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Deutsche Bahn garantiert Entschädigung bei größerer Verspätung

Die Deutsche Bahn garantiert ihren Kunden künftig eine Entschädigung bei größeren Verspätungen im Fernverkehr. Vom 1. Oktober an erhalten Passagiere 20 % des Fahrpreises in Form eines Gutscheins zurück, wenn ihr Zug im Fernverkehr mehr als eine Stunde Verspätung hat. Dies sagte Bahn-Vorstandsmitglied Karl-Friedrich Rausch am Dienstag bei der Vorstellung der neuen Bahn-Kundencharta in Frankfurt. Prognosen zur Anzahl der Entschädigungs-Fälle machte die Bahn nicht.

dpa-afx FRANKFURT. Die Deutsche Bahn garantiert ihren Kunden künftig eine Entschädigung bei größeren Verspätungen im Fernverkehr. Vom 1. Oktober an erhalten Passagiere 20 % des Fahrpreises in Form eines Gutscheins zurück, wenn ihr Zug im Fernverkehr mehr als eine Stunde Verspätung hat. Dies sagte Bahn-Vorstandsmitglied Karl-Friedrich Rausch am Dienstag bei der Vorstellung der neuen Bahn-Kundencharta in Frankfurt. Prognosen zur Anzahl der Entschädigungs-Fälle machte die Bahn nicht.

Der Fahrgastverband Pro Bahn kritisierte die neue Regelung als völlig unzureichend. Die Rückerstattung von einem Fünftel des Preises werde die Kunden bei massiven Verspätungen nicht zufrieden stellen. Außerdem gelte die Regelung nur im Fernverkehr, nicht aber im Nah- oder Regionalverkehr, sagte Rechtsreferent Rainer Engel in München.

Allianz PRO Bahn: Entscheidender Fortschritt

Die Allianz Pro Bahn, die von der bahnnahen Wirtschaft unterstützt wird, sprach dagegen in Berlin von einem entscheidenden Fortschritt für die Rechte der Bahnkunden. Allerdings forderte auch die Allianz eine Ausweitung auf den Nahverkehr. Andernfalls seien weiterhin 90 % der Bahnkunden von Entschädigungen ausgeschlossen.

Im Gegensatz zum Fernverkehr sind die Eisenbahnen im Nahverkehr durch Verträge mit den Ländern verpflichtet, bei Verspätungen an die jeweiligen Auftraggeber eine Entschädigung zu zahlen. Bahn-Vorstand Rausch sagte, die Bahn könne nicht verpflichtet werden, doppelt zu zahlen. Langfristig halte er eine Ausweitung der Entschädigung für die Fahrgäste aber für denkbar.

Zur Höhe der Entschädigung sagte Rausch, er halte 20 % für angemessen. "Man kann immer sagen, dass ist zu wenig." Nach Angaben der Bahn gibt es in anderen europäischen Ländern höhere Entschädigungen von bis zu 100 %. Bei einer rechtsverbindlichen und damit vor Gericht einklagbaren Zusage sei die Deutsche Bahn in Europa aber Vorreiter. Außerdem seien die Rahmenbedingungen - wie etwa das Streckennetz - in den einzelnen Ländern unterschiedlich. Ausnahmen für Entschädigungsansprüche gelten bei höherer Gewalt wie etwa Bombendrohungen, Personenunfällen oder Unwetter.

Bahn Kommt Gesetz Zuvor

Mit der Charta kommt die Bahn einer gesetzlichen Regelung zuvor. In der Bundesregierung war erwogen worden, die Fahrgastrechte mit einem Gesetz zu stärken. Neben dem festen Entschädigungsanspruch gibt es weiterhin die Möglichkeit, auf dem Wege der Kulanz eine Erstattung bei schlechtem Service zu erhalten. Im Luftverkehr waren die Passagierrechte Anfang des Jahres auf europäischer Ebene gestärkt worden.

Konkrete Zahlen zur aktuellen Entwicklung der Pünktlichkeit bei der Bahn wollte Rausch auf Nachfrage nicht nennen. Im August hatte die Bahn unter anderem mit mehreren Unwettern und technischen Problemen bei den Neigetechnik-Zügen zu kämpfen. Im vergangenen Jahr waren nach Medienberichten die Intercity-Züge nur zu 75 % pünktlich, im Januar und Februar zu knapp 90 %. Dabei war das Ausmaß der jeweiligen Verspätung nicht genannt worden.

Rausch nannte auch keine Zahlen, mit wie vielen Entschädigungsfällen die Bahn rechne. "Über Planzahlen will ich nicht reden." Eine hohe Pünktlichkeit sei für ihn allerdings der wichtigste Punkt der Charta. Eine Vielzahl an Maßnahmen, darunter die Verbesserung der Fahrtzeugtechnik oder die Optimierung der Fahrpläne, werde die Bahn dabei nach vorne bringen.

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