Deutsche Bank
Die Prophezeiungen des Herrn Xu

Stolz berichtet Josef Ackermann an seinem 60. Geburtstag der Journalisten-Schar, dass er jede Menge Geschenke erhalten hat. Das womöglich schönste hat ihm Eugene Xu gemacht. Besser gesagt, dessen Weitsicht. Die sorgte nämlich ganz wesentlich dafür, dass die Deutsche Bank für das Jahr 2007 trotz Finanzkrise einen Rekordgewinn ausweist.

FRANKFURT. Auch an seinem 60. Geburtstag konnte sich Josef Ackermann als strahlender Gewinner der Turbulenzen an den Finanzmärkten präsentieren. Was sind schon 2,3 Mrd. Euro Abschreibungen, wenn einstmals stolze Konkurrenten wie Merrill Lynch, Citigroup oder UBS auf ein Zigfaches davon kommen?

Im August 2005 untersucht der in Schanghai geborene Deutsche-Bank-Analyst Xu erstmals die Vergabepraktiken im boomenden US-Hypothekenmarkt für Schuldner geringer Bonität. Die dort verbreiteten Wildwest-Methoden lassen bei dem promovierten Mathematiker offensichtlich alle Alarmglocken läuten.

Gerade bei den Verbriefungen der Hypotheken-Darlehen gebe es eine Überhitzung, lautet Xus Urteil. Der Markt für sogenannte Asset-Backed-Securities (ABS) - also mit Forderungen aus Immobilienkrediten besicherte Anleihen - sei "reif für eine Korrektur". Spätestens wenn sich der in den letzten Jahrzehnten stetige Anstieg der Immobilienpreise abschwäche, seien Verluste für Investoren die wahrscheinliche Folge.

An dieser Stelle kommt Greg Lippmann ins Spiel. Er leitet den ABS-Handel der Deutschen Bank. Lippmann nimmt das Schreckensszenario Xus ernst. So ernst, dass er handelt. Und zwar auf den ABX-Index, der die Wertentwicklung bestimmter ABS-Papiere abbildet. Spätestens ab Ende 2006 wetten Lippmann und sein Team darauf, dass der Index einbricht. Bis zum Beinahe-Zusammenbruch von IKB und SachsenLB ist es da noch mehr als ein halbes Jahr hin.

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