Deutsche Bahn und SNCF bauen gemeinsames Transportgeschäft auf
Güterbahnen machen Tempo an der Grenze

Die französische Staatsbahn SNCF öffnet ihr bisher strikt abgeschottetes Netz für die Deutsche Bahn. Künftig fahren Güterzüge beider Partner mit eigenen Loks und Lokführern nonstop weit ins Nachbarland.

WOIPPY. Großer Empfang auf Frankreichs größtem Rangierbahnhof am Stadtrand von Metz: Mit einem Container-Zug aus Mannheim starteten Europas größte Güterbahnen, die SNCF Fret und DB Cargo, in eine neue Partnerschaft, die ihnen mehr Produktivität und vor allem mehr Marktanteil auf die Schienen bringen soll.

"Wir wollen die Rangierbahnbahnhöfe der Städte Lyon, Metz, Köln und Mannheim als Drehscheibe des internationalen Güterverkehrs vernetzen", sagte DB-Cargo-Vorstand Bernd Malmström. Geplant seien etwa 70 Züge pro Tag. Allein in die dafür erforderliche moderne Lok-Flotte investieren SNCF und DB rund 100 Mill. Euro.

40 Mehrsystem-Maschinen aus einem gemeinsamen Lok-Pool, die mit der unterschiedlichen Strom- und Betriebsleittechnik beider Bahnen ausgerüstet sind, sollen die Güterzüge ohne Aufenthalt an der Grenze schnell und direkt zwischen deutschen und französischen Rangierbahnhöfe befördern.

Gerade 12 % der rund 70 Mill. t des jährlichen deutsch-französischen Handelsvolumens fahren derzeit mit der Bahn - obwohl beide Gesellschaften national einen Marktanteil von 20 % haben. "Frankreich ist Deutschlands wichtigster Handelspartner", sagte Deutsche Bahn-Chef Hartmut Mehdorn. "Deswegen ist es so wichtig für uns, gemeinsam mit der französischen Bahn den Schienengüterverkehr zwischen beiden Ländern fit zu machen."

"Der Grenzeffekt nimmt uns den Verkehr weg", ergänzte SNCF-Chef Louis Gallois. Denn bisher ist die Fahrt von einem Land ins andere umständlich und zeitraubend: Lok- und Personalwechsel sind notwendig, Züge bleiben stehen, wenn die Anschlusslok nicht da ist. So wollen die beiden Partner nun Loks und zweisprachige Lokführer durchfahren lassen. Vereinfacht werden Produktions- und Abfertigungsprozesse, einschließlich der Verknüpfung der EDV-Systeme mit den Frachtinformationen. Der grenzüberschreitende Lok-Einsatz soll später von einem gemeinsamen Management dirigiert werden, sagte der Chef von SNCF Fret, Francis Rol Tanguy.

Soviel Gemeinsamkeit ist neu im deutsch-französischen Bahn-Verhältnis. Erst kürzlich kritisierte der Güterverkehrsexperte des Verbandes Deutscher Verkehrsunternehmen, Martin Henke, Frankreich sei wegen seines Widerstandes gegen EU-Liberalisierungspläne für die Bahnen "der letzte Hort einer stalinistischen Verkehrspolitik." Der frühere Bahnchef und heutige Exekutivdirektor der Gemeinschaft der Europäischen Bahnen, Johannes Ludewig, sprach in Woippy deshalb von der "exemplarischen Bedeutung" des Projektes für die Entwicklung des Bahngüterverkehrs im Sinne der EU-Verkehrspolitik.

Im Pilotbetrieb fahren acht Züge täglich die gut 200 km lange Strecke zwischen Mannheim und Woippy. Gezogen werden sie zunächst von deutschen Mehrsystemloks der über 20 Jahre alten Baureihe 181. Auf französischer Seite stehen vorerst nur Dieselloks für den kleinen Grenzverkehr bis Saarbrücken zur Verfügung.

Der Lokpool soll mit neuen Maschinen nach und nach ab 2003 an den Start gehen. Während der französische Hersteller Alstom die Loks für die SNCF liefern wird, kaufte die DB Maschinen der Baureihen 185 und 189 bei Bombardier und bei Siemens ein. Der Preis dieser Maschinen liege bei etwa 2,5 Mill. Euro, sagte DB-Cargo-Produktionsvorstand Klaus Kremper. Rund 10 % der Investitionssumme seien allein für die Installation der zusätzlichen Signal- und Betriebsleittechik im jeweiligen Nachbarland erforderlich.

Mit Millionenaufwand werde der Rangierbahnhof Mannheim modernisiert. Der zweitgrößte Rangierbahnhof Deutschlands sei "Drehscheibe" im Frankreich- und Italienverkehr. Er werde jährlich von einer Million Güterwagen durchlaufen und erhalte eine moderne, Rechner gesteuerte Ablaufanlage. Bis 2007 will DB Cargo zehn Rangierbahnhöfe für 250 Mill. Euro erneuern.

Quelle: Handelsblatt

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