Deutsche Alcatel-Tochter wappnet sich für schwere Zeiten
Alcatel streicht 2002 in Deutschland bis zu 850 Stellen

"Nicht Alcatel SEL, sondern die Telekommunikationsbranche ist in der Krise," sagt Vorstandschef Bernhardt zu den geplanten Stellenstreichungen. Der Betriebsrat kündigt für kommenden Dienstag Demonstrationen an.

dpa STUTTGART. Die deutsche Tochter des französischen Telekom - Ausrüsters Alcatel will im kommenden Jahr fast jede zehnte Stelle streichen. Insgesamt sollen 800 bis 850 der heute 9 012 Arbeitsplätze der Alcatel SEL AG (Stuttgart) wegfallen, teilte das Unternehmen am Freitag mit. Personalvorstand Thomas Edig schloss auch Entlassungen nicht aus. Das Management wolle den gedämpften Erwartungen für die nächsten Jahre frühzeitig Rechnung tragen, sagte Vorstandschef Andreas Bernhardt. "Nicht Alcatel SEL, sondern die Telekommunikationsbranche ist in der Krise." Der Mutterkonzern hatte vor zwei Wochen angekündigt, weitere 10 000 Stellen in Europa zu streichen.

Betriebsrat protestiert

Der Betriebsrat kündigte Proteste an. "Das ist eine nackte Konzernentscheidung, die hier bei uns exekutiert wird", sagte Gesamtbetriebsratschef Alois Süss. Die deutsche Alcatel SEL blicke auf ein erfolgreiches Jahr zurück und arbeite profitabel. Ein genaues Budget für 2002 liege überhaupt noch nicht vor. "Die Leute werden auf Vorrat auf die Straße gesetzt. Wir sind nicht bereit, für eine verfehlte Konzernpolitik in anderen Erdteilen die Zeche zu bezahlen." Der Betriebsrat rechne mit "Hunderten von Kündigungen". Es sollten 828 Jobs allein im ersten Halbjahr wegfallen, meinte Süss. Für den kommenden Dienstag seien an den deutschen Standorten, aber auch in Frankreich, Spanien und Italien Demonstrationen der Beschäftigten geplant.

Alcatel SEL will in Bereich Vermittlungstechnik rund 550 von rund 3 850 Arbeitsplätzen und in Verwaltung und Service 250 von 1 750 Jobs streichen. Betroffen seien die Standorte Stuttgart, Berlin und Gunzenhausen (Bayern). Das Werk für Vermittlungstechnik in Gunzenhausen steht nach Angaben des Betriebsrats weiterhin zum Verkauf. Für die deutschen Schwester- und Tochterunternehmen der Alcatel SEL gebe es bisher noch keine konkreten Planungen, betonte Edig. Insgesamt beschäftigt Alcatel in Deutschland 13 500 Mitarbeiter. Mitte der 80er Jahre hatte die SEL-Gruppe, die damals zum amerikanischen ITT-Konzern gehörte, noch 33 000 Beschäftigte. Die letzte, heftig umstrittene Sanierung liegt erst zwei Jahre zurück, konnte aber ohne Kündigungen umgesetzt werden.

Vermittlungstechnik wird an Bedeutung verlieren

Alcatel will sich künftig stärker auf Infrastruktur für optische Netze und Mobilfunk konzentrieren. Die klassische Sparte Vermittlungstechnik werde an Bedeutung verlieren. Für 2002 rechnet Vorstandschef Bernhardt mit 10 % weniger Bestellungen und Erlösen.

Im laufenden Geschäftsjahr werde Alcatel SEL die Erwartungen erfüllen und den Umsatz um 5 bis 15 % steigern. Zum Ergebnis machte Bernhardt keine Angaben. Der deutsche Teilkonzern hatte 2000 erstmals wieder einen Jahresüberschuss in Höhe von 87 Mill. ? (170 Mill. DM) bei einem Umsatz von knapp 2 Mrd. ? vermeldet. Im Gesamtkonzern schlug in den ersten neun Monaten dieses Jahres ein Nettoverlust von 3,47 Milliarden Euro zu Buche. Weltweit will Alcatel ein Drittel der mehr als 100 000 Arbeitsplätze streichen.

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