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Deutsche Aktien im Sog freundlicher US-Börsen fest

Deckungskäufe von zuvor getätigten Leerverkäufen haben am Mittwoch im Sog freundlicher US-Börsen dem deutschen Aktienmarkt deutlichen Auftrieb verliehen. Der Dax schloss mit einem Plus von 3,15 % bei 4 613 Punkten.

Reuters FRANKFURT. Deckungskäufe von zuvor getätigten Leerverkäufen haben am Mittwoch im Sog freundlicher US-Börsen dem deutschen Aktienmarkt deutlichen Auftrieb verliehen. Händler sprachen aber nach wie vor von einer vorsichtigen Grundstimmung am Markt. Investoren fürchteten mögliche Konsequenzen der US-Militärschläge auf Ziele in Afghanistan und hielten sich vor diesem Hintergrund mit Engagements am Markt zurück. Aus technischer Sicht sei der Markt mittlerweile nicht mehr überkauft, sagte ein anderer Händler. Vielmehr sei er wieder im neutralen Bereich und habe durchaus Potenzial nach oben.

Der Dax schloss mit einem Plus von 3,15 % bei 4 613 Punkten. Im Sog des freundlichen Verlaufs der Märkte in New York zogen auch die Aktien in Deutschland kräftig an. "Das ist hauptsächlich Short-Covering, was den Markt hier nach oben zieht", kommentierte ein Händler die Entwicklung. Marktteilnehmer hätten zuvor auf fallende Kurse spekuliert und Aktien verkauft, die sie nicht besessen hatten. Nachdem die US-Börsen allerdings anstiegen, schlossen sie diese sogenannten Short-Positionen wieder, indem sie die Aktien zurückkauften.

Die Skepsis der Anleger sei jedoch weiterhin sehr groß, beschrieb ein Aktienhändler die Stimmung am Markt. Ein Großteil der Marktteilnehmer sei aus Angst vor einer Eskalation der politischen Lage nicht engagiert. "Und je länger die Militäranschläge anhalten und es nicht zu Vergeltungsschlägen kommt, wächst der Druck, am Markt dabei sein zu müssen", fügte er hinzu. Die USA hatten am Vorabend den dritten Tag in Folge Ziele in Afghanistan angegriffen. Daraufhin hatte die El-Kaida-Organisation des islamischen Extremisten Osama Bin Laden, den die USA für die Anschläge vom 11. September verantwortlich machen, angekündigt, es sei mit weiteren Anschlägen mit gekaperten Flugzeugen zu rechnen.

Ab Ende der Woche und besonders in der nächsten Woche sei wieder mit größeren Bewegungen und höheren Umsätzen zu rechnen, da in den USA die Bilanzsaison für das dritte Quartal beginne, sagte Volker Borghoff, Aktienstratege bei HSBC Trinkaus & Burckhardt. "Dann treten die wirtschaftlichen Daten wieder in den Vordergrund, vorausgesetzt, die politische Lage eskaliert nicht." Nur bei tatsächlichen Anschlägen in der westlichen Welt könne der Markt erneut unter starken Druck geraten. "Prinzipiell gehe ich davon aus, dass wir die Tiefstände gesehen haben und nicht mehr unterschreiten werden. Trotzdem kann es aus kurzfristiger Sicht noch mal einen Rückschlag um zehn bis 15 Prozent geben."

Im Blickpunkt standen die Papiere von Daimler-Chrysler , die sich um 4,5 % auf 38,21 Euro verteuerten. Händler sagten, es gebe Umschichtungen am Markt aus der Aktie von BMW in Daimler, weil BMW zuletzt bereits stark gestiegen sei. BMW gewannen 1,6 % hinzu. Die Aktie hatte in den vergangenen Wochen fast 50 % an Wert zugelegt. Die Papiere von Volkswagen stiegen um 5,3 % auf 40,55 Euro.

Die Aktie des Pharmakonzerns Bayer setzte ihre Aufwärtstendenz der Vortage fort und stieg um 2,2 % auf 34,39 Euro. Händler sagten, das hänge vermutlich mit der gestiegenen Nachfrage nach dem Medikament Cipro zusammen. Cipro sei das einzige von der US-Regierung genehmigte Antibiotikum zur Behandlung von Milzbrand. "Wenn man annimmt, dass die Cipro-Umsätze in den USA im nächsten Jahr um 10 % steigen, müssen wir vielleicht unsere Prognosen für Bayer anheben", sagte Tony Cox, Analyst bei Dresdner Kleinwort Wasserstein in London.

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