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Deutsche Bank muss die versprochene Rendite liefern

vwd FRANKFURT. Die Deutsche Bank steht 2005 vor einem entscheidenden Jahr. Vorstandssprecher Josef Ackermann muss die dem Kapitalmarkt versprochene Eigenkapitalrendite liefern, sonst droht ihm und der Bank ein Vertrauensverlust. Zwar halten Analysten das Renditeziel von 25 Prozent vor Steuern für ambitioniert. Ackermann hat zuletzt aber keinen Zweifel daran gelassen, dass er alles tun wird, um dieses Ziel zu erreichen. Erstes Zeichen war die Personalrochade im erweiterten Vorstand. Auch vor erneutem Stellenabbau im Heimatmarkt Deutschland schreckte der Schweizer nicht zurück.

Der Personalwechsel im Group Executive Committee war Beobachtern zufolge auch als Signal an die gesamte Bank zu verstehen. "Ackermann wollte zeigen, dass er nach dem Wegfall der Belastungen aus dem Mannesmann-Prozess die Zügel wieder anzieht", sagte ein Deutsche-Bank-Mitarbeiter. Doch das RoE-Ziel (return on equity - Rendite auf das eingesetzte Kapital) von 25 Prozent nach Steuern ist trotz der strafferen Zügel noch ein gutes Stück weg. Per 30. September hatte die Bank eine Rendite von knapp 20 Prozent vorzuweisen. Analysten zufolge ist deshalb ungeachtet des Sparkurses ein verbessertes Marktumfeld und eine Konjunkturaufhellung vonnöten, damit die Bank das Ziel erreichen kann.

Renditeziel ist nach Ansicht von Analysten ehrgeizig

"Das Ziel ist ambitioniert", meinte auch M.M.Warburg-Analyst Jörn Kissenkötter. Um Ackermanns Vorgabe zu erfüllen, braucht die Bank seiner Ansicht nach fast so ein gutes Umfeld wie im ersten Quartal 2004. Ohnehin sehen professionelle Marktbeobachter das 25 Prozent-Ziel eher als eine Art "Sport des Managements", jedenfalls verlange der Kapitalmarkt diese Zahl nicht unbedingt. "Eine Rendite von 20 Prozent ist im internationalen Vergleich auch noch gut", sagte auch Kissenkötter. Den Vergleich mit anderen deutschen Großbanken brauche die Deutsche Bank sowieso nicht zu scheuen.

Trotzdem muss die Bank nach Auffassung der Analysten Antworten auf die Marktschwäche im Investment Banking finden und den Mittelabflüssen im Fondsgeschäft in Großbritannien begegnen. Die Verschlankung im Investment Banking und die Zusammenführung der Zuständigkeit für Aktien und Anleihen unter Anshu Jain werteten Analysten zwar positiv. Doch Kissenkötter bemängelt, dass es zur Höhe der Synergien noch keine Details gebe. Diese werden erst auf der Jahrespressekonferenz am 3. Februar bekannt gegeben. Es gilt aber als so gut wie sicher, dass die Deutsche Bank die Kosten der Restrukturierung noch im Schlussquartal 2004 verbuchen wird.

Enttäuschend nannten Beobachter den ersten Frankfurter Auftritt von Kevin Parker in seiner Funktion als Leiter des Asset Managements. Parker habe keine konkreten Maßnahmen präsentiert, wie er den massiven Nettomittelabfluss in Großbritannien zu stoppen gedenke. Als richtig wurde indes die Entscheidung gewertet, dem Chef der erfolgreichen deutschen Fondstochter DWS, Axel Benkner, auch die Zuständigkeit für Euroopa zu übertragen. Die Tatsache, dass damit auch Kompetenzen von London nach Frankfurt verlagert werden, wurde am Finanzplatz Frankfurt als hoffnungsfrohes Zeichen gefeiert.

Wiederentdeckung des Heimatmarkts

In der Tat scheint Ackermann den Heimatmarkt neu entdeckt zu haben. Auf einer Hochschulversammlung schloss er in einer für ihn sehr emotionalen Rede aus, dass die Deutsche Bank Deutschland verlassen wird. Die Deutsche Bank sei auf ihren starken Heimatmarkt angewiesen, sagte der Schweizer zur Begründung. Vor allem im Firmenkundengeschäft will die Bank daher aus früheren Fehlern lernen. "Ich glaube, wir können das besser", formulierte der von Ackermann neu berufene Deutschland-Chef Jürgen Fitschen und kündigte eine Verstärkung der Kundenbeziehungen an.

Dennoch schützen die Marktoffensive und die damit einhergehenden Einstellungen die Belegschaft nicht vor einem Stellenabbau. Betroffen davon sind hauptsächlich Mitarbeiter, die nicht in der direkten Betreuung von Kunden tätig sind. In den so genannten Back-Office-Bereichen gehen netto fast 2.000 Stellen verloren, auf betriebsbedingte Kündigungen soll aber verzichtet werden. Dass im Zuge der Umstrukturierungen im Investment Banking und im Asset Management noch weitere Stellen verloren gehen, darf als sicher gelten.

Ob der verschärfte Sparkurs in Verbindung mit diversen Marktoffensiven ausreicht, um den Renditehunger der Investoren zu stillen - der Kursverlauf der Deutsche-Bank-Aktie wird dies im kommenden Jahr zum AUS-Dollarruck bringen. Allerletzte Gewissheit über die 2005 erreichte Rendite werden aber Anleger und Öffentlichkeit erst 2006 erlangen. Dann wird der Geschäftsbericht für 2005 belegen, ob Ackermann sein ehrgeiziges Ziel geschafft hat.

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