Deutsche Bank
Kommentar: Finanzplatz Frankfurt in Gefahr

Wenn der oberste Risikomanager der Deutschen Bank, der international hoch angesehene Thomas Fischer, am kommenden Mittwoch die Brocken tatsächlich hinwerfen sollte, wie es am Wochenende in London und Frankfurt kolportiert wurde, dann gilt die höchste Alarmstufe für die führende deutsche Bankengruppe sowie den Finanzplatz Frankfurt.

Denn mit Fischer verschwände der letzte Widerstand gegen die weitere Geschäftsverlagerung nach London und New York innerhalb der Deutschen Bank. Mit Fischer verließe auch der einzige intellektuell starke Gegenpart zu dem Schweizer Josef Ackermann, dem künftigen Deutsche-Bank-Chef, das Haus. Als Vordenker, der etwa im Basel-II-Prozess zur Neuregelung der Eigenkapitalstandards maßgeblich mitmischte, wird Fischer der gesamten deutschen Finanzszene fehlen.

Wenn Fischer geht, dann werden auch Mitarbeiter, Aktionäre, Kunden sowie Standortpolitiker wie die Frankfurter Oberbürgermeisterin Petra Roth (CDU) und Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) das führende Bankhaus des Landes und das deutsche Kreditgewerbe insgesamt in wenigen Jahren kaum noch wiedererkennen. Die Sogwirkung auf die besten Köpfe und die Innovationsfabriken wird enorm sein, wenn die Deutsche Bank nicht mehr von Frankfurt aus, sondern aus London und New York operieren wird. Dass dies auch viele anspruchsvolle Arbeitsplätze kosten wird, liegt auf der Hand. Eine ferne Zukunftsvision ist diese Perspektive nicht mehr, wie etwa die Tatsache zeigt, dass bereits heute zwei Drittel der Entscheidungen in der Deutschen Bank außerhalb Frankfurts getroffen werden.

Inwieweit sich die Ackermann-Linie letztlich durchsetzen wird, hängt jetzt vor allem von den Bankenaufsehern im In- und Ausland ab, die das neue Führungsmodell noch genehmigen müssen. Nicht nur das deutsche Aktien- und Kreditwesengesetz halten da noch diverse Stolpersteine bereit.

Hermann-Josef Knipper
Hermann-Josef Knipper
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