Deutsche Bank in Zeitnot
Ackermann drängt auf rasche Lösung

Der Ausflug ins Geschäft mit Private Equity hat sich für die Deutsche Bank zum Albtraum entwickelt. Die Konzernspitze will die Direktbeteiligungen auf einen Schlag loswerden. Aber in Krisenzeiten ist das schwierig.

HB FRANKFURT/M. Vorstandssprecher Josef Ackermann ist bei seinen Aufräumarbeiten im Deutsche Bank-Konzern schon gut vorangekommen, aber ein dicker Brocken liegt ihm noch im Weg: das Beteiligungsportfolio von DB Capital Partners. Bis zum Jahresende hätte der Konzernchef das Problem gerne aus der Welt - sprich von der Bilanz - geschafft, jetzt wird die Zeit knapp. Nach Handelsblatt-Informationen soll noch Ende Oktober im Group Executive Committe der Bank eine Vorentscheidung fallen, was mit den Direktbeteiligungen geschehen soll.

Das Private-Equity-Geschäft zählt die Deutsche Bank nicht mehr zum Kerngeschäft, die hohen Abschreibungen - bisher addierten sie sich auf geschätzt über eine Mrd. Euro - sind bei jeder Bilanzpräsentation ein Ärgernis. Doch eine schnelle Lösung zeichnet sich nicht ab, denn der Firmenbestand ist sehr heterogen - eine Wundertüte.

Vom Private-Equity-Portfolio, das einen Wert zwischen 5,6 Mrd. Euro und 6,0 Mrd. Euro haben soll, stehen nur die Direktbeteiligungen von DB Capital zum Verkauf, die auf zwei bis 2,5 Mrd. Euro geschätzt werden. Der Rest entfällt auf Dachfonds und Fonds von Morgan Grenfell Private Equity, die nicht zur Disposition stehen.

Mit DB Capital Partners und dem erfahrenen Ted Virtue an der Spitze hat die Deutsche Bank ihre zuvor versprengten Investments zwar organisatorisch in den Griff bekommen. Im Portfolio finden sich neben Perlen wie dem Freizeitparkbetreiber Center Parcs und dem Kekshersteller United Biscuits aber auch zahlreiche Telekomausrüster und IT-Gesellschaften, die stark an Wert verloren haben. In den Boomjahren 1999 bis 2001 packten die Deutschbanker besonders viel in den Einkaufswagen - entsprechend hoch war bisher der Wertberichtigungsbedarf. "Da ist nichts drin, was unglaublich heiß ist", sagt ein Manager bei einer angelsächsischen Beteiligungsgesellschaft, dem das Portfolio angeboten wurde. Doch "für einen Räumungsverkauf ist jetzt der denkbar schlechteste Zeitpunkt", sagt ein Investmentbanker in Frankfurt angesichts der gedrückten Marktlage.

Dennoch drückt Ackermann aufs Tempo: Der Corporate-Finance-Chef der Deutschen Bank, Michael Cohrs, soll drei Optionen bewerten. Die erste wäre ein kompletter Verkauf an einen Finanzinvestor, wobei Kohlberg Kravis Roberts (KKR) als Interessent ins Spiel gebracht wurde. Allerdings gilt das Gesamtportfolio mit seinem Mix aus High-Tech, Immobilien und Keksen als unübersichtlich, "man wird lange brauchen, um es wirklich zu verstehen", sagt ein Insider. Außerdem sind die Beteiligungsverhältnisse kompliziert. Beispiel Center Parcs: DB Capital sei nur in Großbritannien alleiniger Eigentümer, auf dem Festland sitze gleichberechtigt der Tourismuskonzern Pierre & Vacances im Boot. Da muss man fragen "Gibt es da Vorkaufsrechte?", sagt ein mit dem Vorgang vertrauter Investmentbanker.

Überhaupt bestehe das Portfolio aus vielen Minderheitsbeteiligungen, eine Situation, die Finanzinvestoren nicht sehr schätzten und die einen hohen Paketabschlag bedeute. Eine Wirtschaftlichkeitsprüfung ("due diligence") sei für alle Investments in diesem Jahr keinesfalls mehr zu schaffen, heißt es. Ein realistischer Kaufpreis könne sich nur an den Eigenkapitalinvestitionen im Portefeuille orientieren, geschätzt werden diese auf höchstens 1,5 Mrd. Euro.

Option Nummer zwei ist ein schrittweiser Verkauf einzelner Beteiligungen. Der Prozess wäre aber noch langwieriger. Der dritten Variante wird derzeit besonders viel Aufmerksamkeit geschenkt: einem Buyout durch das Management von DB Capital. Dabei müssten etwa Europa-Chef Graham Clempson und andere Manager von DB Capital neue Investoren finden und das Portfolio herauskaufen und auf eigene Faust managen, sagt ein hochrangiger Mitarbeiter von DB Capital. Die Deutsche Bank sollte aber als Minderheitsgesellschafter mit vielleicht 25 % beteiligt bleiben und weiterhin das Netzwerk an Industriekontakten zur Verfügung stellen. "Ohne das Netzwerk sind keine neuen Beteiligungen denkbar", sagt ein Mitarbeiter von Ackermann. Immerhin wäre so in Zukunft der Druck von der Bilanz genommen.

Im Private-Equity-Team um Deutschland-Chef Fritz Seikowsky ist die Stimmung am Boden. "Die hatten fünf bis sechs lukrative Deals vor der Büchse, aber leider keine Munition mehr", sagt ein Insider.

Quelle: Handelsblatt

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%