Deutsche Bank
Kommentar: Diese Panne durfte nicht passieren

Transparenz und Chancengleichheit für alle Investoren - für die Durchsetzung dieser hehren Ziele sorgen an den Wertpapierbörsen dies- und jenseits des Atlantiks Aufsichtsämter wie die als besonders scharf bekannte US-Behörde SEC und das deutsche Bundesaufsichtsamt für den Wertpapierhandel (BAWe), das mitunter als "zahnloser Tiger" kritisiert wird. Jetzt geriet mit der Deutschen Bank eine ungewöhnlich prominente Gesellschaft ins Fadenkreuz der Börsenkontrolleure: Das detailgenaue Durchsickern der Zahlen für das dritte Quartal am frühen Mittwochmorgen verstößt wahrscheinlich gegen die strengen Veröffentlichungsvorschriften und legt den Verdacht auf den Missbrauch von Insiderwissen nahe. Die Zahlen, von denen der Aufsichtsrat am Dienstag unterrichtet worden war, sollten erst am Donnerstag veröffentlicht werden.

Das BAWe muss jetzt zeigen, welche Durchsetzungsfähigkeit die Beamten trotz des bislang unzureichenden gesetzlichen Auftrags und der Unterbesetzung haben. Davon unabhängig sollten die parlamentarische Behandlung in Berlin und das Inkrafttreten des 4. Finanzmarktförderungsgesetzes beschleunigt werden, um der Aufsichtsbehörde endlich den nötigen Biss zu geben.

Aber nicht nur das BAWe und möglicherweise die amerikanische SEC sind jetzt gefragt. Wenige Wochen nach dem Beginn der Notierung an der New Yorker Börse muss sich die Deutsche Bank die Frage gefallen lassen, wie es zu dieser peinlichen Panne kommen konnte. Das führende deutsche Geldhaus muss nicht nur intern die Verursacher zur Verantwortung ziehen und möglicherweise die Prozedur der Veröffentlichung kursrelevanter Zahlen verbessern. Zur herausragenden Rolle der Deutschen Bank auf den internationalen Finanzmärkten und als "Patin" der Deutschen Börse gehört sicher auch eine Vorbildfunktion in Sachen Transparenz gegenüber den Anlegern in aller Welt - Fehler wie der gestrige dürfen da einfach nicht passieren.

Hermann-Josef Knipper
Hermann-Josef Knipper
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