Deutsche BA bleibt im Unklaren
Krise zwingt British Airways zum Strategiewechsel

Die britische Fluggesellschaft British Airways (BA) will nach hohen Verlusten seit dem 11. September 2001 weitere Stellen abbauen. Vorstandschef Rod Eddington kündigt zudem eine Kurswende an: Die "Premium-Airline" will wieder stärker in Konkurrenz zu Billigfliegern wie Ryanair oder Easyjet treten.

LONDON. British Airways (BA) fliegt harten Zeiten entgegen: Die größte europäische Fluggesellschaft will mit einem massiven Abbau von Arbeitsplätzen, weiteren Streckenstillegungen sowie mit kurzen Billig-Routen den Weg aus der Krise schaffen. Das laufende Geschäftsjahr (Ende März) wird vermutlich ein rabenschwarzes: Branchenbeobachter erwarten inzwischen das schlechteste BA-Ergebnis seit der Privatisierung vor 15 Jahren.

Analysten in London rechnen mit einem Jahresverlust von rund 750 Mill. £ (1,2 Mrd. ?). Im abgelaufenen Quartal machte British Airways bereits einen Verlust von 187 Mill. £. Im Vorjahreszeitraum hatte das Unternehmen noch 80 Mill. £ Gewinn eingeflogen. Der Umsatzeinbruch seit dem 11. September 2001 macht allen Fluggesellschaften zu schaffen, doch von den drei Großen in Europa - BA, Lufthansa und Air France - müssen die Briten die schmerzlichsten Einschnitte verkraften. Die Airline ist von den Anschlägen deshalb so stark betroffen, weil sie über ihr Drehkreuz London-Heathrow besonders auf die einst so lukrative Transatlantikstrecke fokussiert ist.

BA-Chef Rod Eddington erklärte gestern, ein weiterer Stellenabbau sei aus seiner Sicht unumgänglich. Im vergangenen Jahr hat die Airline die Mitarbeiterzahl mit 7 000 Streichungen bereits um 12,5 % auf 56 500 Stellen reduziert. Zu Spekulationen, die Ex-Staatslinie könnte in einem radikalen Schritt den Abbau von bis zu 30 % aller Arbeitsplätze planen, kommentierte Eddington nicht. Er kündigte lediglich an, dass British Airways bis Ende Februar ein Strategiepapier für die Zukunft vorlegen wolle. Das Papier, das möglicherweise bereits am 14. Februar bei einem Investorentag präsentiert wird, dürfte auch über die Zukunft der Tochter Deutsche BA entscheiden. Seit Monaten wird in London spekuliert, ob der britische Konzern sich von seiner Verlust bringenden deutschen Tochter trennen wird. Der Konzern machte auch dazu unter Hinweis auf die "andauernde Prüfung der Strategie" gestern keine Angaben.

"Massiver Einfluss des 11. September"

Das schlechte Ergebnis im abgeschlossenen Quartal spiegele "den massiven Einfluss des 11. September auf die Umsätze und auch auf den anhaltenden Wirtschaftsabschwung wider", erklärte Eddington. Der Quartalsumsatz ging im Jahresvergleich um 20 % auf 1,84 Mrd. £ zurück, während auf der anderen Seite die Kosten lediglich um 8,5 % gesenkt werden konnten.

Dennoch fiel das Quartalsergebnis nicht so schlecht aus wie von einigen Analysten befürchtet. Der BA-Aktienkurs erholte sich deshalb nach einem Einbruch am Morgen und lag am Mittag sogar bei 214 Pence leicht im Plus. Allerdings hat der Kurs den Wert vom 10. September (264 Pence) bislang nicht wieder erreicht.

Über die künftige Strategie des Unternehmens schweben nach Ansicht von Analysten weiter große Fragezeichen. Eddington schloss gestern jedoch den Verkauf des 22-prozentigen Anteils an der australischen Fluggesellschaft Qantas aus. Ebenfalls komme die Aufnahme von Anleihen oder eine Kapitalerhöhung nicht in Betracht, erklärte der Konzernchef. Obwohl die Airline, die seit September 2 Mill. £ pro Tag verliert, inzwischen Schulden von 6,5 Mrd. £ aufgetürmt hat, sei die finanzielle Situation sehr gut. British Airways besitze 1,8 Mrd. £ in bar, so Eddington - und zudem die ausreichende Unterstützung der Banken. Für Überraschung bei Marktbeobachtern sorgten seine Aussagen, dass der Airline-Riese den expandierenden Billigfliegern wie Ryanair und Easyjet Konkurrenz machen wolle. Die herkömmlichen Fluggesellschaften müssten überdenken, "wie sie auf den Kurzstrecken wettbewerbsfähig sein wollten", erklärte Eddington. Das wurde in London als Kurswende gewertet: British Airways hatte im vergangenen Jahr die erst 1997 gegründete Billiglinie Go verkauft und seine Strategie auf die Transatlantikflüge nach Amerika und auf Business-Kunden ausgerichtet. Analysten zeigten sich gestern besorgt, dass die Airline vor allem im Premium-Segment Business- und First-Class zu kämpfen hat: hier sank das Passagieraufkommen in den drei Monaten bis Ende Dezember deutlich um 27,3 %, während die Economy-Class nur 16,2 % weniger Fluggäste hatte.

Auch das Scheitern der Bemühungen um ein Luftverkehrsabkommen zwischen Großbritannien und den USA mache eine Überholung der Geschäftsstrategie notwendig, sagte Eddington.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%