Deutsche Bank 24 behält ihre rechtliche Selbständigkeit
Breuer erwartet Bankfusionen

Der Chef der Deutschen Bank rechnet in Kürze mit dem Zusammengehen von großen Banken in Europa - allerdings ohne deutsche Beteiligung. Denn bei Fusionen sind deutsche Banken nur Juniorpartner und als Kaufobjekte zu unattraktiv.

FRANKFURT/M. "Ein großer grenzüberschreitende Zusammenschluss zwischen Banken in Europa kommt sehr bald." Diese Auffassung vertrat Deutsche-Bank-Chef Rolf-E. Breuer im Gespräch mit dem Handelsblatt. Hierbei werde es sich weniger um eine Totalfusion handeln, als vielmehr um das Zusammengehen einzelner Geschäftsfelder. Der Deutsche-Bank-Chef begründet seine Ansicht mit dem Erreichen von nationalen Wachstumsgrenzen vor allem in Spanien, Frankreich und Großbritannien.

"Die Franzosen haben Appetit, das sieht man nicht zuletzt an der Übernahme von Consors durch BNP Paribas. Vor allem Fusionen zwischen Franzosen und Spanier sehe ich als denkbare Lösung", meint Ulrich Burchard, Senior Vice President von A.T. Kearney. Zwischen Banken aus diesen Ländern gebe es viele Gemeinsamkeiten und wenig Überschneidungen. "Spanische Banken haben in Lateinamerika derzeit viel Arbeit und sind nie in ihre Nachbarländer vorgedrungen. Wenn man ein diversifiziertes Portfolio haben möchte, drängt sich so etwas aber auf", sagt Breuer. Die Briten hält Burchard weniger für potenzielle Käufer: "Die haben in den 90er Jahren mit ihren Expansionsplänen nach Kontinentaleuropa schlechte Erfahrungen gemacht."

Standort Deutschland zu unattraktiv

Deutsche Banken sieht Breuer trotz der niedrigen Marktkapitalisierung nicht als Kaufziel. "Dafür ist der Standort Deutschland im Moment noch zu unattraktiv", meint er. Mit der wirtschaftlichen Entwicklung seines Hauses ist der künftige Aufsichtsratschef alles andere als zufrieden: "Die Profitabilität der Bank ist nicht das, was wir sehen wollen und was wir brauchen." Die Hauptsorge der Deutsch-Banker gilt der zu niedrigen Börsenkapitalisierung. Weniger - dies betont Breuer - aus Angst vor feindlichen Übernahmen, sondern vielmehr, da der niedrige Kurs der Aktien die strategischen Freiheiten einschränkt: "Unsere Aktien sind als Akquisitionswährung zu wenig wert. Zudem wären wir bei den meisten denkbaren Fusionen nur Juniorpartner." War die Deutsche Bank noch vor wenigen Jahren hinter den japanischen Finanzriesen unter den Top 10, so liegt sie gemessen am Börsenwert mittlerweile mit gut 40 Mrd. Euro weit abgeschlagen. Die Citigroup, weltweiter Spitzenreiter, verfügt heute über die fünffache Marktkapitalisierung der Deutschen Bank.

Um das zu ändern, wird bis Ende 2003 im eigenen Haus kräftig reine gemacht. Die Kosten sollen um 2 Mrd. Euro gesenkt werden. "Wir tragen einen Rucksack von Altlasten mit uns herum, von Investitionen, die wir heute kaum noch brauchen. Zum Beispiel haben wir zu viele Rechenzentren. Hier denken wir über eine Auslagerung von Informationstechnologie-Dienstleistungen nach. Davon wären über tausend Mitarbeiter betroffen. Daneben haben wir weltweit zu viele Researchaktivitäten unterhalten. Die kann man durchaus bündeln", kündigt Breuer an, wo es Handlungsbedarf gibt.

Die am Montag bekanntgegebene neue Strategie im Privatkundengeschäft hat für den scheidende Vorstandschef in der Öffentlichkeit eine überzogene Bewertung gefunden. "Die Deutsche Bank 24 bleibt eine rechtlich selbstständige Tochter. Das moderne Multikanalangebot soll auch weiterhin durch die ?24? unter der Dachmarke Deutsche Bank dokumentiert werden." Das Institut hatte angekündigt, die Aktivitäten mit Privatkunden, der gehobenen Klientel und dem Mittelstand zusammenzufassen.

Bekenntnis zum Privatkundengeschäft

Das Privatkundengeschäft ist "heute und in Zukunft ganz wesentlicher Teil unseres Geschäftsmodells", räumte Breuer Zweifel aus. Zwar könne man im Retailgeschäft in Deutschland wahrscheinlich nie eine angemessene Rendite erzielen, aber die Banken bräuchten es zur Festigung der Kundenbeziehung, um im Wertpapier- und Fondsgeschäft Geld zu verdienen. "Wir müssen den Einstieg in die Wertschöpfungskette subventionieren."

Während das Wealth Management, also das Geschäft mit den Superreichen, zur dritten globalen Säule neben dem Investment-Banking und dem Asset Management ausgebaut werden soll, will sich die Deutsche Bank im Massengeschäft auf ihre Kernländer wie Deutschland, Italien und Spanien konzentrieren. Breuer nannte "20 Millionen Kunden aufwärts" in Europa als erforderliche Losgröße.

Für große überregionale Banken sieht der Bankchef in Europa nur einen stark eingeschränkten Bedarf. "Der Vertrieb in Europa wird lokal bleiben. Von daher haben auch regionale Institute eine gute Zukunft", so Breuer. Im Mittelstandsgeschäft kündigt der Banker eine stärkere Ertragsorientierung an. "Die Beziehung muss für beide Seiten fruchtbringend sein. Entweder es kommt etwas für unsere Aktionäre heraus oder es gibt keine Kundenverbindung."

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