Deutsche Aktien minimieren Anfangsverluste
Wall Street gibt dem Dax Unterstützung

Im Einklang mit den europäischen Börsen standen auch in Deutschland die meisten Technologiewerte auf der Verliererseite. Das galt insbesondere für Infineon, die zum Tagesverlierer im Dax-Spektrum avancierten. Gerüchte über einen erneuten Kaptitalschnitt belasteten.

HB FRANKFURT. Gerade erst hatten die Händler sich an steigende Kurse gewöhnt. Da schien der deutsche Aktienmarkt wieder einknicken zu wollen. Die Folge während des Großteils der Handelszeit: Lange Gesichter in den Handelssälen und aufkeimende Sorge.

"Wir stehen an einem Scheideweg", sagte Andreas Kehl, Händler der Deutschen Bank in Frankfurt. Wenn der Deutsche Aktienindex (Dax) den Tag im Minus beende, verheiße das nichts Gutes. Andererseits sei charttechnisch der Weg auf 5 500 bis 5 600 Punkte frei, falls der Index den Dreh ins Plus schaffe. Zum Handelsende lag die Messlatte dann knapp behauptet bei 5 340,67 (-18,88) Punkten, ein Minus von 0,35 %. Der Dax minimierte den Abschlag erst kurz vor Handelsschluss im Zuge der besseren Stimmung an den US-Märkten.

Für den weiteren Wochenverlauf erwarten Händler starke Kursschwankungen. Als Grund nannten sie den großen Verfallstag für Optionen und Terminkontrakte am Freitag. Davor versuchten Investoren, die Kurse durch gezielte Käufe oder Verkäufe zu beeinflussen. Dies könne zu heftigen Trendwechseln ohne fundamentale Neuigkeiten führen.

Kursverluste bei Technologieaktien und Deutscher Telekom bremsten den Dax. Ein Händler sagte, Infineon litten unter Gerüchten über einen weiteren Kapitalschritt. Dies erscheine zwar unwahrscheinlich, belaste aber trotzdem den Kurs. Die von Analysten gelobte Kooperation Infineons mit taiwanesischen Chipherstellern bewegte dagegen den Kurs nicht.

Am achten Januar hatte der Halbleiterhersteller eine Wandelanleihe im Wert von rund einer Mrd. Euro platziert; hinzu kam ein Paketverkauf von Infineon-Aktien in ähnlicher Höhe durch die einstige Mutter Siemens . Damals war der Kurs um mehr als fünf Prozent eingebrochen, weil das Aktienpaket wie üblich zu einem Abschlag angeboten wurde. Seitdem hatte die Aktie sich erholt. Dem Händler zufolge hat Infineon signalisiert, man wolle die Börse nicht vor Sommer anzapfen.

Zu den größten Tagesgewinnern zählten Deutsche Post. Das einstige Staatsunternehmen gilt eher defensiver Wert, der in unsicheren Zeiten Stabilität bietet. "Wir sehen heute Umschichtungen von Technologieaktien in vermeintlich sicherere Titel", sagte ein Händler einer Londoner Investmentbank.

Die T-Aktie verlor hingegen knapp 3 %. Der Kurs reagierte auf Aussagen von Telekom-Chef Ron Sommer vor der Cebit-Messe in Hannover. Er hatte gesagt, das Börsenumfeld müsse sich "deutlich verbessern", damit der für dieses Jahr geplante Börsengang der Mobilfunktochter T-Mobile stattfinde. Unter den gegenwärtigen Marktbedingungen werde die Emission nicht erfolgen. Die T-Aktionäre hoffen, dass die Telekom mit dem Erlös aus dem Börsengang seinen Schuldenberg abbaut.

MLP gaben einen Teil der zwichenzeitlichen Gewinne von fast 4 % wieder ab. Ein Frankfurter Händler sagte, der Finanzdienstleister stehe im Blick von Leerverkäufern, die auf fallende Kurse spekulierten. Dazu verkaufen sie geliehene Aktien, um diese später billiger am Markt zurückzukaufen. Wenn das Kalkül aber nicht aufgeht, müssen Leerverkäufer die betreffende Aktie kaufen, um ihre Position zu schließen. Das sorgt zuweilen für heftige Kursgewinne beim leerverkauften Titel.

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