf der rechten Seite knacken. Dass Hoffnungsträger Klose aber gegen die kopfballstarken Innenverteidiger von der "grünen Insel" noch einmal drei Tore per Kopf erzielt, erwartet keiner.

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