Deutsche-Bank-Chef fordert stärkere Orientierung an langfristiger Kapitalmarktbewertung
Ackermann kritisiert Ratingagenturen und Analysten

Josef Ackermann hat die Ratingagenturen, allen voran Moody's, scharf kritisiert. Auf dem 56. Deutschen Betriebswirtschafter-Tag der Schmalenbach-Gesellschaft für Betriebswirtschaft sagte der Chef der Deutschen Bank: "Ohne dass wir von Moody's kontaktiert wurden und unsere Position darstellen konnten, wurde unser Ausblick auf schlechter gestellt - das ist verheerend."

po FRANKFURT/M. Die Ratingagentur hatte vergangene Woche den Ausblick für das Langfrist-Rating und die Bewertung der Finanzstärke aller drei deutscher Großbanken - Deutsche Bank, Dresdner Bank und Commerzbank - auf "negativ" gesetzt. Die Analysten begründeten ihre Entscheidung mit den schlechten Perspektiven der Privatbanken, ihre Ertragsaussichten kurz- bis mittelfristig zu verbessern. Dadurch sei die Unsicherheit für das Langfristrating größer geworden.

Ackermann kritisierte auch die Wertpapieranalysten. Sie würden Erwartungen in die Welt setzen, die nicht gestützt seien und selbst bei nur leichtem Verfehlen zu Abschlägen von 10 bis 15 Prozent an den Finanzmärkten führen würden. "Schwache Unternehmen und auch schwache Persönlichkeiten wollen diese Erwartungen dann unter allen Umständen und mit allen Mitteln erfüllen," sagte der Chef der Deutschen Bank. Das habe unter anderem zu der Vertrauenskrise an den Märkten geführt.

Wie vor ihm schon andere - unter anderem der frühere Commerzbank-Chef Martin Kohlhaussen - riet auch Ackermann zum Abschied vom reinen Quartalsdenken. "Die reine Orientierung an der kurzfristigen Kapitalmarktbewertung ist als alleinige Zielgröße für die Unternehmenssteuerung ungeeignet", erklärte er. "Ein Umdenken ist absolut notwendig, die Finanzmärkte müssen rationaler werden und die strategische Ausrichtung in der Zukunft mit berücksichtigen", so der Schweizer.

Die Deutsche Bank selbst müsse hart daran arbeiten, wieder glaubhaft und zuverlässig zu werden. "Wir haben erklärt, die Kosten bis 2003 um 2 Mrd. Euro zu drücken. Die Analystenschätzungen liegen zwischen einer und eineinhalb Milliarden Euro. Das zeigt, wie wichtig es ist, wieder glaubhaft zu werden", so Ackermann.

Diese Einsparungen sollen zum einen durch Personalabbau, aber auch durch die Konzentration auf Kerngeschäftsfelder erzielt werden. Von der angekündigten Streichung von 14 700 Stellen seien knapp 10 000 bis heute bereits abgebaut, so Ackermann. Vom Verkauf der Geschäftseinheit Versicherungen, des Privatkundengeschäfts in Frankreich, des Wertpapierverwahrgeschäfts, der passiven Vermögensverwaltung sowie des US-Leasinggeschäfts verspricht sich Ackermann Kosteneinsparungen in Höhe von 1,4 Mrd. Euro. Erträge gingen dabei zwar auch verloren, allerdings im geringerem Umfang als die Kosten gesenkt würden. "Alle Geschäftsfelder haben eine Aufwand-Ertragsrelation von mehr als 100 Prozent", sagte der Schweizer.

Ackermann brach zudem eine Lanze für das deutsche Führungssystem mit einem Vorstand und einem unabhängigen Aufsichtsrat. "Das ist ein gutes Modell." Kritischer betrachtete er die Führungsmodelle in den USA und der Schweiz. Es sei gefährlich, wenn einzelne Personen ganze Unternehmen auf Grund ihrer Machtfülle in eine Richtung ziehen könnten wie in den USA. Auch die Schweizer Konstellation, wo der Verwaltungsrat für strategische Fragen und der Vorstand für das operative Geschäft zuständig sei, sei ein schlechtes Modell.

Quelle: Handelsblatt

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