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Deutsche Autos bleiben Exportschlager

Die deutsche Autoindustrie wird nach Einschätzung ihres Dachverbands VDA ihren Umsatz in diesem Jahr kräftig steigern und damit die schwache Konjunktur stützen.

Reuters FRANKFURT. Der Präsident des Verbands der Automobilindustrie (VDA), Bernd Gottschalk, sagte am Mittwoch in Frankfurt, der Umsatz dürfte auf mehr als 400 (Vorjahr 369) Mrd. DM zunehmen. "Wir selbst haben deshalb keinen Anlass, in das Krisengeschrei einzustimmen", sagte er. Die Zahl der Mitarbeiter in der Branche werde nach dem deutlichen Zuwachs in der ersten Jahreshälfte bis Ende 2001 voraussichtlich stabil bleiben. In diesem Jahr profitierten die deutschen Hersteller bislang unter anderem vom starken Exportgeschäft. Für 2002 geht der VDA auch von einer leichten Belebung des schwachen Inlandsmarktes aus.

Stabilisator für die deutsche Konjunktur

Die deutsche Autoindustrie wirkt nach Einschätzung des VDA derzeit als Stabilisator in einem schwächeren konjunkturellen Umfeld. "Unsere Industrie ist in der glücklichen Lage - wie auch in der Vergangenheit verschiedentlich -, gesamtwirtschaftliche Ausgleichskräfte zu entwickeln", sagte Gottschalk. In der ersten Jahreshälfte legte der Umsatz der Branche nach seinen Worten um zwölf Prozent auf 204 Mrd. DM zu, während ihre weltweite Produktion um neun Prozent wuchs. Im Inland nahm der Umsatz um fünf Prozent zu, die Exporterlöse wuchsen um 16 %.

Gottschalk wies zudem Befürchtungen zurück, die deutsche Autoindustrie könnte bei einer weiteren Aufwertung des Euro stark unter dem dann schwieriger werdenden Exportgeschäft leiden. "Natürlich ist uns die Stärke des US-Dollar am amerikanischen Markt zu Gute gekommen", sagte er. Doch kein Unternehmen nehme die bislang hohen Dollar-Kurse als gegeben für seine künftige Strategie an. Vielmehr bauten die deutschen Hersteller auf Innovation und moderne Technik sowie ein gutes Design. "Marktanteilszuwächse als Lohn der Anstrengungen sprechen eine klare Sprache." Unter anderem die höhere Bewertung des Euro hatte in der vergangenen Woche die Aktien der deutschen Autokonzerne unter Druck gesetzt, für die der Export angesichts des schwachen Inlandsmarkts momentan eine große Bedeutung hat.

Nach dem deutlichen Stellenzuwachs binnen eines Jahres wird die Beschäftigung in der deutschen Autobranche nach Einschätzung Gottschalks bis zum Jahresende etwa konstant bleiben. Ein Unsicherheitsfaktor sei die Restrukturierung des Verluste schreibenden Herstellers Opel, die möglicherweise zum Abbau von mehreren tausend Stellen führt. Er glaube aber, dass in der Branche insgesamt die jetzige Stellenzahl gehalten werden könne. "Die Beschäftigungssituation ist stabil und bleibt stabil auf dem Niveau, das wir jetzt haben", sagte Gottschalk.

Per Ende Juni beschäftigten die Autohersteller im Inland nach VDA-Angaben 767 000 Menschen, rund 22 000 mehr als vor einem Jahr. Die Stellen wurden geschaffen, obwohl die Zahl der Zulassungen von Pkw im Inland im vergangenen Jahr um elf Prozent und von Januar bis Juli 2001 nochmals um 2,5 % gesunken war. Der VDA ergänzte, seit Juni 1996 seien damit in der deutschen Autobranche 110 000 Stellen geschaffen worden.

Für 2001 hielt der VDA an der zuletzt gesenkten Prognose fest, wonach die Zahl der Pkw-Zulassungen im Inland auf 3,33 (Vorjahr 3,378) Mill. Fahrzeuge sinken dürfte. Nach der Beruhigung der Ölpreise und der erwarteten Belebung im zweiten Halbjahr sollte dieses Volumen möglich sein, sagte Gottschalk. Als positiv wertete er, dass die Zulassungen bei Privatkunden im zweiten Quartal nur noch um 3,5 % gesunken seien nach Minus 13 % im Auftaktquartal. Die in den ersten Monaten stagnierenden Zulassungen bei gewerblichen Haltern seien von April bis Juni wieder um sechs Prozent gewachsen. "Auch der Auftragseingang scheint sich zu fangen", sagte Gottschalk.

Für den Nutzfahrzeug-Markt im Inland sagte der VDA für 2001 einen Rückgang um sechs Prozent auf 297 000 Fahrzeuge voraus. Dabei dürfte der Markt für schwere Nutzfahrzeuge um elf Prozent und der für leichte Nutzfahrzeuge um drei Prozent schrumpfen. Diese Entwicklung sei ein Spiegelbild der Konjunktur und der Lage im Speditionsgewerbe, hieß es.

Belebung für 2002 erwartet

Für das Jahr 2002 rechne der VDA im Prinzip mit einer leichten Belebung des deutschen Fahrzeugmarkts, sagte Gottschalk weiter. Er wies aber auf die möglicherweise dämpfenden Wirkungen der nächsten Stufe der Ökosteuerreform hin, die eine nochmalige Erhöhung der Mineralölsteuer um sechs Pfennig zum Jahresbeginn 2002 vorsieht. Sollte dann noch der Ölpreis steigen, könnte dies der Erholung entgegenwirken. Gleichzeitig führten die Hersteller aber neue Großserien-Modelle ein, was die Nachfrage fördere. "Ich bin nicht skeptisch oder pessimistisch für das nächste Jahr."

Gottschalk warnte erneut davor, dass weitere Belastungen des Verkehrs mit Abgaben Arbeitsplätze gefährden könnten. Zusammen mit der erhöhten Ökosteuer und der geplanten Autobahn-Maut für schwere Lkw würden die Einnahmen aus dem Kraftverkehr 2003 einen Wert von fast 110 Mrd. DM erreichen. Angesichts eines Zuwachses dieser Einnahmen seit 1999 um dann 28 % sollten die Politiker dies noch einmal überdenken, sagte Gottschalk.

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